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Biathlon-Weltcup
Historische Pleite für deutsche Biathletinnen

Hochfilzen . Beim Weltcup-Sprint in Hochfilzen schaffte keine Deutsche den Sprung unter die ersten 40.

Historisches Debakel an der Stätte des Wintermärchens: Die deutschen Biathletinnen haben in Hochfilzen ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten eingefahren – und den Sportlichen Leiter zu einem alarmierenden Vergleich verleitet. „Das ist wie ein 0:4 im Fußball gegen Österreich“, sagte Bernd Eisenbichler, den die unfassbare Klatsche beim Weltcup am Freitag sichtlich mitnahm: „Wir müssen das sauber analysieren, das war ein schlechtes Ergebnis der gesamten Mannschaft.“

Und zwar so schlecht wie noch nie. Beim Sprint über 7,5 Kilometer landete zum ersten Mal in der erfolgreichen Geschichte der Skijägerinnen keine einzige Deutsche unter den besten 40. Anstatt den holprigen Start in die Saison in der Vorwoche vergessen und den erhofften Schritt nach vorne zu machen, mussten Denise Herrmann und Co. einen nächsten, noch viel heftigeren Rückschlag verkraften. Und das ausgerechnet dort, wo die einstige Überfliegerin Laura Dahlmeier 2017 fünf von sieben deutschen WM-Goldmedaillen gewonnen hatte.

„Das war scheiße und eine ziemliche Katastrophe. Wir haben uns alle klar unter Wert verkauft“, haderte Herrmann, die beim Sieg der Italienerin Dorothea Wierer auf Platz 41 noch das „beste“ Resultat für den Deutschen Skiverband (DSV) lieferte. „Ich hoffe, dass wir ganz schnell wieder den Schalter umlegen können.“



Zwar könnte am Samstag die Staffel (11.30 Uhr/ARD) kurzzeitig von diesem fürchterlichen Tag ablenken – wenn es denn besser laufen sollte. Spätestens am Sonntag werden die erfolgsverwöhnten Biathletinnen aber in der Verfolgung wieder von ihrem düsteren Abschneiden eingeholt. „Das ist ein Desaster, es wird viel zu reden geben“, sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner in ihrer Funktion als ARD-Expertin.

Eisenbichler versicherte allerdings, dass es „keinen Aktionismus“ geben würde, dass man „nicht alles schlechtreden“ werde, was man sich aufgebaut habe. „Die Mädels haben im Sommer gut gearbeitet. Jedoch müssen sie eine Antwort auf diesen Tag geben“, forderte er.

Ähnlich schätzte es Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer ein, für den „absolut nichts zusammengepasst hat. So wie in Oberhof Anfang des Jahres.“ Damals hatten die deutschen Biathletinnen ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht, als Karolin Horchler als beste den 34. Rang belegte. Sie verpasste in Hochfilzen als 64. nun sogar die Qualifikation für die Verfolgung.

Dass dort ziemlich sicher kein Top-Ergebnis verbucht werden kann und die Biathletinnen damit wie im Vorjahr nach den ersten zwei Weltcups ohne Einzel-Podest dastehen, ist den Beteiligten klar. „Es geht nur um Schadensbegrenzung. Wir müssen Vollgas vom ersten Meter geben“, sagte Herrmann, die allerdings ohnehin die größeren Hoffnungen in die Staffel setzte.

Wen die Trainer für das Rennen über 4x6 Kilometer in die Loipe schicken werden, ist gar nicht so einfach – da alle auf einem ähnlich schwachen Niveau auftraten. „Aber wenigstens geht es hier von Null los“, sagte Herrmann, „das bietet uns eine Chance, neu anzugreifen.“

Das können die deutschen Männer auch in der Verfolgung am Samstag (14.55 Uhr). Zwar reichte es für Benedikt Doll als bestem DSV-Athleten nur zum elften Rang, „aber die Abstände sind gering“, sagte Doll: „Da ist im Verfolger einiges möglich.“