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Innerhofers spektakuläre Abfahrt

Santa Caterina. Skirennfahrer Christof Innerhofer hat bei der Abfahrt von Santa Caterina für ein Spektakel gesorgt. Der Südtiroler raste auf der schwierigen Piste in ein Tor, riss Fahne und Stange aus der Verankerung, schleifte beides um den Hals gewickelt mit ins Tal – und sah dabei fast aus wie Superman. sid-Mitarbeiter Thomas Häberlein

Die Zeit von "Höllenreiter" Christof Innerhofer erreichte er nicht, auch Sieger Adrien Theaux war folglich außer Reichweite, doch Andreas Sander war trotzdem "zufrieden". Bei der spektakulären Weltcup-Abfahrt im italienischen Santa Caterina , bei der auch einige Superstars herumgeschleudert wurden wie in einer Waschmaschine, fuhr der Westfale auf einen herausragenden zehnten Rang: Es war das beste Ergebnis seiner Laufbahn und Balsam auf die Wunden des kleinen deutschen Männer-Teams.

"Es wäre mehr drin gewesen, aber ich habe einige Fehler gemacht, die ich schon im Training gemacht habe", berichtete Sander, der bereits zehn Tage zuvor mit Rang 14 beim Super-G im Grödnertal aufsteigende Form bewiesen hatte. Der 26 Jahre alte ehemalige Junioren-Weltmeister im Super-G füllte umgehend die Lücke aus, die sein Zimmerkollege hinterlassen hat: Josef Ferstl (Hammer), im Vorjahr Siebter in Santa Caterina , fällt nach einem Kreuzbandriss sechs bis acht Monate aus.

Die deutschen Damen konnten mit Sander nicht mithalten, ihr Jahresausklang beim Slalom im österreichischen Lienz aber war einigermaßen versöhnlich. Lena Dürr (Germering) und Maren Wiesler (Münstertal) belegten beim Sieg von Frida Hansdotter (Schweden) zeitgleich Rang 17, für beide war es das beste Saisonresultat. Dabei fiel Dürr von Rang 14 nach dem ersten Lauf zurück, Wiesler verbesserte sich um acht Plätze und holte erst zum vierten Mal in ihrer Karriere Weltcuppunkte.

"Wir haben es uns sicher etwas leichter vorgestellt", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier in einer Zwischenbilanz zum Jahreswechsel: "Der einzige Sportler, der eigentlich immer im Soll war, war der Felix (Neureuther, Anm. d. Red.)."

Am Besten gelang der wilde Ritt auf der Piste "Deborah Compagnoni" dem Franzosen Adrien Theaux aus Frankreich, der seinen dritten Weltcup-Sieg vor Hannes Reichelt aus Österreich (1,04 Sekunden zurück) und Landsmann David Poisson (1,15) feierte.

Den Vogel aber schoss Christof Innerhofer ab: Der Südtiroler, Topfavorit nach zwei Trainingsbestzeiten, riss auf halber Strecke mit dem Oberkörper ein Tor weg, fuhr mit verrutschter Brille, der Torflagge und der daran hängenden Torstange um den Hals aber unverdrossen weiter, versuchte bei Tempo 120 erst die Brille zu richten, schüttelte irgendwann wenigstens die Torstange ab und erreichte immer noch mit der Fahne um den Hals tatsächlich das Ziel - und wurde am Ende Vierter.

"Das war ein Höllenritt, eine Höllenfahrt", berichtete Innerhofer im Anschluss an seine schier unglaubliche Fahrt. Der Südtiroler war sogar schneller als unter anderem Aksel Lund Svindal aus Norwegen, der die ersten drei Abfahrten in diesem Winter gewonnen hatte. Svindal belegte Rang sieben und zog damit im Gesamtweltcup wieder an Marcel Hirscher aus Österreich vorbei.