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Formel 1
Der „Iceman“ verabschiedet sich zum zweiten Mal

Kimi Räikkönen steigt am Sonntag letztmals in einen Ferrari.
Kimi Räikkönen steigt am Sonntag letztmals in einen Ferrari. FOTO: dpa / Aleksi Tuomola
Abu Dhabi. Sebastian Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen fährt am Sonntag sein letztes Formel-1-Rennen für Ferrari. 2019 steigt er in das Sauber-Cockpit. Von Walter Koster

Ferrari-Star Sebastian Vettel muss sich in der nächsten Saison an einen neuen Teamkollegen gewöhnen. Nach fünf Jahren (2014 bis 2018) und 109 Rennen für den italienischen Rennstall muss sich Kimi Räikkönen von den Roten verabschieden und kehrt zurück zum Schweizer Sauber-Team. Dort begann 2001 seine Formel-1-Karriere. Räikkönens Platz bei Ferrari nimmt der junge Monegasse Charles Leclerc aus dem Sauber-Rennstall ein.

Beim Blick auf die nackte Statistik hatte Ferrari die beste Fahrerpaarung. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen sind das einzige Duo, bei dem beide Piloten schon einen WM-Titel vorweisen können. Zusammen kommen sie auf fünf gewonnene Weltmeisterschaften. Der Finne ist Ferraris letzter Champion. 2007 bescherte er der Scuderia letztmals die WM-Krone, der Deutsche holte seine vier Titel bei Red Bull.

Gemeinsam saßen die beiden Noch-Ferrari-Piloten nun in der internationalen Pressekonferenz nebeneinander – und scherzten miteinander. Der „Iceman“ aus Finnland wirkte sogar aufgetaut. „Mein Abschied von Ferrari ist ja nichts Neues, ich habe sie ja schon einmal verlassen“, erinnert Räikkönen an seinen Abschied aus Maranello 2009. Wehmut schwingt beim „Alterspräsidenten“ unter den Piloten nicht mit. Angesprochen auf die Trennung von seinem roten Teamkollegen Vettel fragte der 39-Jährige: „Warum sollte ich traurig sein? Wir sind immer noch Freunde, wir werden uns im Fahrerlager sehen, da ändert sich nicht viel. Und die neuen Aufgaben, auf die er sich freue, sind „spannend“, erklärte Räikkönen.



Was Kimi denn bei seinem neuen Team besonders genießen werde, wollte ein Journalist wissen. „Woher soll ich das denn jetzt schon wissen?“, fragte Räikkönen launig zurück. Er hoffe aber auf weniger Öffentlichkeitsarbeit als bei Ferrari. Ein Vorteil sei jedenfalls, dass „ich nicht weit weg von der Fabrik wohne“, stellte Räikkönen fest. „Was wirst du denn bei Ferrari vermissen?“, fragte Vettel. „Die kurzen Meetings“, antwortete der Finne kurz und knapp. „Und ich die Stille“, konterte Vettel, der feststellte: „Es war immer ein gegenseitiger Respekt da, kein Blödsinn. Das habe ich sehr genossen. Das hat es für mich, für ihn und das ganze Team einfacher gemacht.“

Es ist bekannt, dass die vielen Reisen und das Herumlungern auf Flughäfen für Räikkönen ein Gräuel sind. Deshalb legt er auch keinen großen Wert darauf, am Sonntagabend WM-Dritter im Gesamtklassement zu sein. „Dann muss ich ja zum Jahresende zur Preisverleihung in St. Petersburg – und die wiederum ist mit Reisen verbunden. Also ist es am Ende eine negative Angelegenheit.“ Aktuell liegt der Ferrari-Pilot (251) mit 14 Punkten Vorsprung auf seinen finnischen Landsmann Valtteri Bottas (237/Mercedes) und 17 Zählern auf Max Verstappen (234/Red Bull) auf WM-Rang drei.

Als Dank für seine Dienste organisierten Mitglieder des Ferrari- Teams am Mittwoch eine Party für ihren langjährigen Piloten. „Das war eine tolle Überraschung. Es war schön zu sehen, das ganze Team zusammen zu haben und ihnen zu danken. Mit diesen Leuten hatte ich gute und schwierige Zeiten. Aber ich habe die WM mit ihnen gewonnen, als Fahrer und zwei Mal als Team. Ich bin sehr happy, ein Teil davon gewesen zu sein“, sagte Räikkönen. Vettel findet den Abschied seines langjährigen Kumpels einfach nur „traurig“. Für den Heppenheimer war der „Iceman“ der „ beste Teamkollege“, wie er betonte. Für ihn habe der Finne „Qualitäten, die man nicht in Zahlen und Ergebnissen ausdrücken kann.“