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Laura Dahlmeier geht über die Schmerzgrenze

 Vierte Medaille im vierten WM-Rennen, davon dreimal Gold: Die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier ist in der Form ihres Lebens. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa
Vierte Medaille im vierten WM-Rennen, davon dreimal Gold: Die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier ist in der Form ihres Lebens. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa FOTO: Barbara Gindl/APA/dpa
Hochfilzen. Die deutsche Biathletin hat bei der Biathlon-WM in Hochfilzen ihre dritte Goldmedaille gewonnen. Nach dem Titel im Einzel jubelte auch Magdalena Neuner an der Strecke. Thomas Wolfer,Nicolas Reimer

(sid) Der sensationelle Gold-Lauf in die Geschichtsbücher raubte Rekordjägerin Laura Dahlmeier die allerletzten Kräfte. "Das war heute alles ein bisschen zu viel für mich. Es war so warm, und ich hatte Blutdruckprobleme", sagte die 23-Jährige. Kurz zuvor hatte Deutschlands Biathlon-Ass bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen auch das kräftezehrende Einzel über 15 Kilometer gewonnen und ihre dritte Goldmedaille bei den diesjährigen Titelkämpfen eingefahren.

Bei Temperaturen von knapp 15 Grad verausgabte sich die Garmisch-Partenkirchnerin völlig und holte als einzige Skijägerin neben der Norwegerin Tora Berger (2012 und 2013) im neunten WM-Rennen in Serie eine Medaille. Im Ziel jubelte Dahlmeier zunächst noch ausgelassen, hyperventilierte anschließend jedoch, musste sich hinlegen und fehlte zunächst bei der Pressekonferenz. "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mich jetzt am liebsten ins Bett legen und die Augen zumachen", sagte sie später.

Wirklich realisiert hatte sie da aber immer noch nicht, was ihr in Österreich gelungen war. "Ich habe den Film ,Mit den Waffen einer Frau' gesehen, da hat Magdalena Neuner 2007 drei Goldmedaillen gewonnen. Das war für mich damals unfassbar, und ich habe mich gefragt, wie man so etwas schaffen kann", sagte Dahlmeier. "Jetzt stehe ich hier, habe selbst drei Goldmedaillen und noch eine silberne. Es ist wirklich unglaublich." Jene Magdalena Neuner war gestern auch an der Strecke und jubelte ihrer ehemaligen Trainingspartnerin zu. Nur die Rekordweltmeisterin (2007, 2008 und 2011) und Andrea Henkel (2008) hatten zuvor je dreimal Gold bei einer WM für Deutschland geholt. "Es ist einfach großartig, was Laura macht. Ihre Abgeklärtheit und Coolness sind beeindruckend", sagte Neuner über Dahlmeier, die im Sprint auch schon Silber gewonnen hatte.



Neuner, mittlerweile zweifache Mutter, gewann nie einen Titel im Einzel. Dahlmeier gelang das umso beeindruckender. Trotz eines Schießfehlers lag sie im Ziel vor der Tschechin Gabriela Koukalova (1/+24,7 Sekunden) und der fehlerfreien Italienerin Alexia Runggaldier (+1:45,6 Minuten). Es war insgesamt Dahlmeiers fünfter WM-Titel und die elfte WM-Medaille. Da auch in der Staffel und im Massenstart Edelmetall möglich ist, könnte sie das Ergebnis von Oslo 2016 (fünf Medaillen) noch toppen.

Doch an sechsmal Edelmetall wollte sie noch nicht denken. "Ich bin sehr kaputt, das waren Temperaturen wie im Sommer, aber ich bin eigentlich Wintersportlerin", meinte Dahlmeier und quälte sich ein Lächeln ab. Mit Blick auf die Staffel am Freitag sieht sie aktuell jedoch keine Probleme: "Ich freue mich erst mal sehr auf den freien Tag und bin überzeugt, dass ich mich wieder erholen kann."

Mit viermal Gold und einmal Silber ist die deutsche Bilanz herausragend. "Es fällt mir langsam immer schwerer, etwas zu Lauras Leistungen zu sagen. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Bundestrainer Gerald Hönig.