| 22:10 Uhr

Australian Open
Gemischtes Doppel der Enttäuschten

 Wie ein geprügelter Hund verlässt Angelique Kerber den Platz. Im Achtelfinale der Australian Open war die Kielerin gegen Danielle Collins völlig überraschend ohne jede Chance.
Wie ein geprügelter Hund verlässt Angelique Kerber den Platz. Im Achtelfinale der Australian Open war die Kielerin gegen Danielle Collins völlig überraschend ohne jede Chance. FOTO: AP / Andy Brownbill
Melbourne. Angelique Kerber und Titelverteidiger Roger Federer scheiden im Achtelfinale der Australian Open überraschend aus.

Die deftigste Grand-Slam-Klatsche ihrer Karriere hatte deutliche Spuren hinterlassen, doch Angelique Kerber stemmte sich erfolgreich gegen die aufkommende Wut. Ihre tiefe Enttäuschung konnte sie allerdings wie auch der gestürzte Titelverteidiger Roger Federer nicht verbergen. „Es war heute einfach nicht mein Tag“, sagte Kerber mit versteinerter Miene nach dem 0:6, 2:6 bei den Australian Open gegen die US-Amerikanerin Danielle Collins.

Federer gab zu, sein Achtelfinal-Aus gegen den 17 Jahre jüngeren Griechen Stefanos Tsitsipas sei „sehr frustrierend“. Zu viele Chancen hatte der Maestro aus der Schweiz beim 7:6 (13:11), 6:7 (3:7), 5:7, 6:7 (5:7) liegen gelassen. Tsitsipas (20) nutzte die Gelegenheit, um griechische Tennisgeschichte zu schreiben, was ihm fast die Sprache verschlug: „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagte er: „Roger ist eine Legende unseres Sports.“

Wimbledonsiegerin Kerber hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit Stunden den Melbourne Park hinter sich gelassen. Sie war in nur 56 Minuten überrollt worden von einer Gegnerin, die bis zu ihrem Turnierstart gegen die deutsche Nummer zwei Julia Görges noch keine Partie bei einem Grand Slam gewonnen hatte. „Collins hat das perfekte Match gespielt“, lobte Bundestrainerin Barbara Rittner.



Dem Tempo, das die frühere Collegespielerin Collins anschlug, hatte Kerber nichts entgegenzusetzen. Nach elf Minuten lag sie 0:4 zurück, nach 20 Minuten war der erste Satz bereits verloren. „Ich treffe keinen Ball“, jammerte Kerber, ließ ihren Frust am Schläger aus und bekam dafür eine Verwarnung. Kaum einen Ball spielte sie über die T-Linie hinaus und damit der ultra-aggressiven Collins in die Karten. „Angie haben Länge und die Quote beim Aufschlag gefehlt“, analysierte Rittner: „So hat sie nur reagieren können.“

Weniger Spiele hatte Kerber nie zuvor in einem Grand-Slam-Match gewonnen, ähnlich deutliche Pleiten kassierte sie 2012 in Melbourne gegen Maria Scharapowa (1:6, 2:6) und 2014 in Paris gegen Eugenie Bouchard (1:6, 2:6). „Ich schaue aber nicht in die Vergangenheit und auch nicht in die Zukunft“, sagte Kerber trotzig: „Ich habe auf dieser Reise alles gegeben, jetzt ist sie zu Ende. Das muss und werde ich akzeptieren. Die Saison ist noch lang.“

Das gilt auch für Roger Federer – seine Saison wird sogar länger als in den vergangenen Jahren. Nach dem Aus kündigte er seine Rückkehr auf die europäischen Sandplätze an. „Das ist ein Wunsch. Ich bin in einer Phase, in der ich Spaß haben will“, sagte Federer.

In Melbourne geht das Event auch ohne den Maestro weiter – im Viertelfinale mit dem Duell zwischen seinem Bezwinger Tsitsipas und Roberto Bautista Agut. Der Spanier warf den zweiten Finalisten des Vorjahres, Marin Cilic aus Kroatien, mit 6:7 (6:8), 6:3, 6:2, 4:6, 6:4 aus dem Turnier. Keine Blöße gab sich dagegen Federers Dauerrivale Rafael Nadal (Spanien), der mit einem 6:0, 6:1, 7:6 (7:4) gegen den Tschechen Tomas Berdych nicht nur ins Viertelfinale einzog, sondern weiterhin ohne Satzverlust ist. An diesem Dienstag trifft Nadal nun auf den 21 Jahre alten Amerikaner Frances Tiafoe. Der Hamburger Alexander Zverev tritt erst am frühen Montagmorgen deutscher Zeit gegen den Kanadier Milos Raonic an.

Nach seinem ersten Achtelfinal-Einzug überhaupt bei den Australian Open hatte Zverev gut lachen und machte im Interview nach dem Spiel Witze über sich selbst. „Spargel“ werde er genannt, verriet der fast zwei Meter große, schlaksige Hamburger den 15 000 Fans in der Arena am Samstagmorgen. Seine Oberarme wirkten trotz mittlerweile 15 Kilogramm mehr Körpergewicht lächerlich im Vergleich zu denen von Kraftpaket Nadal. Dank des sicheren 6:3, 6:3, 6:2-Erfolges gegen den Australier Alex Bolt kann die deutsche Hoffnung in Melbourne in der entscheidenden Phase erstmals ein gewichtiges Wort mitreden – im Unterschied zu Kerber.