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Kein Cavendish-Geschenk für Zabel

 Alessandro Petacchi fährt in Reims über die Ziellinie und der Rest kommt geschlagen hinterher. Der 36-Jährige hatte bereits die erste Etappe in Brüssel gewonnen. Foto: dpa
Alessandro Petacchi fährt in Reims über die Ziellinie und der Rest kommt geschlagen hinterher. Der 36-Jährige hatte bereits die erste Etappe in Brüssel gewonnen. Foto: dpa
Reims. Mark Cavendish ist nicht mehr der Alte. Am 40. Geburtstag seines Lehrmeisters Erik Zabel stand der Supersprinter des Vorjahres mit leeren Händen da. Stattdessen gab es im Ziel in Reims den Champagner für den Tagessieger Alessandro Petacchi. Der 36-Jährige, der bereits die erste Etappe in Brüssel gewonnen hatte, erlebt bei der 97. Tour de France seinen dritten Frühling Von Andreas Zellmer und Benjamin Haller (dpa)

Reims. Mark Cavendish ist nicht mehr der Alte. Am 40. Geburtstag seines Lehrmeisters Erik Zabel stand der Supersprinter des Vorjahres mit leeren Händen da. Stattdessen gab es im Ziel in Reims den Champagner für den Tagessieger Alessandro Petacchi. Der 36-Jährige, der bereits die erste Etappe in Brüssel gewonnen hatte, erlebt bei der 97. Tour de France seinen dritten Frühling. Sechs Jahre hatte der Italiener in Frankreich gefehlt. Großer Verlierer am gestrigen Mittwoch war der Brite Cavendish, der sich für die vierte Etappe über 153,5 Kilometer so viel vorgenommen hatte und auf den sein Team HTC Columbia bei dieser Tour alles setzte. Wutentbrannt warf er sein Rad nach dem Ziel in hohem Bogen auf die Straße und seinen Helm aus dem Teambus hinterher. Zugunsten des Briten hatte das Team sogar auf den mit 12 Siegen erfolgreichsten Sprinter des Jahres, André Greipel, verzichtet. Vielleicht muss die Team-Regie jetzt umdenken und nicht alle Kraft in die Sprints legen. "Wir sind nicht mehr die Favoriten im Sprint, aber wir können nicht wie im Fußball auswechseln", sagte Aldag nach der enttäuschend verlaufenen Etappe in Anspielung auf den in Österreich fahrenden Greipel. "Mit der Form und den Beinen des Vorjahres hätte Mark heute sicher gewonnen. Jeder kann sehen, dass er ein bisschen schlechter als 2009 ist. Das war so sicherlich nicht zu erwarten", sagte Zabel, der beim letzten Tour-Stopp in Reims 2002 mit einem zweiten Platz hinter Robbie McEwen ins Gelbe Trikot geschlüpft war. 100 Meter vor dem Ziel nahm Cavendish die Beine hoch und rollte ohne Ambitionen weiter. Petacchi verwies Julian Dean aus Neuseeland und Edvald Boasson Hagen aus Norwegen auf die Plätze. "Ich habe mich heute gut gefühlt", sagte der Routinier aus Italien. Durch den Etappensieg am Sonntag habe er viel Selbstvertrauen getankt, meinte Petacchi, der gleichzeitig die Team-Leistung hervorhob: "Unser Zug hat einfach gut funktioniert." Einer seiner "Anfahrer" ist auch Danilo Hondo, der aus langem Doping-Abseits in die erste Reihe des Radsports zurückfand. Nach den vorangegangenen Horror-Tagen mit Stürzen wie am Fließband trat gestern eine gewisse Entspannung im Feld ein. Im Gesamtklassement änderte sich erwartungsgemäß nichts: Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara aus der Schweiz führt weiter mit 23 Sekunden vor dem Träger des Weißen Trikots, dem Briten Geraint Thomas, und 39 Sekunden vor Weltmeister Cadel Evans. Tony Martin, der am Vortag auf den Kopfsteinpflaster-Passagen in Nordfrankreich nach einem Sturz als Spitzenreiter der Nachwuchswertung abgelöst wurde, überstand die 4. Etappe ohne weiteren Zeitverlust. "Er hat Hautabschürfungen am Hintern erlitten. Der Schaden hält sich in Grenzen", sagte sein Teamchef Rolf Aldag. Dann will auch Rekordsieger Lance Armstrong seinen unerwarteten Zeitverlust aus der Kopfsteinpflaster-Etappe nach Arenberg ausradieren. In Reims fuhr er Kopf an Kopf mit den anderen Spitzenfahrern zeitgleich mit Petacchi über die Ziellinie unweit der weltberühmten Kathedrale. dpa