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Sport-Auszeichnung
Kroos feiert als einziger Weltmeister

 Als bester deutscher Profi hat Toni Kroos bei der Kür des Fifa-Weltfußballers Platz sieben erreicht.
Als bester deutscher Profi hat Toni Kroos bei der Kür des Fifa-Weltfußballers Platz sieben erreicht. FOTO: dpa / Marius Becker
London. Die Deutschen spielten bei der Weltfußballer-Wahl nur eine Nebenrolle. Daran wird sich auf absehbare Zeit wohl kaum etwas ändern.

(sid) Toni Kroos stand in dem festlichen Nebenraum des Londoner Theaters. In der Hand hielt er die kleine, silbergraue Trophäe – und dem Weltmeister war völlig egal, dass er nicht den großen Pokal mit nach Hause nehmen konnte. „Allgemein ist mir dieses Weltfußballer-Ding nicht wichtig“, sagte der überragende Mittelfeldspieler von Real Madrid, der bei der großen Ronaldo-Show am Montagabend als einziger deutscher Nationalspieler etwas zu feiern hatte.

Die Wahl des 27-Jährigen in die Fifa-Weltelf an die Seite des neuen, alten Weltfußballers Cristiano Ronaldo blieb sogar die einzige Auszeichnung für den gesamten deutschen Fußball. Nationaltorwart Manuel Neuer musste sich bei der neu geschaffenen Wahl des Welttorhüters Italiens 39 Jahre alter Ikone Gianluigi Buffon geschlagen geben und war offensichtlich gar nicht erst angereist.

„Der Grund ist sicher nicht die Qualität, weil wir ohne Frage tolle deutsche Spieler haben“, sagte Kroos, der im Mai mit Real den Titel in der Champions League erfolgreich verteidigt hatte: „Vielleicht waren die deutschen Vereine auf internationalem Parkett einfach nicht weit genug vorne mit dabei. Aber das kann sich jedes Jahr ändern. Ich sehe das keinen negativen Trend.“



Neu ist die Entwicklung tatsächlich nicht. 2007 hatte es zuletzt einen Weltfußballer gegeben, der nicht Ronaldo oder Lionel Messi hieß. Damals gewann der Brasilianer Kaka. Letzter und einziger deutscher Sieger war Lothar Matthäus vor über einem Vierteljahrhundert (1991). Neuer war 2014 mal nahe dran, er stand nach seiner überragenden WM unter den Top-3 – und wurde Dritter.

In diesem Jahr belegte der derzeit verletzte Keeper von Rekordmeister Bayern München mit 0,58 Prozent der Stimmen Platz 19, Kroos wurde Siebter (2,70). Dass Bundestrainer Joachim Löw seine beiden Nationalspieler gewählt hatte, war zu wenig. Ebenso Exoten-Stimmen wie von Thailands Kapitän Thamsatchanan Kawin (für beide) oder Irak-Trainer Basim Qasim (für Neuer).

Bei den Frauen verpasste Spielführerin Dzsenifer Marozsan (11,47) den dritten Platz nur um 0,22 Prozentpunkte, Weltfußballerin wurde die niederländische Europameisterin Lieke Martens (21,72). Löw wurde nach dem überraschenden Confed-Cup-Sieg Vierter der Trainerwahl.

Abgestimmt hatten im Spätsommer neben den Kapitänen und Trainern auch Journalisten und Fans. Die vier Blöcke wurden zu jeweils 25 Prozent berücksichtigt, und allein wegen der weltweiten Werbewirkung der Superstars des Geschäfts war das Ergebnis vorherzusehen.

„Das ist ja jedes Jahr das Gleiche“, sagte Kroos grinsend, als er ein paar Worte über seinen alles überragenden Teamkollegen Ronaldo sagen sollte. Der Portugiese, im edlen weiß gepunkteten Designeranzug am Palladium im Londoner West End vorgefahren, bekam 43,16 Prozent der Stimmen, er distanzierte Messi (19,25) und Neymar (6,97) deutlich.

„Das ist ein großer Moment für mich“, sagte der Europameister sichtlich stolz, bevor er mit Freundin Georgina Rodriguez und Filius Cristiano Ronaldo Junior die Heimreise antrat. Zusammen mit Messi ist der 32-Jährige seit Montag mit fünf Weltfußballer-Titeln Rekordhalter der Wahl des Weltverbandes Fifa. „Ich hoffe“, sagte der Preisträger augenzwinkernd mit Blick auf sein offenbar noch weit entferntes Karriereende, „dass ich dann sieben habe. Das ist meine Glückszahl.“