| 23:10 Uhr

Alexander Nouri gegen Florian Kohfeldt
Wiedersehen am Abgrund

  Bremens Trainer Florian Kohfeldt gestikuliert während des Pokalspiels bei Eintracht Frankfurt, das Werder 0:2 verlor. Am Samstag ist Abstiegskampf in der Bundesliga angesagt – bei der ebenfalls angeschlagenen Hertha aus Berlin.
Bremens Trainer Florian Kohfeldt gestikuliert während des Pokalspiels bei Eintracht Frankfurt, das Werder 0:2 verlor. Am Samstag ist Abstiegskampf in der Bundesliga angesagt – bei der ebenfalls angeschlagenen Hertha aus Berlin. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Berlin. Hertha-Trainer Alexander Nouri trifft auf seinen alten Verein Werder Bremen und seinen Nachfolger Florian Kohfeldt. dpa

Alexander Nouri weiß, was Florian Kohfeldt ihm voraus hat. Wenn der 40 Jahre alte Trainer von Hertha BSC über Werder Bremen redet und über die nahezu bedingungslose Unterstützung für seinen Nachfolger dort, dann klingt das so: „Ich denke, dass die handelnden Personen einfach ein gegenseitiges Vertrauen an den Tag legen. Man wird sehen, wo es am Ende hinführt. Grundsätzlich glaube ich, dass diese Geschlossenheit der Stadt, die hinter dem Verein steht, hilft.“

Nouri stieg durch den Plötzlich-Abschied von Jürgen Klinsmann Mitte Februar zum Chefcoach des Berliner Bundesligisten auf. Sein Vertrag läuft bis Ende Juni, über seinen Verbleib bei der Hertha wird deutlich weniger spekuliert als über seine potenziellen Nachfolger, angeführt von dem möglichen Rückkehrer Niko Kovac. Nouri nur eine Kurzzeitlösung? Wieder mal.

Die Bremer hatte er in 40 Spielen von September 2016 nach der Frei­stellung des damaligen Cheftrainers Viktor Skripnik hauptverantwortlich betreut, ehe sich der Verein zu einer für seine Historie und seine Verhältnisse eher seltenen Maßnahme entschied: erneute vorzeitige Trennung am 30. Oktober 2017. Werder hatte nach zehn Spieltagen noch immer nicht gewonnen, war Vorletzter. Nouris Nachfolger wurde Kohfeldt.



Jener Kohfeldt, der nun mit Werder ebenfalls auf dem vorletzten Tabellenplatz steht und sage und schreibe elf Niederlagen in den vergangenen 13 Meisterschaftsspielen kassierte. Zur Diskussion steht der 37-Jährige deswegen aber nicht. Seinen Vertrag hatte er erst im Sommer vergangenen Jahres bis Ende Juni 2023 verlängert. Er soll in Bremen die Langzeitlösung werden, die dort seit den erfolgreichen Jahren mit Otto Rehhagel und Thomas Schaaf Tradition hat.

Warum sich der Verein von Skripnik und von Nouri trennte, jetzt aber in einer allein vom Zeitpunkt her noch viel schlimmeren Lage an Kohfeldt festhält, erklärte Frank Baumann in dieser Woche im „Weser-Kurier“: „Bei Nouri und Skripnik merkte man damals, dass die Mannschaft einen neuen Impuls brauchte. Da war ein Gefühl bei der Mannschaft: Das kriegen wir nicht mehr hin. Und auch im Trainerteam fehlte der Glaube daran“, sagte der Geschäftsführer Sport. Und warum ist das bei Kohfeldt anders? „Er hat eine unheimliche Qualität, einzelne Spieler und eine ganze Mannschaft zu führen und zu vereinen, was nicht selbstverständlich ist in so einer Situation“, sagte Baumann. Und dann der entscheidende Satz: „Es gibt bei Werder ein sehr genaues Profil für den Cheftrainer. Und Florian Kohfeldt erfüllt dieses Profil nach wie vor zu 100 Prozent.“

Daran wird auch der Ausgang der pikanten Partie an diesem Samstag in Berlin nichts ändern. Ein Remis bringt beiden Teams wenig, ein Sieg muss her. Die Hertha braucht ihn als weiteren Puffer im Kampf gegen den Abstieg und vor allem als Wiedergutmachung für den desaströsen Heimauftritt unter Nouri beim 0:5 gegen den 1. FC Köln. Bremen braucht den Sieg, um den Kontakt zum rettenden 15. Platz bei aktuell schon acht Punkten Rückstand nicht vollends abreißen zu lassen. „Es wird an diesem Tag niemand in der Bundesliga absteigen oder drinbleiben“, sagte Kohfeldt, „auf dem Weg zum Klassenverbleib ist es aber eine immens wichtige Partie.“

 Alexander Nouri hat bei Hertha BSC als Trainer derzeit das Sagen.
Alexander Nouri hat bei Hertha BSC als Trainer derzeit das Sagen. FOTO: dpa / Andreas Gora