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Leichtathletik
Klosterhalfens Quantensprung

 Konstanze Klosterhalfen hat sich in den letzten Monaten extrem stark verbessert.  Foto: Schmidt/dpa
Konstanze Klosterhalfen hat sich in den letzten Monaten extrem stark verbessert. Foto: Schmidt/dpa FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Palo Alto. Deutsche Mittelstrecklerin rennt in der Diamond League Sensationszeit über 3000 Meter. dpa

Mit einem Ausflug an die Golden Gate Bridge in San Francisco endete ein denkwürdiger Tag für Deutschlands Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen. Die 22-Jährige pulverisierte am Sonntag (Ortszeit) beim Diamond-League-Meeting in Stanford nicht nur ihren deutschen Rekord über 3000 Meter, sondern rannte in die absolute Weltspitze. „Ich bin noch gar nicht so ganz bei mir angekommen“, sagte die Leverkusenerin, die in den USA beim umstrittenen Oregon Projekt ihres Sponsors Nike trainiert. „Aber das ist ein super Gefühl, so starke Athletinnen hinter mir gelassen zu haben.“

Klosterhalfen verbesserte ihre Bestmarke von Birmingham 2017 um fast zehn Sekunden auf 8:20,07 und ließ unter anderem Hallen-Weltrekordlerin Genzebe Dibaba (Äthiopien) und 5000-Meter-Weltmeisterin Hellen Obiri (Kenia) hinter sich. Dabei dominieren die Ausdauerspezialistinnen aus Afrika seit vielen Jahren die Lauf-Disziplinen. Geschlagen wurde Klosterhalfen dennoch: Die aus Äthiopien stammende Niederländerin Sifan Hassan stellte als Siegerin in 8:18,49 Minuten sogar einen Europarekord auf.

Die Zeit der Deutschen ist ein Quantensprung. Die Hallen-Vize-Europameisterin ist jetzt sechstschnellste Läuferin der Geschichte über 3000 Meter. Schneller waren nur vier Chinesinnen 1993 sowie Hassan nun in Stanford. „Ma Junrens Armee“ nannte man die Läuferinnen aus dem Reich der Mitte, die – mit Dopingverdächtigungen behaftet – alles in Grund und Boden rannten. Bundestrainer Sebastian Weiß hat den Leistungssprung Klosterhalfens kommen sehen. „Ich freue mich sehr, dass Koko sich weiterhin toll entwickelt. Sie ist schon früher deutsche Rekorde gelaufen, wir wissen um ihr Talent. Daher kommt dies für mich nicht so überraschend“, erklärte Weiß. „Sie ist sehr diszipliniert.“



Klosterhalfen selbst sagte: „Die Trainingsinhalte sind ein bisschen intensiver. Das ist halt wie Trainingslager jeden Tag.“ Das Toptalent wird seit ihrem Wechsel in die USA mitunter argwöhnisch beobachtet: Denn das Projekt in Portland ist umstritten. Gegen den US-Startrainer Alberto Salazar, der den Briten Mo Farah zu vier Olympiasiegen geführt hat, führt die Anti-Doping-Agentur der USA seit Jahren Ermittlungen. Klosterhalfen selbst versucht sich, bei diesem Thema etwas rauszuhalten: „Negative Kommentare gibt es immer.“