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„Ich erwarte eine tolle Atmosphäre“

Göteborg. Die deutschen Handballerinnen müssen auf Schützenhilfe hoffen, um das EM-Halbfinale zu erreichen. Das Duell mit Gastgeber Schweden zum Abschluss der Hauptrunde ist für die DHB-Auswahl der Höhepunkt in Göteborg – zumindest vorläufig. Christopher Köster,Kevin Wyborny (sid)

Vor dem großen Kräftemessen bei der Europameisterschaft in Schweden haben die deutschen Handballerinnen einen Tag Auszeit bekommen. Shoppen gehen, die Köpfe freimachen - das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen den Gastgeber hat Bundestrainer Michael Biegler erst für den heutigen Vormittag angesetzt. Doch dann wird es nochmal richtig ernst: "Für mich ist es der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere", freut sich die erst 18 Jahre alte Emily Bölk. Mit etwas Schützenhilfe winkt sogar der Einzug ins Halbfinale.

Im letzten Hauptrundenspiel an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/Sport1) gegen die Schwedinnen erwartet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) im Scandinavium in Göteborg eine Kulisse von über 6000 Fans mit einer gelben Wand. "Vor so vielen Zuschauern habe ich noch nie gespielt", sagt Bölk ehrfurchtsvoll, Torhüterin Clara Woltering ergänzt: "Ich erwarte eine tolle Atmosphäre. Das wird eine neue und wichtige Erfahrung, vor allem für unsere jüngeren Spielerinnen."

Verzichten muss Biegler dabei auf Rückraumspielerin Isabell Klein. Die 32-Jährige zog sich beim 20:20 gegen Spanien am Montag kurz vor Schluss einen Nasenbeinbruch sowie einen Bluterguss in der Nasenscheidewand zu und fällt damit aus.



Sollte die deutsche Mannschaft gewinnen, ist ihr das Spiel um Platz fünf am Freitag sicher. Selbst die Vorschlussrunde kann sie noch erreichen. Dafür ist das DHB-Team allerdings auf Hilfe angewiesen. Gegen die Schwedinnen muss mindestens ein Unentschieden her, im Falle eines Sieges reicht es schon, dass der Olympia-Zweite Frankreich verliert oder die Niederlande höchstens remis spielen.

Bölk gibt offen zu, auf die anderen Partien zu schielen - die Niederlande treffen auf Spanien (16.15), Frankreich bekommt es mit Serbien zu tun (20.45). Saskia Lang beteuert dagegen, "nur auf unsere eigene Leistung" zu schauen. Die sollte gegen Schweden von Beginn an besser ausfallen als in der ersten Halbzeit gegen Spanien.

Auch die neue deutsche EM-Rekordspielerin Woltering, die gegen Spanien mit ihrem 38. Einsatz Grit Jurack überflügelte, will sich nur mit der eigenen Begegnung beschäftigen. "Es ist wichtig, diesen Druck zu spüren. Wir selbst müssen in der Offensive cleverer agieren und Aktionen nicht zu schnell abschließen", fordert sie für das Schweden-Spiel.

Beide Mannschaften kennen sich ziemlich gut. Ende November testeten sie in Hamm und Trier zweimal gegeneinander und spielten jeweils unentschieden. "Schweden hat eine fantastische Mitte und gute Außen", analysiert Woltering.

Für die Schwedinnen geht es nur noch darum, das Spiel um Platz fünf zu bestreiten, das Halbfinale können sie nach der Niederlage gegen Frankreich nicht mehr erreichen. Dennoch erwartet Lang eine "Weltklasse-Mannschaft", die mit dem "Messer zwischen den Zähnen" antreten werde.

Für Trainer Biegler kein Problem, er sieht die Verantwortung für Sieg, Niederlage oder Unentschieden eh bei sich selbst. Nach dem Remis gegen Spanien übte der 55-Jährige Selbstkritik. "Der Coach sollte nicht so einen Einstiegsfehler wie gegen Spanien machen. Das geht klar auf meine Kappe. Ich habe der Mannschaft eine falsche Maßgabe mit auf den Weg gegeben", sagte Biegler: "Ich habe die Deckungsformation etwas anders interpretieren wollen. Da muss ich gegen Schweden einen besseren Weg finden."