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LSVS
Jetzt steht der Wirtschaftsprüfer am Pranger

Saarbrücken. Im LSVS-Skandal geht Verbandspräsident Klaus Meiser erstmals ins Detail. Rücklagen sollen in den Haushalt geflossen sein.

(kai) Großes entsteht immer im Kleinen. Über Jahre überwies der Landessportverband für das Saarland (LSVS) zu wenig Geld für Strom und Wasser an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Die Rückstände summierten sich irgendwann auf eine halbe Million Euro. Das berichtete LSVS-Präsident Klaus Meiser. Und so dürfte die Stromrechnung seines Verbandes in die Geschichte des Saarsports eingehen. Denn: Eine Anweisung von Meiser, diese alltäglichen Ausgaben zu überprüfen, markierte wohl den Anfang des Finanzskandals beim LSVS.

Fünf Millionen Euro dürfte der Schaden bei der Dachorganisation des Saarsports insgesamt betragen (wir berichteten). Der vom LSVS freigestellte Hauptgeschäftsführer soll über einen längeren Zeitraum ein jährliches Defizit in Höhe von 700 000 Euro verschwiegen haben. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Vorermittlungen gegen den langjährigen Angestellten eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue. H. bestreitet die Vorwürfe vehement. Seine Anwältin Caroline Gebhardt betonte gestern, H. habe nicht ohne Kenntnis, Weisung und Rücksprache mit dem Präsidium gehandelt.

Außer H. gerät auch der bisherige Wirtschaftsprüfer des LSVS in den Fokus. Er hatte die Bilanzen für die Jahre 2009 bis 2014 nicht beanstandet. Das belegen Protokolle früherer Mitgliederversammlungen. Auch die Verbandsführung erfuhr laut Meiser nichts von roten Zahlen. Die LSVS-Satzung sieht vor, dass das Präsidium die „Vorprüfung des Jahresabschlusses“ vornimmt. Danach leitet das Gremium die Bilanz an den Finanzexperten weiter. „Der Wirtschaftsprüfer hat das Präsidium nicht ordnungsgemäß auf ein strukturelles Defizit hingewiesen“, sagte der LSVS-Präsident. Daher behält man sich rechtliche Schritte vor. Auf Anfrage unserer Zeitung verwies der Prüfer gestern erneut auf seine Schweigepflicht.



Wie H. die Haushaltslöcher stopfte, erläuterte Meiser bei einer Krisensitzung am Montagabend den Vertretern der 48 Sportfachverbände im LSVS. H. soll nicht nur bei Strom und Wasser gespart haben. Angeblich ließ er auch zwei Milllionen Euro in den Haushalt einfließen, die eigentlich als Rücklagen vorgesehen waren. Die Gelder stammten aus einem Immobilienverkauf an der Sportschule.

Wo spart der LSVS? „Strukturelle Maßnahmen können erst ab 2019 wirken“, stellte Meiser klar. Deshalb wird ein Teil des aufzunehmenden Kredits in den Haushalt für das kommende Jahr fließen. Darüber hinaus streicht der Verband „freiwillige Ausgaben“. Konkret: Das „Fest des Saarsports“, ein Dankeschön für Ehrenamtliche und Sponsoren, findet 2018 nicht statt. Mehr als drei Millionen Euro erhält das Personal. Diese Kosten will Meiser mittelfristig um zehn Prozent senken – ohne Mitarbeiter zu entlassen. Das teilte er der Belegschaft in einer außerordentlichen Versammlung mit.