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Hadnball-Bundesliga
Die Meisterschaft ist so offen wie selten

Hamburg. In der Handball-Bundesliga geht es an der Spitze extrem eng zu. Sechs Mannschaften trennen vor dem Spieltag am zweiten Weihnachtstag nur vier Punkte. sid

Kiels einstiger Meistertrainer Alfred Gislason verließ die Halle an der Ostsee am Sonntagabend mit einem Kopfschütteln, die THW-Profis waren nach dem Schlusspfiff wie erstarrt: Die völlig überraschende 20:27-Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar war für den Rekordmeister vor allem in dieser Höhe ein Debakel. Für die Spannung in der Handball-Bundesliga ist sie jedoch ein Segen. Abgegriffen gesagt: Die Spitze ist breiter geworden, viel breiter sogar.

Keine acht Jahre ist es her, dass der Isländer Alfred Gislason die Zebras mit damals unfassbaren 68:0 (!) Punkten zur deutschen Meisterschaft führte, aus heutiger Sicht ein kaum wiederholbarer Siegeszug. Zwei Tage vor Weihnachten kassierte der Tabellenführer bereits die vierte Niederlage der laufenden Runde und darf sich trotzdem „Weihnachtsmeister“ nennen. Doch fünf Verfolger sind dem Spitzenreiter eng auf den Fersen.

„Leider haben wir in dieser Saison immer wieder Aussetzer, das kann nicht unser Anspruch sein“, sagte Nationalspieler Patrick Wiencek. Und so zogen der TSV Hannover-Burgdorf und Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt nach Pluspunkten mit Kiel gleich, in Lauerstellung liegen der SC Magdeburg, die Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin.



Mehr Ungewissheit im Meisterschaftsrennen war lange nicht in der obersten Handball-Liga Deutschlands, THW-Trainer Filip Jicha ärgerte sich somit verständlicherweise über die nicht einkalkulierte Heimpleite. „Da bleibt jetzt nur Mund abputzen, wieder aufstehen und alles in die letzten zwei Spiele des Jahres reinhauen.“ Am zweiten Weihnachtsfeiertag geht es für den THW zu Frisch Auf Göppingen, ehe am Sonntag der TBV Lemgo-Lippe an der Förde gastiert. „Die Liga ist so eng zusammengerückt, dass wir uns kaum noch etwas erlauben können“, sagte Wiencek, „wir hätten gegen Wetzlar noch drei Stunden spielen können und hätten das Spiel nicht mehr gedreht.

Bundestrainer Christian Prokop interessiert derzeit weniger die Tabellenkonstellation in der Bundesliga. Er hofft inständig, dass sich keiner seiner Nationalspieler vor der Europameisterschaft im Januar an den letzten beiden Ligaspieltagen noch verletzt. Denn schon jetzt fehlen dem Leipziger fünf wichtige Rückraumakteure. Was auch mit der alljährlichen Terminhatz zum Jahreswechsel zu tun hat. Nur drei Tage nach dem 20. Spieltag schart Prokop seine Akteure ab dem 2. Januar um sich. Und ganz sicher nicht in der besten körperlichen Verfassung.

„Ich weiß auch nicht, wie das noch weitergehen soll. Da darf man sich nicht wundern, wenn Spieler schon mit 30 Jahren die Nationalmannschaft zur Seite legen“, sagte Wiencek. Bis zu 80 Partien pro Saison sind für Topstars längst zur kräftezehrenden Normalität geworden – und selbst an Weihnachten gibt es keine Erholung.