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Lienen vor dem Absprung

 Neue Richtung: Trainer Ewald Lienen zieht es von München nach Griechenland, wo er bereits 2007 zum Trainer des Jahres gewählt worden war. Foto: dpa
Neue Richtung: Trainer Ewald Lienen zieht es von München nach Griechenland, wo er bereits 2007 zum Trainer des Jahres gewählt worden war. Foto: dpa
München. Donnerschlag in der Sommerpause: Mit seinem bevorstehenden Wechsel zum griechischen Spitzenclub Olympiakos Piräus hat Trainer Ewald Lienen den Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München in erneute Turbulenzen gestürzt. Der 56-Jährige hat die "Löwen" um Auflösung seines bis 2011 laufenden Vertrages gebeten. "Das ist eine große Herausforderung für mich Von dpa-Mitarbeiter Michael Fox

München. Donnerschlag in der Sommerpause: Mit seinem bevorstehenden Wechsel zum griechischen Spitzenclub Olympiakos Piräus hat Trainer Ewald Lienen den Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München in erneute Turbulenzen gestürzt. Der 56-Jährige hat die "Löwen" um Auflösung seines bis 2011 laufenden Vertrages gebeten. "Das ist eine große Herausforderung für mich. Ich will diesen Traditionsclub wieder ganz nach oben führen", erklärte Lienen mit Blick auf den 37-maligen griechischen Meister. Zwei Wochen vor dem Start der Vorbereitung in die neue Saison stehen die ohnehin krisengeschüttelten "Löwen" dagegen plötzlich erst einmal ohne Trainer da. "Ewald Lienen hat mich soeben aus Piräus angerufen und gebeten, schon in den nächsten Tagen mit uns über eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages als Cheftrainer zu verhandeln", erklärte "Löwen"-Geschäftsführer Manfred Stoffers in einer am Montagabend verbreiteten Erklärung. Der Rest dürfte nur noch Formsache sein: "Wir werden unsere beiderseitigen Interessen diskutieren und abwägen und dann zu einem fairen Ergebnis kommen - so wie wir es in der Vergangenheit auch immer gehalten haben", sagte Stoffers. Zuvor hatte Lienen, der von 2006 bis 2008 Panionis Athen leitete und 2007 zum Trainer des Jahres in Griechenland gewählt wurde, mit der Piräus-Vereinsführung sein neues Hellas-Abenteuer besprochen. Erst vor 13 Monaten hatte der Uefa-Pokal-Sieger von 1979 sein Amt beim TSV 1860 angetreten und die "Löwen" vor dem drohenden Abstieg bewahrt. In der abgelaufenen Saison sprang für den ambitionierten Club aber wieder nicht mehr als Mittelmaß heraus, mit Platz acht wurde der erhoffte Aufstieg mehr als deutlich verpasst. "Lienen vergriecht sich", titelte gestern die Münchner "Abendzeitung" - und machte damit das Dilemma des Traditionsclubs deutlich. Seit dem Bundesliga-Abstieg vor sechs Jahren dümpelt der Verein im Mittelfeld des Zweiten Liga herum, selbst bei den euphorischen "Löwen"-Fans schwindet die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Bundesliga immer mehr. "Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Vor der Saison wollen sie aufsteigen, dann landen sie wieder auf Platz zehn", nörgelte Ex-Trainer Werner Lorant. Lienen ist bereits der neunte Trainer seit Lorants Weggang im Herbst 2001 - Kontinuität ist etwas anders. Lienens Nachfolger könnte mit Reiner Maurer ein alter Bekannter werden. Erst vor einem Monat wurde der frühere Cheftrainer zum neuen Coach des Regionalliga-Teams der "Löwen" ernannt. Dass er mit der möglichen Beförderung zum Cheftrainer der ersten Mannschaft wieder auf einem echten Schleudersitz Platz nehmen würde, ist Maurer aus eigener bitterer Erfahrung bewusst. "Der Trainerjob bei 1860 ist immer gefährdet", hatte er vor mehr als vier Jahren kurz vor seiner Entlassung beim TSV 1860 betont.