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„Unfassbares Duell“ gegen AS Rom
„King Klopp“ greift nach der Krone

In Jürgen Klopps Gesicht spiegeln sich Freude und Erleichterung, als der Trainer den Fans des FC Liverpool nach dem Spiel applaudiert.
In Jürgen Klopps Gesicht spiegeln sich Freude und Erleichterung, als der Trainer den Fans des FC Liverpool nach dem Spiel applaudiert. FOTO: Steven Paston / dpa
Rom. Deutscher Trainer zieht mit dem FC Liverpool ins Endspiel der Champions League ein.

Jürgen Klopp blickte am Mittwochabend vergnügt in die rote Fankurve des Stadio Olimpico, die lauten Lobgesänge für seine Heldentat zauberten ihm ein Strahlen ins Gesicht. Schon wieder ein Endspiel mit dem ruhmreichen FC Liver­pool, diesmal sogar in der Champions League – „King Klopp“ war sichtlich berührt vom größten Erfolg seiner Amtszeit.

„Das ist so unglaublich. Der Charakter, den wir gezeigt haben, der Fußball, den wir gespielt haben – das Finale ist zu 100 Prozent verdient“, schwärmte Klopp, als Teammanager der Vater des Erfolgs, nach dem nervenaufreibenden Rückspiel beim AS Rom: „Ein unfassbares Duell. Wie ging es noch mal aus?“

An diesem Abend zwar 2:4 (2:1) aus Sicht der Reds, aber dank des grandiosen Auftritts im Hinspiel (5:2) reichte es dennoch. Liverpool stürmte in sein erstes Königsklassen-Endspiel seit elf Jahren, und Klopp, der „Magier aus dem Schwabenland“ (Radio Marca), versicherte: „Wir werden bereit sein!“



In Kiew fordern die Engländer am 26. Mai Real Madrid heraus, den zwölfmaligen Gewinner des Wettbewerbs, der nach seinem dritten Erfolg in Serie lechzt. „Sie sind erfahren und wir nicht“, gestand Klopp – will aber mit Leidenschaft die Königlichen von Europas Thron stoßen: „Wir werden brennen.“ In seiner Zeit an der Anfield Road hat er bislang noch kein Finale gewonnen. Und natürlich, verriet der 50-Jährige, würden die Gedanken an das verlorene Ligapokal- und Europa-League-Finale vor zwei Jahren nun irgendwie stärker präsent sein. Irritieren lassen will sich Klopp davon aber nicht, schließlich verfügt er mittlerweile über ganz andere Waffen.

„Klopp hat eine Tormaschine aufgebaut“, schrieb die Real-nahe Zeitung Marca und titelte fast schon ein wenig ehrfürchtig: „Der Dreizack aus Firmino, Mane und Salah ist eine große Gefahr.“ Und mit 29 Treffern im laufenden Wettbewerb schon jetzt das erfolgreichste Trio der Champions-League-Geschichte. Zwar trafen Roberto Firmino und Mohamed Salah diesmal nicht. Aber Sadio Mane (9.) erzielte am Mittwoch die wichtige Führung, die James Milner (15.) per Eigentor ausglich und Georginio Wijnaldum (26.) wiederherstellte. Der Ausgleich von Edin Dzeko (52.) beunruhigte die Reds zwar noch nicht, aber die Gegentreffer in der Schlussphase durch Radja Nainggolan (86., 90.+4/Handelfmeter) fühlten sich für Klopp dann doch an „wie Zahnweh. Das braucht kein Mensch.“ Für Milner war für den Erfolg vor allem Klopp verantwortlich. Er sei schließlich „für die Art und Weise unseres Spiels“ zuständig, und er hatte dem Team trotz des Abgangs des Brasilianers Philippe Coutinho den Glauben an die eigene Stärke eingeimpft.

Bei den Römern herrschte dagegen Empörung über Damir Skomina. Der slowenische Schiedsrichter hatte sich in zwei umstrittenen Szenen gegen einen Elfmeter für die Gastgeber entschieden. Darüber ärgerten sich AS-Manager Monchi und die italienischen Zeitungen. AS-Präsident James Pallotta fordert nun vehement die Einführung des Videobeweises für die Königsklasse.