| 22:51 Uhr

Tour de France
Kittel hat wieder die Nase vorn

Troyes. Deutscher Top-Sprinter gewinnt schon seine zweite Etappe bei der diesjährigen Tour de France.

(dpa) Marcel Kittel riss in der Hitze von Troyes die Faust in die Höhe, dann schlug er vor lauter Freude auf seinen Lenker. André Greipel schüttelte dagegen einmal mehr entnervt den Kopf. Mit einem weiteren Sprint der Extraklasse hat Kittel seine Jagd auf den Rekord von Erik Zabel bei der 104. Tour de France eindrucksvoll fortgesetzt. Nach seinem Triumph in Lüttich gewann Kittel am gestrigen Donnerstag auch die sechste Etappe über 216 Kilometer von Vesoul nach Troyes und ist mit nun elf Etappensiegen nur noch einen Erfolg von der Tour-Bestmarke des früheren Telekom-Profis entfernt.

Bei Temperaturen von über 35 Grad siegte der 29-Jährige in Troyes, wo Zabel bei der letzten Tour-Ankunft vor 17 Jahren triumphiert hatte, vor dem Franzosen Arnaud Demare und Greipel. Damit gestaltet sich die Frankreich-Rundfahrt immer mehr zur Tour d‘Allemagne. Zwei Etappensiege für Kittel, einer für das deutsche Bora-hansgrohe-Team dank des inzwischen disqualifizierten Peter Sagan, dazu der begeisternde Grand Départ in Düsseldorf. „Ich bin stolz wie nach dem Sieg in Lüttich. Ich fühle mich gut und und war in einer guten Position. Ich habe versucht, Demare zu folgen“, sagte Kittel, der dem Zabel-Rekord aber nicht allzu viel Beachtung schenkt. „Das ist für mich nicht so wichtig. Für mich geht es in erster Linie darum, meine Karriere zu genießen.“

In der Gesamtwertung blieb alles beim Alten. Vorjahressieger Chris Froome liegt weiter zwölf Sekunden vor seinem walisischen Sky-Teamkollegen Geraint Thomas und 14 Sekunden vor dem italienischen Meister Fabio Aru. So erhielt Froome das 45. Gelbe Trikot seiner Karriere.



In Troyes lief diesmal beim Sprintfinale alles glatt, nachdem es zwei Tage zuvor in Vittel noch so gekracht hatte. Taktisch klug schoss Kittel im richtigen Moment aus dem Windschatten und sprintete an Demare und Greipel noch vorbei.

Gestartet wurde die Etappe in Vesoul, dabei nahm der 17-malige Tour-Teilnehmer Sylvain Chavanel seinen 335. Tag bei der Frankreich-Rundfahrt in Angriff, womit er Jens Voigt übertraf. Der deutsche Altmeister, bei der Tour als Experte im Einsatz, war unterdessen morgens vor der Etappe noch einen Marathon gelaufen. Für Chavanel ist es bis zum Rekord des Niederländers Joop Zoetemelk (363 Tage) aber noch weit. Lange Zeit bestimmten die drei Ausreißer Perrig Quemeneur (Frankreich), Frederik Backaert (Belgien) und Vegard Stake Laengen (Norwegen) das Geschehen. Mehr als vier Minuten Vorsprung gestand das Feld dem Trio aber nicht zu, sodass das Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt war. Beim Zwischensprint in Colombey-les-deux-Églises, dem Heimatort des früheren französischen Staatschefs Charles de Gaulle, waren die Ausreißer noch vorne. Den Sprint des Feldes entschied Demare für sich, Kittel schonte indes Kräfte für das Finale. Eine goldrichtige Entscheidung.

Unterdessen wollte sich das deutsche Bora-hansgrohe-Team mit dem Tour-Ausschluss von Sagan noch nicht abfinden. Die Anwälte versuchten den Weltmeister zurück ins Rennen zu klagen – ohne Erfolg. Der Internationale Sportgerichtshof Cas lehnte das Gesuch gestern ab. Sagan war wegen eines Ellbogen-Checks im Sprint von Vittel, bei dem sich Mark Cavendish das Schulterblatt brach, vom Weltverband UCI aus dem Rennen genommen worden. „Ich glaube, dass man gesehen hat, dass Peter keinen Fehler gemacht hat. Wir werden das aber so hinnehmen und versuchen, weiter sportlich zu überzeugen“, sagte Sportdirektor Enrico Poitschke.

 Marcel Kittel bejubelt seinen Sieg in Troyes – sein insgesamt elfter Etappensieg bei der Tour de France. André Greipel (li.) hatte erneut das Nachsehen und wurde Dritter.
Marcel Kittel bejubelt seinen Sieg in Troyes – sein insgesamt elfter Etappensieg bei der Tour de France. André Greipel (li.) hatte erneut das Nachsehen und wurde Dritter. FOTO: dpa / Dirk Waem