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Fußball
Alle Augen auf Windhorst gerichtet

 Wie wird sich Hertha-Investor Lars Windhorst an diesem Donnerstag positionieren?
Wie wird sich Hertha-Investor Lars Windhorst an diesem Donnerstag positionieren? FOTO: dpa / Soeren Stache
Berlin. Nach dem Rücktritt von Klinsmann steht Hertha BSC vor einem Scherbenhaufen. sid

Am Tag nach dem großen Beben fegte ein kräftiger, kalter Wind über den Olympiapark. Das Wetter am Mittwoch passte perfekt ins Bild, denn für Hertha BSC brechen stürmische Zeiten an. Nach dem überraschenden Rücktritt von Trainer Jürgen Klinsmann, der durch die Art und Weise seines Abgangs in der Fußball-Bundesliga für immer verbrannt sein dürfte, ist das „Big City Chaos“ längst noch nicht überstanden.

Sportlich droht dem ambitionierten Hauptstadt-Klub durch die große Unruhe wieder der Abstieg – und hinter den Kulissen ein Machtkampf von enormer Sprengkraft. Auch die Geschäftsführer Michael Preetz (Sport) und Ingo Schiller (Finanzen) sowie Präsident Werner Gegenbauer, die Klinsmanns Forderungen nach mehr Einfluss und einer schnellen Entscheidung in der Trainerfrage nicht sofort erfüllen wollten, können sich nicht als „Gewinner“ fühlen. Denn die zentrale Frage ist noch unbeantwortet: Wie reagiert Investor Lars Windhorst auf den ganzen Schlamassel?

Die Antworten wird es an diesem Donnerstag geben. Windhorst, Gegenbauer und Preetz wollen sich auf einer Pressekonferenz um 11.30 Uhr zur aktuellen Situation äußern. Dass der Unternehmer sein Engagement aufkündigt, ist angesichts der bislang investierten 224 Millionen Euro für 49,9 Prozent der Klub-Anteile sehr unwahrscheinlich.



Hält Windhorst aber an Klinsmann als seinem Vertrauten fest, droht Hertha eine Zerreißprobe mit unvorhersehbaren Folgen. Klinsmann hatte angekündigt, seine Funktion als Aufsichtsratsmitglied wieder aufnehmen zu wollen. Dann würde der einstige Welt- und Europameister die Leute kontrollieren, denen er einen Vertrauensbruch vorwirft.

Dagegen spricht: Klinsmanns Hauruck-Aktion dürfte auch Windhorst wenig gefallen haben – und bei den Fans ist der frühere Bundestrainer kaum noch zu vermitteln. Aber selbst wenn Windhorst Klinsmann fallen lässt, bedeutet dies nicht automatisch, dass Preetz und Co. den Richtungsstreit für immer gewonnen haben. Vor allem Manager Preetz steht unter Druck, er muss auf die Schnelle einen neuen Trainer finden und Windhorst glaubhaft erläutern, wie er dessen Wunsch nach Champions League und Titeln mittelfristig erfüllen will.

Bei der Trainersuche deutet alles darauf hin, dass Co-Trainer Alexander Nouri im Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Schlusslicht SC Paderborn interimsmäßig auf der Bank sitzen wird. Da Nouri von Klinsmann geholt wurde, ist eine Dauerlösung mit ihm aber unwahrscheinlich. Noch unrealistischer ist eine Rückkehr von Pal Dardai, auch wenn sich nicht wenige Fans nach den verlässlichen Zeiten unter dem Ungarn zurücksehnen. Gehandelt werden die Namen Roger Schmidt, Bruno Labbadia und Mark van Bommel.

Eine Personalentscheidung wurde am Mittwoch getroffen – und sie beweist, wie sehr sich der Wind bei Hertha gedreht hat: Zsolt Petry übernimmt wieder das Torwart-Training der Profimannschaft. Der im Klub hochgeschätzte Petry war von Klinsmann rasiert worden, zwischenzeitlich half dafür Bundestorwarttrainer Andreas Köpke aus. Nicht wenige unterstellten Klinsmann persönliche Motive. Petry hatte einst Klinsmanns Sohn Jonathan, dem bei Hertha der Durchbruch nicht gelang, öffentlich hart kritisiert.