| 22:50 Uhr

Leichtathletik-WM
Hussong und Holzdeppe gehen leer aus

 Trotz einer starken Leistung musste sich Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken bei der WM mit dem vierten Platz begnügen. Dabei lag die Herschbergerin ganz lange auf Medaillenkurs.
Trotz einer starken Leistung musste sich Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken bei der WM mit dem vierten Platz begnügen. Dabei lag die Herschbergerin ganz lange auf Medaillenkurs. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Zweibrücken/Doha. Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken lag bei der Leichtathletik-WM gestern lange auf Medaillenkurs, musste sich aber mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe wird Sechster.

Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong hatte schon eine Hand an der Medaille – doch dann wurde es „Blech“. Trotz einer guten Leistung blieb der 25-Jährigen vom LAZ Zweibrücken gestern Abend bei der Leichtathletik-WM in Doha nur der unglückliche vierte Platz – erst im letzten Versuch wurde sie von der neuen Weltmeisterin Kelsey-Lee Barber aus Australien noch vom Podest verdrängt. In ihrem letzten Versuch warf die Herschbergerin mit 65,21 Meter ihre beste Weite des Abends – doch das reichte nicht.

„Die Medaille habe ich nicht verloren, ich habe sie ja nicht gehabt“, sagte Hussong in der ARD: „Der vierte Platz ist undankbar, aber ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe alles gegeben“, ergänzte die LAZ-Athletin, die einen deutlich geknickten Eindruck hinterließ.

Etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Triumph bei der Heim-EM 2018 in Berlin sah Hussong erneut wie eine Medaillengewinnerin aus. Als sie den Speer im zweiten Versuch auf 65,05 Meter schleuderte, erhob sich ihr Trainer und Vater Udo auf der Tribüne von seinem Sitz und applaudierte. Hussong lag mit der Weite zwischenzeitlich auf dem Silberrang. Nur einen Zentimeter hinter der Führenden – und späteren Dritten Huihui Lyu. Doch dann zog im fünften Versuch erst die Chinesin Liu Shiying (65,88m) vorbei – und dann gelang Barber im letzten Versuch der Lucky Punch: 66,56 Meter bedeuteten Gold. Die Australierin nahm Hussong nach deren letztem Versuch – und der Gewissheit, dass sie ohne Edelmetall die Heimreise antreten würde – in den Arm. Trösten konnte das die Herschbergerin genauso wenig wie der Umstand, dass der vierte Platz Hussongs beste WM-Platzierung überhaupt war. Mit einem enttäuschten Achselzucken verließ sie die Wettkampfstätte. „Ich war noch nie Vierte bei einer WM. Und ich habe noch einige Weltmeisterschaften vor mir und werde mir meine Medaille noch holen“, zeigte sich die 25-Jährige hinterher aber kämpferisch.



Auch der zweite Athlet des LAZ Zweibrücken blieb ohne Medaille. Nachdem Stabhochspringer Raphael Holzdeppe gestern Abend auch bei seinem dritten und letzten Versuch die Höhe von 5,80 Meter die Latte gerissen hatte, kauerte sein Trainer Andrei Tivontschik in seinem Schalensitz im Khalifa-Stadion und fasste sich an die tief ins Gesicht gezogene rote Kappe. Holzdeppe selbst lächelte ein wenig gequält, winkte artig ins Publikum und schlich von der Tartanbahn. Grämen musste sich der LAZ-Athlet eigentlich nicht, schließlich hatte er sein Ziel, bei der WM unter die Top 5 zu kommen, mit Rang sechs nur knapp verpasst. Doch zum einen zeigten die Höhen von Sieger Sam Kendricks (USA/5,97 Meter), des zweitplatzierte Armand Duplantis (Schweden/5,97m) und des Dritten Piotr Lisek (Polen/5,87m), die nicht einmal an ihren Bestleistungen kratzen mussten, dass Holzdeppe zwar zur erweiterten – aber nicht mehr zur absoluten – Weltspitze zählt. Zum anderen schien der LAZ-Athlet eigentlich in einer Form, seine Jahresbestleistung von 5,80 Meter, die er im Juli in Leverkusen aufgestellt hatte, nochmal toppen zu können.

„Ich wollte einen Platz unter den Top 5, dazu hat es leider nicht ganz gereicht, obwohl es vom Leistungsvermögen hätte reichen können“, haderte Holzdeppe. Er ergänzte: „Ich bin im Zwiespalt: Ich bin nicht so zufrieden, dass ich Freudensprünge mache, aber auch nicht so enttäuscht, dass ich mich verkriechen möchte“, sagte der LAZ-Athlet, der aber schon wieder eine Kampfansage an die Konkurrenz schickte: „Im nächsten Jahr bei Olympia will ich wieder ganz vorne mitmischen.“

Der deutsche WM-Debütant Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen), der wie Holzdeppe 5,70 Meter übersprang – aber weniger Versuche benötigte – wurde starker Vierter.

 Stabhochspringer Raphael Holzdeppe landete bei der WM auf dem sechsten Platz.   Foto: Kappeler/dpa
Stabhochspringer Raphael Holzdeppe landete bei der WM auf dem sechsten Platz. Foto: Kappeler/dpa FOTO: dpa / Michael Kappeler
 Die 22-jährige Konstanze Klosterhalfen (rechts) gilt als Riesentalent. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha hat die Leverkusenerin über 5000 Meter Außenseiter-Chancen auf eine Medaille.
Die 22-jährige Konstanze Klosterhalfen (rechts) gilt als Riesentalent. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha hat die Leverkusenerin über 5000 Meter Außenseiter-Chancen auf eine Medaille. FOTO: dpa / Sven Hoppe
 Alberto Salazar gilt in der Leichtathletik-Szene seit Jahren als umstritten.
Alberto Salazar gilt in der Leichtathletik-Szene seit Jahren als umstritten. FOTO: AP / Kin Cheung