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Tennis
Der Tennis-Arbeiter ist zurück

Ex-Profi Rainer Schüttler hat gut lachen. Sein neuer Job ist „eine tolle Herausforderung“.
Ex-Profi Rainer Schüttler hat gut lachen. Sein neuer Job ist „eine tolle Herausforderung“. FOTO: dpa / Horst Ossinger
London. Angelique Kerber hat einen Nachfolger für Trainer Wim Fissette gefunden: Mit Rainer Schüttler will sie durchstarten. sid

Ihre letzten Urlaubstage lässt sich Angelique Kerber nicht nehmen. Dafür hat sie im Jahr 2018 viel zu hart gearbeitet. Während ihr Management in der weit entfernten Heimat die leidige Trainerfrage regelte, liebäugelte Kerber damit, für immer in ihrem Paradies auf den Malediven zu bleiben. „Bin nicht sicher, ob ich zurückkomme“, schrieb sie unter ein Foto bei Instagram, das sie gut behütet und barfuß vor dem Indischen Ozean zeigt.

Auf ein Wort zur Aufsehen erregenden Zusammenarbeit mit Ex-Profi Rainer Schüttler müssen die Tennisfans dagegen warten. Erst nach der Rückkehr in den Alltag, die selbst für eine Wimbledonsiegerin unvermeidbar ist, wird sich Kerber äußern. Am kommenden Mittwoch wird es bei einer Pressekonferenz in Köln soweit sein.

Bis dahin spricht immerhin Trainer Schüttler über sein Engagement im Team der Weltranglistenzweiten. Natürlich sei es „eine tolle, spannende Herausforderung, einen dreimaligen Grand-Slam-Champion zu trainieren“, sagte der Australian-Open-Finalist von 2003. Er freue sich sehr auf die neue Aufgabe, „weil Angie und ich dieselbe Idee vom Tennis haben“.



Und gemeinsame Bekannte. Wie das Fachportal tennisnet.com berichtet, trafen sich Kerber (30) und Schüttler (42) vor wenigen Wochen auf der Hochzeit von Kerbers Manager Aljoscha Thron. Sie kannten sich bereits aus der Zeit auf der Offenbacher Rosenhöhe. Dort war Schüttler an einer Tennisakademie beteiligt, in der Kerber 2011 den Grundstein für ihre Weltkarriere legte, als sie eigentlich schon mit dem Tennis abgeschlossen hatte.

Ob die Trennung vom Belgier Wim Fissette bei der Party schon beschlossen war, ist nicht verbürgt, kurze Zeit später jedenfalls reiste Kerber wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Zukunftsplanung“ ohne Trainer zum WTA-Saisonfinale nach Singapur. Und war wie nach dem Krisenjahr 2017 wieder auf der Suche nach einem beständigen Begleiter.

Den hat sie für Bundestrainerin Barbara Rittner nun gefunden. Das Gesamtpaket werde „gut passen“, sagte Rittner und lobte Schüttlers „Erfahrung, Kompetenz und Charakter“. Die Frauen-Tour ist für den einstigen Weltranglistenfünften jedoch Neuland, bislang stehen in Schüttlers Trainerbiographie nur zwei kurzzeitige Engagements in den Teams seines serbischen Schwagers Janko Tipsarevic und des Kanadiers Vasek Pospisil.

Dem Tennis ist der gebürtige Korbacher, der heute mit seiner Frau Jovana und Sohn Noah am Zürichsee in der Schweiz wohnt, immer treu geblieben. Beraten von seinem Ex-Coach Dirk Hordorff, heute Vizepräsident im Deutschen Tennis-Bund (DTB), kaufte er gemeinsam mit dem Rumänen Ion Tiriac die Lizenz des Sandplatzturniers in Düsseldorf und zog mit ihr weiter nach Genf. Dort ist Schüttler noch heute Turnierdirektor. Wie sich diese Tätigkeit mit dem Leben auf der Tour vereinbaren lässt, wird sich herausstellen.

Für Schüttler wird sich jedenfalls einiges verändern. Kerber beginnt ihre Saisonvorbereitung Ende November in ihrem polnischen Zuhause Puszczykowo. Los geht es nach Silvester beim Hopman Cup in Perth, über Sydney geht es dann zum Grand Slam nach Melbourne. Dort hatte der harte Tennis-Arbeiter Schüttler seinen größten Erfolg als Spieler gefeiert.