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Hallen-Weltmeisterschaft
Holzdeppe verpasst den Sprung ins Glück

Birmingham. Knapp an einer Medaille ist Stabhochspringer Raphael Holzdeppe bei der Hallen-WM in Birmingham als Fünfter vorbeigeschrammt. Weitspringerin Sosthene Moguenara holt am letzten Abend noch einmal Bronze – das schaffte zuletzt vor 23 Jahren Susen Tiedtke-Greene.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken ist bei der Hallen-WM in Birmingham ohne die erhoffte Medaille geblieben. Der 28-Jährige kam gestern nach einem guten Wettkampf mit überquerten 5,80 Metern auf Rang fünf.

„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, hier zu springen. Ich hatte auch gute Sprünge. Am Ende haben mir am Abstand zur Latte ein paar Zentimeter gefehlt, um drüber zu kommen. Der erste Versuch bei 5,85 Meter war knapp und der zweite bei 5,90 Meter auch. Da kann man nichts machen. Manchmal hat man das Glück auf seiner Seite, manchmal nicht. Jetzt wird erst einmal die Bronzemedaille von Sosthene (seiner Verlobten, der Weitspringerin Sosthene Moguenara, Anm. d. Red) gefeiert“, sagte Holzdeppe nach dem Wettkampf.

Es war für die Athleten ein kräfte- und nervenzehrender Stabhochsprung-Wettbewerb, der die Zeitplanung der Hallen-WM in Birmingham sprengte. Als alle anderen Medaillen schon längst vergeben waren, stand der Sieger in diesem hochklassigen Wettkampf immer noch nicht fest. Denn gleich neun Athleten überquerten 5,70 Meter, sechs von ihnen auch noch mindestens 5,80 Meter.



Einer von ihnen war Raphael Holzdeppe. Zwischenzeitlich lag der Zweibrücker sogar auf Medaillenkurs. Ein blitzsauberer Sprung über 5,80 Meter gleich im ersten Versuch hatte ihn auf den zweiten Rang katapultiert. Doch die Konkurrenz konterte. Allen voran Renaud Lavillenie aus Frankreich.

Der Titelverteidiger setzte sich nach mehr als drei Stunden durch. Der Weltrekordhalter machte an diesem langen Nachmittag nur vier Sprünge bis er als erneuter Hallen-Weltmeister feststand. Im zweiten Versuch meisterte er 5,90 Meter. So hoch sprang an diesem Nachmittag kein anderer.

Mit 5,85 Metern ging Silber an Freiluft-Weltmeister Sam Kendricks (USA) vor dem höhengleichen Polen Piotr Lisek. Diese Höhe hatte auch Raphael Holzdeppe drin. Nur knapp riss er seinen ersten Versuch über 5,85 und hob sich dann noch zwei Versuche für 5,90 Meter auf. An dieser Sieger-Höhe scheiterte der 28-Jährige allerdings und wurde bei seiner ersten Hallen-WM Fünfter.

Zufrieden war auch Alexander Vieweg, sportlicher Leiter des LAZ Zweibrücken. „Gegen Raphis Wettkampf kann man absolut nix sagen. Der Versuch über 5,85 war verdammt ärgerlich, da war er eigentlich schon drüber. Und an manchen Tagen holst du mit 5,80 Metern auch eine Medaille, heute leider nicht. Aber die Konkurrenz war auch einfach extrem stark.“

Silber gab es in Birmingham für Kugelstoßer David Storl, Bronze für Hochspringer Mateusz Przybylko und Weitspringerin Sosthene Moguenara: Das kleine deutsche Leichtathletik-Team hat sich bei den Hallen-Weltmeisterschaften wacker geschlagen, auch wenn sich in Birmingham nicht alle Medaillenhoffnungen erfüllten. Abgerechnet wird in diesem Jahr ohnehin erst nach der Heim-EM vom 7. bis 12. August in Berlin. Dann wollen auch die starken Werfer und Stoßer um Speer-Weltmeister Johannes Vetter und die Diskus-Asse Christoph und Robert Harting in Topform sein.

Zum WM-Auftakt hatte sich Przybylko überraschend Bronze geschnappt, Storl setzte mit Silber ein unverhofftes Glanzlicht, und auch Moguenara enttäuschte als Dritte in einem Super-Feld nicht. Die 28 Jahre alte Olympia-Zehnte aus Wattenscheid, die seit einem knappen Jahr in Zweibrücken unter Stabhochsprung-Bundestrainer Andrei Tivontchik trainiert, kam im zweiten Versuch auf 6,85 Meter und musste sich am Ende nur Weltmeisterin Ivana Spanovic aus Serbien (6,96 Meter) und der Amerikanerin Brittney Reese (6,89) geschlagen geben.

„Es ist ein super, super geiles Gefühl. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich meine Medaille habe. Das ist genau das, was ich mir so lange gewünscht habe“, sagte Moguenara. Die bislang letzte deutsche Medaillengewinnerin im Weitsprung bei einer Hallen-WM war 1995 mit Bronze Susen Tiedtke-Greene.

Zwei Youngster im 22-köpfigen deutschen Aufgebot mussten dagegen Lehrgeld zahlen: Dreisprung-Europameister Max Heß hatte Pech und wurde Elfter. Deutschlands Lauftalent Konstanze Klosterhalfen wurde über 3000 Meter Siebte. Beide sind erst 21.

„Es gibt keine klassischen und damit auch keine deutschen Medaillenbänke mehr. Das kann man vergessen“, sagte Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). „Es zählt halt wirklich die Tagesform und das, was wir rausgegeben haben: Performen, wenn‘s drauf ankommt! Und das ist das Thema, an dem wir arbeiten werden“, betonte der DLV-Cheftrainer. Vorleistungen, sagte Gonschinska, „zählen nicht wirklich“.

Das galt auch für Storl, der mit seinem neuen Coach Wilko Schaa und neuer Trainingsmethodik wieder an gute alte Zeiten anknüpfte. Mit Platz zwei hatte der 27 Jahre alte Leipziger selbst nicht gerechnet, und nach seinem dritten Silber-Coup bei einer Hallen-WM ging sein Blick schon Richtung Heim-Europameisterschaft: „Das ist der Startschuss für die Sommersaison.“

Gonschinska lobte den zweimaligen Weltmeister aus Sachsen, der diesmal auch die beiden US-Männer Darrell Hill und Ryan Whiting hinter sich ließ. „Das war durchaus aus einer Außenseiterposition ein ganz wichtiger Schritt zurück in Richtung Weltklasse.“

Zum Schluss gab es auch noch einen Weltrekord durch die polnische Männerstaffel über 4 x 400 Meter, die sich in 3:01,77 Minuten überraschend Gold vor dem US-Quartett sicherte. Der amerikanische Sprintstar Christian Coleman verfehlte seinen 60-Meter-Weltrekord (6,34) nur um drei Hundertstel. Lediglich um zwei Hundertstel lief Kendra Harrison über 60 Meter Hürden am Weltrekord vorbei. Sie sicherte sich in 7,70 Sekunden ihre erste internationale Medaille.