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Kampf um Macht, Einfluss und Millionen

Im August 2011 wickelte der Spielervermittler und Berater Volker Struth (re.) den Wechsel von Ivo Ilicevic vom 1. FC Kaiserslautern zum Hamburger SV ab. Der HSV überwies rund vier Millionen Euro in die Pfalz – schätzungsweise zehn Prozent der Summe, also gut 400 000 Euro fielen dabei für Struth ab. Foto: charisius/dpa
Im August 2011 wickelte der Spielervermittler und Berater Volker Struth (re.) den Wechsel von Ivo Ilicevic vom 1. FC Kaiserslautern zum Hamburger SV ab. Der HSV überwies rund vier Millionen Euro in die Pfalz – schätzungsweise zehn Prozent der Summe, also gut 400 000 Euro fielen dabei für Struth ab. Foto: charisius/dpa FOTO: charisius/dpa
Hamburg. Erstmals wurden die Ausgaben der Clubs für Spielerberater veröffentlicht – Schalke 04 gibt für die Dienste noch mehr Geld aus als Bayern München. Ohne die Vermittler scheint es aber nicht zu gehen. sid-Mitarbeiter Kristof Stühm

Es geht um Macht und viele Millionen, der Markt wird immer härter und umkämpfter: Wenn Spielerberater im deutschen Profi-Fußball ihr Personal anbieten, geht es nicht selten zu wie auf dem Basar. Nun ist ein bestens gehütetes Geheimnis der Schattenwelt gelüftet worden: Wie viele Millionen streichen die Berater wirklich ein, wenn Transfers abgewickelt oder Verträge verlängert werden?

Allein die 18 Bundesligisten zahlten laut Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwischen dem 15. März 2015 und 15. März 2016 127,73 Millionen Euro an Provisionen und Honoraren an Spielervermittler. Laut Statistik hat Schalke 04 mit 16 860 333 Euro noch vor Bayern München (16 663 250) am meisten in den vergangenen zwei Transferperioden an Berater überwiesen.

Gezahlt wird immer

"Die nackte Tabelle erweckt einen falschen Eindruck. Nicht nur die Honorare bei Spielerkäufen tragen zu der Summe bei, sondern auch die Provisionen bei Vertragsverlängerungen und bei Spielerverkäufen", sagte Schalke-Manager Horst Heldt dem "Reviersport".

Rund 80 Prozent der umgesetzten 127,73 Millionen Euro sollen an nur zehn Prozent der Berater geflossen sein, wie ein Insider dem sid sagte. Einige große Player sind besonders gut vernetzt und im Geschäft. "SportsTotal" von Volker Struth hat viele Stars unter Vertrag, darunter Weltmeister Mario Götze (FC Bayern) und Marco Reus (Borussia Dortmund ). Aber auch die in Ludwigshafen ansässige "Rogon" von Roger Wittmann und "Arena 11" gelten als große Marken. In der Regel kassieren die Berater ungefähr zehn Prozent der Transfersumme oder vom Jahresverdienst bei einer Vertragsverlängerung.

Heribert Bruchhagen steht dem Treiben der Berater seit Jahren kritisch gegenüber, der Vorstands-Boss lässt nicht mit sich handeln. "Wir bezahlen vier Prozent des Grundgehaltes, das handhaben wir bei Eintracht Frankfurt seit 13 Jahren so", sagte Bruchhagen. Die Hessen zahlten im vergangenen Jahr "nur" 1 914 830 Euro für Berater , Rang 16 in der Geld-Tabelle. Eine Statistik, die Bruchhagen wohl ein bisschen stolz macht. Aber: Er habe anderen Clubs keine "Ratschläge" zu geben, sagte er: "Jeder muss machen, was er für richtig hält." Spielerberater hätten sicher "großen Einfluss, aber zum Abschluss eines Vertrages gehören zwei Seiten".

Für den langjährigen Bayer-Leverkusen-Manager Reiner Calmund sind die Spielervermittler nicht verzichtbar. "Es geht nicht ohne Berater , natürlich zuckt man bei der Gesamtsumme, aber man muss sie in Relation zu den Personalkosten sehen", sagte der 67-Jährige.

Die meisten Geschäfte laufen wohl sauber ab, doch oft wird wohl auch mit unlauteren Methoden um den besten Deal gefeilscht. Trainer Christian Streich vom SC Freiburg kritisierte einmal, seine Spieler würden "angeboten wie auf dem Viehmarkt", er beklagte "üble Mechanismen". Zudem hat sich die Anzahl der Berater in den vergangenen Jahren vervielfacht, viele nicht Lizenzierte drängen in den Markt - oft haben heute schon Zwölfjährige einen Berater . Der VfB Stuttgart überlegte sogar schon, sein Trainingsgelände für Berater zu sperren.

Kickback-Zahlungen

Nicht selten ist in der Branche hinter vorgehaltener Hand auch von Kickback-Zahlungen, die die Clubmanager erhalten, die Rede. Dabei verpflichten die Vereinsvertreter Spieler deutlich über Wert und erhalten dafür vom Berater unter der Hand einen Teil der Provision zurück.

Thomas Kroth, Präsident der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV), kämpft seit Jahren gegen den schlechten Ruf seiner Branche. Es gebe seriöse Berater , professionelle Karrieremanager, die sich bei Bedarf rund um die Uhr um ihre Klienten kümmern. Aber wie überall natürlich auch Schwarze Schafe, die so schnell wie möglich viel Geld scheffeln wollen. Da seien auch die Vereine gefordert. "Man muss sich aufseiten der Clubs fragen, mit wem man sich an einen Tisch setzt", sagte Kroth einmal: "Die Clubs müssten auch mal Nein sagen und den Berater vor die Tür setzen, wenn er nicht seriös ist."