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Triathlon
„Das Training ist absolut zweitrangig“

 Triathlet Jan Frodeno muss aktuell zu Hause trainieren.
Triathlet Jan Frodeno muss aktuell zu Hause trainieren. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Girona. Der Ironman-Weltmeister spricht über die Ausgangssperre in Spanien, Hamsterkäufe und die Zeit ohne Triathlon. dpa

Triathlon-Ikone Jan Frodeno muss sein Training für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen zu Hause absolvieren. Der dreimalige Ironman-Weltmeister lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Girona nahe Barcelona. In Spanien herrscht aufgrund der Coronavirus-Pandemie Ausgangssperre. Im Interview spricht der 38-Jährige vom LAZ Saarbrücken über die aktuelle Situation.

Herr Frodeno, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

JAN FRODENO Ich persönlich bin topfit. Die Kinder haben wir seit letzten Mittwoch nicht mehr in die Schule gelassen, nachdem es dem Kleinen mal nicht so gut ging. Natürlich ist es auch schwierig, wenn man weiß, dass man auch die nächsten 15 Tage nur zu Hause ist. Uns geht es aber allen gut.



Wie nehmen Sie die Situation in Spanien mit der Ausgangssperre derzeit wahr?

FRODENO Hier ist es auch kulturell ein heftiger Eingriff. Hier begrüßt man ja selbst Fremde mit Küsschen. Diese Nähe des mediterranen Lebens ist abgeschaltet. Andererseits spürt man eine ganz große Solidarität – vor allem mit dem Krankenhauspersonal.

Haben Sie mit Ihrer Familie weitere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen?

FRODENO Dadurch, dass wir auch Verwandtschaft in Singapur haben, ist das Thema in der Familie schon länger präsent. Wir haben die Maßnahmen aber relativ spät ergriffen. Natürlich ist die Chance geringer, wann man zu Hause bleibt, aber man versucht ja doch, auch ein bisschen das normale Leben hinzukriegen. Wir hoffen, dass wir alle insgesamt früh genug gehandelt haben.

Lebensmittel kriegen Sie noch?

FRODENO Hier sind die Supermärkte nach wie vor sehr gut bestückt. Ich habe mich allerdings auch dabei erwischt, dass ich drei Kilo Kaffee bestellt habe aus meiner Stammrösterei. Ich achte ansonsten eher aufs Essen anstatt aufs Klopapier. Hamsterkäufe finden – zumindest in meinem Umfeld – nicht statt. Die Menschen sind sehr vernünftig.

Inwiefern ist Ihr Training eingeschränkt?

FRODENO Man darf nie vergessen, dass es auch noch deutlich Schlimmeres gibt als die Maßnahmen, die jetzt ergriffen wurden. Ich gehe die Tage ein bisschen lockerer an, auch damit mein Immunsystem nicht am Limit ist. Zudem ist ja relativ sicher, dass – vorsichtig formuliert – in den nächsten Wochen, und schon gar nicht in meiner Sportart, mit Rennen mit ein paar tausend Teilnehmern zu rechnen ist. Ich habe ein Laufband zu Hause, ich habe eine Rolle zu Hause und werde versuchen, mit einem Gummiband die Schwimmbewegungen zu simulieren. Die nächsten zwei Wochen ist das Training aber auch absolut zweitrangig.

Haben Sie schon einen Plan B für diese Saison?

FRODENO Nö, überhaupt nicht. Ich bin nach wie vor froh, wenn Rennen stattfinden. Es geht jetzt darum, ein gewisses Niveau zu halten und dann zu schauen, wie es weitergeht. Man weiß ja auch nicht, ob die Quarantäne-Maßnahmen noch mal verlängert werden. Ich nutze die Zeit jetzt auch, um mit meinen Kids abzuhängen und meine Fähigkeiten auf dem Trampolin zu verbessern.