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Kehrwochen mit Klopp-Kumpel

Stuttgart. Der Bundesligist VfB Stuttgart spielt bei der Trainersuche auf Zeit. Ein Feuerwehrmann soll nicht eingestellt werden. Einstweilen soll es Klopp-Kumpel Jürgen Kramny richten. sid

Auf dem Trainingsplatz versucht der Kumpel von Jürgen Klopp , den Scherbenhaufen wegzukehren, den Alexander Zorniger beim VfB Stuttgart hinterlassen hat. In den Büros von Präsident Bernd Wahler und Sportvorstand Robin Dutt werden die Stapel mit den Bewerbungen immer höher. "Sie können sich nicht vorstellen, was da reinkommt", berichtet Wahler, da wollten Leute Chefcoach werden, "die vielleicht mal eine Hobbymannschaft trainiert haben".

Christoph Daum und Mirko Slomka haben öffentlich kundgetan, dass sie selbstverständlich übernehmen würden. Tayfun Korkut ist im Gespräch, gehandelt werden auch Zoran Barisic (Rapid Wien) und Pierluigi Tami (Grashoppers Zürich). Am liebsten, so scheint es, hätten sie beim VfB Stuttgart aber Lucien Favre . Klar ist, was nicht infrage kommt: "Wir wollen keinen Feuerwehrmann", betont Wahler. Und sie wollen einen, der eine "hohe Erfolgswahrscheinlichkeit" mitbringt.

Der VfB Stuttgart spielt also erst mal auf Zeit. Zeit, die ihm Jürgen Kramny verschaffen soll. Kramny hat einst bei Mainz 05 als Spieler eine "richtig gute Zweckgemeinschaft" mit Jürgen Klopp gebildet. Als Klopp dann Cheftrainer war, gab er Kramny die Stelle als A-Jugend-Trainer. Diesen Posten übernahm im Juli 2008 dann wiederum Thomas Tuchel, gegen den Kramny an diesem Sonntag (15.30 Uhr/Sky) kurioserweise sein erstes Spiel als Bundesliga-Trainer bestreitet.

Nach 13 Bundesliga-Spielen und nur zehn Punkten unter dem Sturschädel Zorniger geht es jetzt "um einen Neustart", wie Kramny erklärte. "Bis Sonntag bleibt nicht viel Zeit", ergänzte er: "Aber wir müssen es schaffen, die Jungs etwas freier auf den Platz zu schicken." Und: Sie sollen nicht mehr so vogelwild durch die Gegend laufen. "Die Mannschaft hatte in der Kompaktheit Probleme. Das Spielfeld war zu breit und zu weit", hat Kramny erkannt.

Wie lange die schwäbischen Kehrwochen mit Kramny dauern, ist unklar. "Wir haben kein Enddatum fixiert", sagte Wahler: "Idealerweise geht der neue Trainer mit der Mannschaft in die Vorbereitung auf die Rückrunde." Und ja, es ist nicht ausgeschlossen, dass Kramny dieser Trainer sein wird. "Es gibt in Mönchengladbach ja ein gutes Beispiel, das wahrscheinlich nicht so geplant war. Wir sind natürlich offen", sagte Wahler.

Um den André Schubert zu machen, heißt: nach sieben Siegen in Serie von der Auf-jeden-Fall-nur-Übergangslösung zu einer Dauerlösung zu werden, müsste Kramny bis zur Winterpause in den verbleibenden vier Bundesliga-Spielen sowie im Pokal die Wende schaffen.

Wobei der Auftakt einfacher sein könnte: "Dortmund", sagte Kramny, "ist eine brutal schwere Aufgabe, aber natürlich auch eine sehr reizvolle." Immerhin hat er dort einst sein erstes Bundesliga-Tor erzielt.