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Seit 2013 haben nur Deutsche gewonnen
Deutsche Dominanz auf Hawaii wackelt

Kailua. Misstöne zwischen Lange und Kienle vor dem Ironman auf Hawaii. Haug feiert ihr WM-Debüt. sid

Der Superstar fehlt, der Weltmeister schwächelt – die deutsche Ironman-Dominanz ist in akuter Gefahr. Wenn an diesem Samstag auf Hawaii wieder der härteste aller „Eisenmänner“ gesucht wird, könnte deshalb erstmals seit 2013 wieder ein anderer jubeln. „Es hätte hier und da besser laufen können“, gab Titelverteidiger Patrick Lange mit Blick auf seinen Saisonverlauf unverblümt zu. Aber der Ironman auf Hawaii, jene Tortur über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen, „das ist das, was zählt. Und ich bin sehr zuversichtlich.“

Das liegt auch daran, dass der Top-Favorit zuschauen muss. Jan Frodeno (LAZ Saarbrücken), 2015 und 2016 in Kailua erfolgreich, kann die rund achtstündige Hitzeschlacht wegen einer Stressfraktur in der Hüfte nicht in Angriff nehmen. Der 37-Jährige traut seinem Nachfolger jedoch ebenso den Triumph zu wie seinem Vorgänger Sebastian Kienle, der 2014 die deutsche Serie eingeleitet hatte. „Ich denke“, sagte Frodeno, „dass wir mit unseren beiden deutschen Protagonisten gut aufgestellt sind.“ Und wahrscheinlich wären die Erfolgsaussichten sogar deutlich größer, wenn Lange (32) und Kienle (34) einen gemeinsamen Plan aushecken würden. Das Problem aber ist: Kienle gilt als grandioser Radfahrer, Lange ist wohl der beste Läufer – beide sind zu verschieden, verbunden nur in der Verabscheuung der Renngestaltung des Rivalen.

Daraus machte vor allem Kienle, der sich kurzerhand zum Vorkämpfer für Gerechtigkeit aufschwang, keinen Hehl. „Lange hat in den vergangenen Jahren immer wieder Zeitstrafen wegen Windschattenfahrens bekommen“, warf Kienle seinem Landsmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vor: „Ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich mit allen Profis gut auskomme. Nur Doper und Leute, die versuchen, die Regeln maximal zu dehnen, bilden da eine Ausnahme.“



Auch Frodeno nahm Langes Taktik schon mehrfach wahr, er sei sogar „extrem genervt“ davon. Die Devise, auf dem Rad Kräfte zu schonen und beim Marathon zu attackieren, wird der Gescholtene freilich nicht ändern. „Das ist völlig haltlos“, entgegnete Lange, den an den Anfeindungen allein störte, „in einem Atemzug mit Dopern genannt zu werden.“ Nicht zuletzt wegen dieser Nebenkriegsschauplätze könnte aus dem „Kampf der Giganten“, wie das WM-Rennen vom Magazin Triathlon bezeichnet wurde, ein anderer als lachender Dritter hervorgehen. Der spanische Debütant Javier Gomez beispielsweise, der über die Kurzdistanz das Maß der Dinge war. Oder der Kanadier Lionel Sanders, der im Vorjahr bis kurz vor Schluss geführt hatte und letztlich Zweiter wurde. „Meine Energie ist berauschend“, antwortete Lange dennoch selbstbewusst auf die Frage nach der Verfassung.

Bei den Frauen feiert Anne Haug ihr Debüt auf Hawaii. Die Bayreutherin setzt sich aber keine allzu hohen Ziele. „Der Fokus liegt ganz klar auf Erfahrung sammeln, damit ich mir für das nächste Jahr große Ziele stecken kann“, sagte die 35-Jährige: „Mein Körper braucht einfach noch Zeit, sich auf diese Umfänge umzustellen. Mein großes Ziel ist es, 2019 in Hawaii um Medaillen zu kämpfen.“