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Formel 1
Hamilton, der Rennfürst von Monaco

Monaco. Mercedes-Star gewinnt vor Ferrari-Pilot Sebastian Vettel und Valtteri Bottas im zweiten Mercedes und widmet den Sieg Niki Lauda. Von Walter Koster

Mercedes hat die Formel 1 weiter im Würgegriff – wenn auch nicht wie in den fünf Rennen zuvor mit einem Doppelpack. Im Spielerparadies Monte Carlo durfte sich Lewis Hamilton am Sonntag zum dritten Mal zum Rennfürst krönen. Der Weltmeister setzte sich vor Ferrari-Star Sebastian Vettel und Hamiltons Teamkollegen Valtteri Bottas durch. „Ich habe mit dem Geist von Niki Lauda gekämpft“, sagte Hamilton, „ich weiß, er schaut auf uns herunter. Ich wollte ihn stolz machen.“

Für den 77. Sieg seiner Formel-1-Karriere musste Hamilton in packenden Schlussrunden kämpfen wie nie zuvor. Seine Sorgen um die zusehends abbauenden Reifen und der ungeheure Druck von Verfolger Max Verstappen waren für ihn wie eine Tragödie. „Der Sieg kann nur noch mit einem Wunder sichergestellt werden“, funkte er zwischenzeitlich an die Mercedes-Strategen. Nach dem „Wunder“ bekannte der Brite: „Das war das härteste Rennen, das ich hatte.“

Der „fliegende Holländer“ Verstappen, der im Red Bull eine tolle Show bot, wurde auf Platz vier zurückgestuft. Dem „Jung-Bullen“ wurde wegen einer Kollision mit Bottas in der Boxengasse eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt. Sebastian Vettel, von Platz vier gestartet, hatte mit Platz zwei sein bestes Saisonergebnis. „Ich habe immer nur gedacht: dranbleiben.“ Mit seinen Reifen hätte er keine Probleme gehabt. „Es war ein tolles Ergebnis für uns. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber das war ein Schritt in die richtige Richtung.“



Ein rabenschwarzes Wochenende erwischte Vettels Teamkollege Charles Leclerc. Nach einem völlig verkorksten Qualifying der Ferrari-Strategieabteilung startete der waschechte Monegasse gefrustet und mit einem dicken Hals von Startplatz 16 eine furiose Aufholjagd. Doch nach einem Reifenschaden, den er sich der Lokalmatador bei einer Überholattacke gegen Nico Hülkenberg infolge einer Karambolage mit dem Renault-Piloten zugezogen hatte, fiel der Ferrari-Jungstar aussichtslos zurück und musste später aufgeben. Hülkenberg kam abgeschlagen auf Rang 14.

Nach dem sechsten von 21 Saisonrennen baute Hamilton (137 Punkte) mit seinem vierten Saisonsieg seine WM-Führung auf Verfolger Bottas (120) aus. Vettel ist mit 82 Zählern nun Dritter vor Verstappen (78) und Leclerc (57).

Bevor dieser 77. Monaco-Grand-Prix gestartet wurde, würdigten Fahrer, Offizielle und das Fürstenpaar die am vergangenen Montag im Alter von 70 Jahren verstorbene Formel 1-Ikone Niki Lauda. Zuschauer und Fans zollten der Rennlegende ebenfalls ihren Tribut. Nach der Zieldurchfahrt veranstalteten die anliegenden Yachten im Hafen ein Hupkonzert zu Ehren des dreimaligen Weltmeisters und zweimaligen Monaco-Siegers.

Das Mercedes-Team würdigte seinen langjährigen Aufsichtsratschef seit Donnerstag mit Trauerflor und färbte die üblicherweise silbernen Sterne sowie den Cockpitschutz (Halo) komplett in Rot ein mit dem Schriftzug „Niki, wir vermissen dich“. Einer der Mercedes-Sterne soll dauerhaft in Rot erstrahlen. Außerdem zierte der Schriftzug „Danke Niki“ die Nasen der Silberpfeile und darüber ein Autogramm von Lauda in roter Schrift. Lewis Hamilton bestritt das Rennen mit einem roten Helm. An Laudas Platz in der Box wurde eine rote Kappe über seinen Kopfhörer gelegt. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel ließ zu Ehren Laudas seinen Helm mit einer Sonderlackierung im Lauda-Design anfertigen und fuhr ebenfalls in Rot. Laudas Ex-Rennstall Ferrari verzierte seine beiden Boliden an den Seitenkästen mit dünnen schwarzen Balken und Laudas Schriftzug.