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„Jetzt ist Peter der Gejagte“

Garmisch. Severin Freund hat trotz eines dritten Platzes beim Neujahrsspringen seine Gesamtführung in der Vierschanzentournee verloren. Tagessieger wurde der Slowene Peter Prevc vor dem Norweger Kenneth Gangnes. Christoph Leuchtenbergund Erik Loos (sid)

Severin Freund lief jubelnd in Richtung Podest, Bundestrainer Werner Schuster klatschte anerkennend Beifall: Der Skisprung-Weltmeister nahm den Verlust seiner Führung bei der Vierschanzentournee gelassen hin. "Wenn mir einer vorher etwas von einem Podium erzählt hätte, hätte ich das blind unterschrieben", sagte Freund, nachdem er am Freitag mit Platz drei beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen seine "Zitter-Schanze" endlich gebändigt hatte.

"Das war mit Abstand mein bester Wettkampf hier, daher bin ich absolut zufrieden", sagte Freund. Drei Tage nach seinem Triumph in Oberstdorf fiel Freund in der Gesamtwertung allerdings auf Rang zwei zurück. Neuer Spitzenreiter ist Topfavorit Prevc, der in Garmisch mit Flügen auf 133,5 und 136,0 Meter und 272,7 Punkten vor dem Norweger Kenneth Gangnes (260,1) und Freund (256,8) triumphierte.

"Jetzt ist Peter der Gejagte. Es sind noch zwei Wettkämpfe, da kann noch viel passieren", sagte Freund, der von seinem Trainer ein Sonderlob erhielt. "Ich wollte schon immer einmal aus Garmisch rausfahren und um den Tournee-Sieg kämpfen. Das haben wir jetzt geschafft", sagte Schuster. Mit 572,6 Zählern liegt Prevc in der Gesamtwertung nur knapp vor Freund (564,0), der weiter vom ersten deutschen Tournee-Sieg seit Sven Hannawalds Erfolg 2001/2002 träumen darf. "Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich im Finale einen Platz und die Gesamtführung verloren habe. Aber es ist wunderschön, nach zwei Tournee-Springen Gesamtzweiter zu sein", sagte Freund. Dritter ist der Österreicher Michael Hayböck (551,5), der in Garmisch den fünften Platz belegte.

Jetzt nach Innsbruck

Für Prevc war es der erste Tagessieg bei einer Tournee überhaupt. Der 23-Jährige ist zumindest laut Statistik nun klarer Favorit auf den Tournee-Sieg. Sechs der letzten sieben Führenden nach Garmisch-Partenkirchen gewannen am Ende die Gesamtwertung. "Ich habe heute zwei meiner besten Sprünge hier in Garmisch gemacht. Ich muss einfach weiter das Beste aus mir herausholen und immer im Angriffsmodus bleiben. Nur ein einziger schlechter Sprung kann das Ergebnis umdrehen", sagte Prevc.

Zweitbester Deutscher wurde Richard Freitag , der als sehr guter Sechster sein bestes Garmisch-Ergebnis verbuchte. Stark präsentierte sich auch Andreas Wank, der als Elfter seine zweite Top-Zehn-Platzierung der vergangenen zwei Jahre knapp verpasste. "Mannschaftlich war das wieder ein super Ergebnis", sagte Schuster. In der Gesamtwertung belegen Freitag und Wank nun die Ränge neun und zehn.

Zeit zum Durchpusten blieb Freund und Co. nach dem Wettkampf kaum: Schon an diesem Samstag (14 Uhr/ZDF und Eurosport) steht die Qualifikation für das Bergisel-Springen in Innsbruck an, das Richard Freitag vor einem Jahr überraschend gewann. "Wir haben gute Erinnerungen an Innsbruck", sagte Schuster: "Mal schauen, was diesmal für uns drin ist."