| 23:20 Uhr

Leichtathletik-WM in London
Nicht alle trauern Bolt hinterher

Der jamaikanische Sprint-Superstar Usain Bolt tritt nach der WM in London zurück. Ein Jarzent lang war er das Gesicht der Leichtathletik.
Der jamaikanische Sprint-Superstar Usain Bolt tritt nach der WM in London zurück. Ein Jarzent lang war er das Gesicht der Leichtathletik. FOTO: Rainer Jensen / dpa
London. Gut, dass er geht. So denken nicht wenige deutsche Leichtathleten über den Rücktritt des Superstars. Dass sich alles auf ihn konzentrierte, fanden viele nicht gut.

(dpa) Deutschlands Leichtathleten werden Usain Bolt nicht vermissen, wenn er sich nach der WM in London in den Sprint-Ruhestand verabschiedet. „Ich fand den Hype um Bolt nicht gerecht. Er hat eine unglaubliche Leistung vollbracht, doch die Leichtathletik ist mehr als eine Person, auf die sie reduziert wurde“, meinte der deutsche 100-Meter-Rekordler Julian Reus. „Das ist eine Chance für andere Athleten, andere Disziplinen und vielleicht auch für Duelle.“

Die Lichtgestalt Bolt war über ein Jahrzehnt Identifikationsfigur, Entertainer, Zuschauermagnet. „Der Muhammad Ali der Leichtathletik“, wie Weltpräsident Sebastian Coe ihn nennt. Doch er hat auch viel Schatten auf andere geworfen, die ins Rampenlicht gehört hätten. „Es ist ein ganz Großer, der geht“, sagte Deutschlands schnellste Frau, Gina Lückenkemper. „Es ist aber auch langsam an der Zeit, dass er geht. Der Leichtathletik wird es nicht wirklich schaden, weil ein wirklich sympathische Generation nachkommt.“

Speerwerfer Thomas Röhler sieht durch den Abtritt Bolts eine „riesige Chance, die Leichtathletik wieder mit neuen Charakteren zu füllen“. Auch die kesse Gina Lückenkemper, die mit ihrem 10,95-Sekunden-Sprint bei der WM zumindest an Popularität gewonnen hat, würde gern die Rolle von Bolt bei den schnellen Frauen übernehmen: „Ich hätte damit kein Problem, sage ich ganz offen.“



Dem deutschen Leichtathletik-Cheftrainer wäre es recht, wenn einer seiner Läufer, Werfer oder Springer wie Bolt glänzen würde. „Es braucht solche Glamourfiguren, um Sport zu entwickeln“, meinte Idriss Gonschinska. „Ich hätte nichts dagegen, wenn es der eine oder andere Athlet von uns wird.“

Mittelstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen hingegen findet es sehr schade, dass der vielfache Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler in Pension geht. „Er ist das Gesicht der Leichtathletik und eine Inspiration“, sagte sie als bekennender Bolt-Fan.

Die 20-jährige Leverkusenerin glaubt nicht, dass man den Jamaikaner schnell ersetzen kann: „Mir fällt keiner ein, aber es wird schon einerl können.“ Klosterhalfen ist jedoch sicher, dass kein Speerwerfer oder Hochspringer in Bolts Fußstapfen treten wird, sondern ein Läufer: „Ja, einer der läuft – das schon.“