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Langstrecken-Ass
Phantom Klosterhalfen: Das Lauftalent weit weg in Amerika

 Konstanze Klosterhalfen sieht sich im Olympia-Jahr auf einem guten Weg. Foto: Michael Kappeler/dpa
Konstanze Klosterhalfen sieht sich im Olympia-Jahr auf einem guten Weg. Foto: Michael Kappeler/dpa
Phoenix. Konstanze Klosterhalfen war 2019 die am meisten beachtete deutsche Leichtathletin: Wegen ihrer Rekorde, ihrer WM-Bronze-Medaille - und auch wegen des Falls Salazar. So schnell wird man die Leverkusenerin in Deutschland nicht wiedersehen. Von Ulrike John, dpa

Weit weg in Amerika. Wenn an diesem Freitag in Karlsruhe die Hallen-Saison in Deutschland beginnt, fehlt ausgerechnet jene Leichtathletin, die im vergangenen Jahr die meisten Blicke und Fragen auf sich zog.

Konstanze Klosterhalfen trainiert und läuft in diesem Winter nur in den USA und macht sich als Phantom der Szene rar. Die 22 Jahre alte WM-Dritte über 5000 Meter hält trotz des Doping-Skandals um Starcoach Alberto Salazar und der Auflösung des Nike Oregon Projects (NOP) an ihrem Trainer Pete Julian fest. Beim Deutschen Leichtathletik-Verband hat man die Causa inzwischen aufgearbeitet.

Die am Mittwochabend wegen des Coronavirus abgesagte Hallen-WM im März im chinesischen Nanjing hatte Klosterhalfen ohnehin nicht auf dem Zettel. Auch bei den deutschen Meisterschaften am 22./23. Februar in Leipzig tritt sie nicht an. Derweil sieht sich die Leverkusenerin auf einem guten Weg Richtung Tokio. Bis Ende Februar spult sie ihre Trainings-Kilometer im sonnigen Phoenix/Arizona ab, bevor es dann zurück nach Portland geht. „Die Wintervorbereitung läuft soweit. Das Rennen in Boston war ein guter Test aus dem Training heraus und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der erste Schritt in die 2020-Saison ist gemacht“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.



In Boston hatte Klosterhalfen am Wochenende Rang zwei über 1500 Meter in 4:04,38 Minuten hinter ihrer australischen Trainingskollegin Jessica Hull belegt. Am 8. Februar tritt sie bei den Millrose Games in New York an, am 28. Februar bei einem kleinen Meeting erneut in Boston. „Wir machen eine kurze Hallensaison auf dem Weg in die Sommervorbereitung. Nach der WM in Doha letztes Jahr im Oktober kommt Olympia im August früh dieses Jahr“, sagte die mehrfache deutsche Rekordhalterin.

Klosterhalfen wird ihre Vorbereitung auf die Sommerspiele weiter beim früheren Salazar-Assistenten in Portland bestreiten. Der US-Coach steht wegen seiner Tätigkeit im NOP in der Kritik, das nach der Sperre von Cheftrainer Salazar wegen Verstößen gegen das Doping-Reglement geschlossen wurde. Bei der WM im Oktober in Katar hatte das für mächtig Wirbel - auch um die deutsche Vorläuferin - gesorgt.

„Das NOP ist als Organisation geschlossen, aber die Infrastruktur wie Laufbahn, Fitnesscenter usw. am Nike-Headquarter besteht natürlich weiterhin und wird von Konstanze auch genutzt“, erklärte ihr Management. Mit dem DLV hat es inzwischen das angekündigte Gespräch gegeben, bei diesem war auch Oliver Mintzlaff zugeschaltet. Der Fußballmanager von Bundesliga-Tabellenführer RB Leipzig und frühere Leichtathlet gilt als der Strippenzieher im Team der Olympia-Hoffnung.

Klosterhalfen habe bekräftigt, dass sie weiter in den USA mit Julian trainieren möchte, sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska. „Der Vorbereitungszeitraum auf die Olympischen Spiele ist recht kurz, und sie wollte daher bis Tokio nichts ändern. Es ist eine Entscheidung, die sie getroffen hat und die wir respektieren.“

Die Hallenplanung sei mit dem leitenden Lauf-Bundestrainer Thomas Dreißigacker und dem Disziplin-Coach Sebastian Weiß, Klosterhalfens früherem Heimtrainer, abgesprochen. „Ein kurzfristiger Einsatz in Deutschland macht im Zusammenhang mit ihrer Saisonplanung keinen Sinn“, sagte Gonschinska.

Gespannt sind Fans und Experten nicht nur auf den Ausgang des Falls Salazar, sondern wie und wo sich „Koko, wie sie alle nennen, im Sommer in Deutschland zeigt: Ob sie wieder einen Rekord nach dem anderen rennt - und vor allem, ob sie in Tokio den ganz großen Coup landet.

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