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Sorgen bei Hannover 96
Zwischen Abstiegsangst und Vereinsstreit

Die Sorgen von Hannovers Trainer André Breitenreiter haben nicht nur mit dem Ball zu tun. Denn abseits des Platzes versinkt der Verein im Streit.
Die Sorgen von Hannovers Trainer André Breitenreiter haben nicht nur mit dem Ball zu tun. Denn abseits des Platzes versinkt der Verein im Streit. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Hannover. Sportlich steht Hannover 96 im Bundesliga-Duell beim FC Schalke 04 unter großem Zugzwang. Und auf der eigenen Führungsebene erreicht der Streit um die Übernahme durch Präent Martin Kind die nächste Stufe. sid

Horst Heldt und André Breitenreiter reißen den Schutzschild entschlossen hoch. Die Giftpfeile, die zwischen Martin Kind und seinen Gegnern hin- und herfliegen, sollen die ohnehin schon strauchelnden Profis von Hannover 96 bloß nicht treffen. Der erneute Ausbruch des Zukunftsstreits zwischen dem mächtigen Präsidenten und der clubinternen Opposition droht zur schweren Belastung zu werden.

Mitten im Abstiegskampf, den Heldt und Breitenreiter erstaunlich früh ausgerufen haben, fliegen an der Leine wieder die Fetzen. Doch das Führungsduo der Bundesliga-Mannschaft stellt bei dem brisanten Thema auf Durchzug. Gegenüber seinem Team habe er „noch nicht ein Wort darüber verloren“, sagte Breitenreiter vor dem so wichtigen Spiel an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Champions-League-Teilnehmer Schalke 04.

„Unter anderem, weil um uns herum so viel passiert, ist es wichtig, den Fokus auf das Wesentliche zu legen“, ergänzte Heldt, den die vereinspolitischen Probleme schon in der vergangenen Saison belastet haben. „Es ist kein Thema in der Kabine, und wir wollen auch nicht, dass es thematisiert wird“, sagte der 48-Jährige nun.



Der Streit um die Übernahmepläne von Präsident Martin Kind hatte am Donnerstag seinen nächsten Höhepunkt erreicht. Drei Vertreter der Fanvereinigung „IG Pro Verein 1896“ legten dem Vereinsvorstand die Unterschriften von 1310 Mitgliedern vor, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung erreichen wollen. Das Ziel dabei ist klar: Die Kind-Gegner wollen möglichst schnell den Einfluss des mächtigen Unternehmers schmälern und mehr Übernahmegegner in den Aufsichtsrat wählen.

Kind unternimmt unterdessen alles, um die Macht der Investoren im Klub zu vergrößern. Nach dem abgelehnten Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von der Investorenregel 50+1 zog er weiter zum Ständigen Schiedsgerichts für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen. Eine Entscheidung steht noch aus. Zusätzlich aufgebracht hatte Kind seine Gegner zuletzt mit einer Satzungsänderung. Kritiker sehen durch den Schritt sogar die Bundesliga-Lizenz gefährdet.

Das alles sorgt für mächtig Getöse kurz nach der 0:2-Niederlage der 96er im Pokal gegen den VfL Wolfsburg, die Verantwortliche wie Profis enorm frustriert zurückgelassen hatte. Seit Wochen betreibt die Mannschaft einen enormen Aufwand und kann auch stets auf positive Ansätze verweisen. Doch die sportliche Zwischenbilanz mit dem Relegationsrang in der Liga und dem Aus im Pokal ist ernüchternd. Dramatisch sei die Situation zwar noch nicht, sagte Heldt. Doch man dürfe sich auch „nicht in die eigene Tasche lügen“.

Trainer Breitenreiter betonte indes, dass er seinen Profis in Einzelgesprächen weiter „Überzeugung, Vertrauen und Glauben“ vermittle, um schon auf Schalke wieder zu punkten: „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren.“