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Hannover verliert in LüttichDer FC Schalke will seine Fans versöhnen

Schalke-Trainer Huub Stevens macht seinen Spielern vor dem heutigen Spiel gegen Steaua Bukarest Dampf. Foto: Frisco Gentsch/dpa
Schalke-Trainer Huub Stevens macht seinen Spielern vor dem heutigen Spiel gegen Steaua Bukarest Dampf. Foto: Frisco Gentsch/dpa
Lüttich. Trotz einer 0:2 (0:1)-Niederlage bei Standard Lüttich hat sich Hannover 96 am Mittwoch vorzeitig für die K.o.-Runde in der Europa League qualifiziert. Schützenhilfe leistete dem Tabellen-Achten der Fußball-Bundesliga das Team von Worskla Poltawa, das dem FC Kopenhagen im anderen Spiel der Gruppe B ein 1:1 abtrotzte Von dpa-Mitarbeiter Michael Rossmann

Lüttich. Trotz einer 0:2 (0:1)-Niederlage bei Standard Lüttich hat sich Hannover 96 am Mittwoch vorzeitig für die K.o.-Runde in der Europa League qualifiziert. Schützenhilfe leistete dem Tabellen-Achten der Fußball-Bundesliga das Team von Worskla Poltawa, das dem FC Kopenhagen im anderen Spiel der Gruppe B ein 1:1 abtrotzte. Vor 19 000 Zuschauern im Maurice-Defrasne-Stadion kassierte das Team von Mirko Slomka nach seiner bisher schwächsten Europacup-Vorstellung verdient die erste Niederlage im Wettbewerb. Mohammed Tchite (25. Minute) und Gohi Bi Cyriac (58.) nutzten zwei Fehler der Niedersachsen und schossen Lüttich vorzeitig zum Gruppensieg.Nach zuletzt vier sieglosen Spielen in der Bundesliga kam Hannover nun auch auf internationalem Parkett vom Erfolgskurs ab. In einem intensiv geführten "Endspiel" um den Gruppensieg suchten die 96er im Streben nach dem so wichtigen Auswärtstor zwar von Beginn an den Weg nach vorne. Dennoch dauerte es bis zur 35. Minute, ehe die rund 1500 mitgereisten Fans das erste offensive Achtungszeichen ihrer Mannschaft zu sehen bekamen.

Nach einem Abspielfehler von Yoni Buyens lief Jan Schlaudraff allein auf das Tor der Belgier zu, scheiterte mit seinem Außenristschuss aber am glänzend reagierenden Schlussmann Sinan Bolat.

Standard setzte auf blitzschnelle Vorstöße und deckte damit manche Lücke in der Deckung der Gäste auf. In der 22. Minute startete Mujangi Bia ein Solo auf dem rechten Flügel, schoss aber aus spitzem Winkel am Gehäuse des nicht immer sicher wirkenden Torhüters Ron-Robert Zieler vorbei. Wenig später fühlte sich in der 96-Defensive niemand für Tchite zuständig, der von seinem Gegenspieler Emanuel Pogatetz unbewacht zum 1:0 abschloss und damit seine Torserie fortsetzte. Schon in den letzten fünf Ligapartien hatte der 27-Jährige jeweils für Lüttich ins Schwarze getroffen.



Nach dem Seitenwechsel verlor das Team von Mirko Slomka erst einmal die Kontrolle über die Partie. Lüttich, das im Hinspiel ein 0:0 erkämpft hatte, machte mächtig Dampf und nutze einen leichtsinnigen Ballverlust von Sergio Pinto eiskalt aus. Cyriac schloss den schulmäßigen Konter mit dem zweiten Treffer ab. Dagegen wirkte das Spiel der Gäste zunehmend einfallslos. Auch die Einwechslung von Ex-Torjäger Didier Ya Konan gab dem Team nicht die erhofften Impulse. Gelsenkirchen. Seinen 58. Geburtstag am Dienstag konnte Huub Stevens nicht wirklich genießen. Zu tief saß der Frust des Schalker Trainers über die Derby-Schlappe in Dortmund. Ein Erfolg am heutigen Donnerstag gegen Steaua Bukarest (19Uhr/Sat.1 und Sky) in der Europa League soll helfen, die Stimmung aufzubessern. Angreifer Klaas-Jan Huntelaar versprach dem Fußball-Lehrer ein nachträgliches Geschenk - und stellte auch dem nicht minder verärgerten Anhang Wiedergutmachung in Aussicht: "Wir waren alle sehr enttäuscht. Mit einem Sieg können wir unsere Fans wenigstens ein bisschen versöhnen."

Die dürftige Vorstellung beim 0:2 gegen den Erzrivalen aus Dortmund hat Spuren hinterlassen. Von den positiven Ansätzen, die das Team seit der Amtsübernahme von Stevens Ende September gezeigt hatte, war in den vorigen Tagen kaum noch die Rede. Vielmehr pflegte der niederländische Coach seinen Ruf als "Knurrer von Kerkrade".

Selbst Kultfigur Raúl bekam den Unmut von Stevens zu spüren. "Er spielt in dieser Saison bislang schwankend." Ebenso kritisch ging der Trainer mit Jungstar Lewis Holtby ins Gericht: "Lewis muss sich mehr präsentieren und in die Häuptlings-Rolle hineinwachsen", sagte er. Angesichts der knisternden Stimmung kommt das Duell mit den Rumänen da gerade recht. "Es ist das Schöne am Fußballgeschäft, dass es schon nach wenigen Tagen ein neues Spiel gibt, in dem man eine bessere Leistung zeigen kann", sagte Stevens voller Hoffnung auf eine Rückkehr des Teams in die Erfolgsspur.

Mit einem Sieg könnten die Schalker, die in der Gruppe J die Tabelle mit acht Zählern vor Maccabi Haifa (sechs Punkte), Bukarest (fünf) und AEK Larnaca (zwei) anführen, den Einzug in die K.o.-Runde perfekt machen. Schließlich haben die Schalker ambitionierte Pläne: "Unser großes Ziel ist das Finale in Bukarest, aber der nächste Schritt ist ein Sieg über Steaua", sagte Raúl mit Verweis auf die Routine des Teams. "Wir standen in der vorigen Saison im Halbfinale der Champions League und verfügen über Erfahrung."

Ein "Endspiel" am letzten Gruppenspieltag Mitte Dezember in Haifa soll allen Beteiligten erspart bleiben. Deshalb strebt Stevens eine forschere Gangart an als beim wenig ansehnlichen 0:0 zum Auftakt der Gruppenphase gegen Bukarest in Cluj. Zudem hofft der Coach auf eine ähnliche Effizienz wie in den bisherigen Partien seiner Mannschaft auf internationalem Parkett: Beachtliche acht der 15 Torschüsse landeten seit Beginn der Gruppenphase in den Maschen.

Auf die rechtzeitige Genesung von Benedikt Höwedes kann Stevens jedoch nicht hoffen. Der Nationalspieler, der sich im Länderspiel gegen die Niederlande eine Außenbandverletzung im rechten Knie zugezogen hatte, ist zwar ins Lauftraining zurückgekehrt, steht aber noch nicht zur Verfügung. dpa