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Handball-WM
Wiedersehen mit Ex-Trainer Sigurdsson

Mit Trainer Dagur Sigurdsson (Mitte) gewannen die DHB-Handballer die EM 2016 in Krakau.
Mit Trainer Dagur Sigurdsson (Mitte) gewannen die DHB-Handballer die EM 2016 in Krakau. FOTO: dpa / Stanislaw Rozpedzik
Tokushima. Nach der verpatzten EM hoffen Deutschlands Handballer auf Besserung vor der Heim-WM. Die Auswahl von Trainer Christian Prokop übt nun in Japan gegen die neue Mannschaft ihres Ex-Coachs. Bei der Fernost-Reise geht es aber auch um Teambuilding.

() Wenn Dagur Sigurdsson über das Wiedersehen mit seinen Europameistern spricht, geht dem sonst so wortkargen Isländer das Herz auf. „Ich freue mich wahnsinnig auf die Jungs. Ich habe sie ja schon lange nicht mehr gesehen“, sagte der Ex-Bundestrainer vor den Duellen mit Japans Handballern gegen sein früheres Team.

Sigurdsson, der die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) 2016 sensationell zum EM-Titel und anschließend zu Olympia-Bronze geführt hatte, kann seine Emotionen vor dem Rendezvous mit seiner Vergangenheit nicht gänzlich verbergen. „Speziell“ freue er sich auf die Spieler, mit denen er zusammengearbeitet hat. „Da kommt ein gutes Gefühl auf“, sagte mit Blick auf die Testspiele heute (11.30 Uhr deutscher Zeit) in Tokushima und Samstag (8.00 Uhr) in der Olympiastadt Tokio.

Sicherlich kommen spätestens beim Anpfiff heute dann auch die Erinnerungen an den überraschenden Abgang im Frühjahr 2017 hoch. Anstatt das deutsche Team auf die Gold-Mission bei den Olympischen Spielen 2020 vorzubereiten, heuerte Sigurdsson nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM in Frankreich beim japanischen Team an, um es für die Sommerspiele fit zu machen.



Für die deutsche Mannschaft von Sigurdsson-Nachfolger Christian Prokop steht beim Asien-Trip das Teambuilding an erster Stelle. Auch wenn Prokop vor den Spielen gegen die international bestenfalls zweitklassigen Asiaten versichert: „Wir freuen uns auf das Spiel gegen die japanische Mannschaft. Sie sind trickreich und haben viele wendige Spieler in ihren Reihen.“ Man wolle sich vor den japanischen Fans „gut präsentieren und mit Blick auf die WM 2019 unser Spiel weiterentwickeln“.

Während die Duelle für das DHB-Team einen sportlich überschaubaren Wert haben, sind sie für den kommenden Olympia-Gastgeber ein echter Höhepunkt. „Für die Spieler ist es sehr besonders, sie freuen sich sehr auf die großen Stars aus der Bundesliga. Aber ich hoffe, dass sie nicht allzu höflich spielen“, sagte Sigurdsson und sprach von einer „sehr großen Bedeutung“ für sein Team.

Die Prioritäten haben sich verschoben beim 45-Jährigen. Statt um Titel und Triumphe geht es plötzlich um die Basics. Bei der WM 2019 in Deutschland und Dänemark ist Japan nur dank einer IHF-Wildcard dabei, bei den Sommerspielen 2020 wird es für den einstmals vom Ehrgeiz getriebenen Sigurdsson wohl kaum um die Medaillen gehen – dabei war der Plan noch vor zwei Jahren ein vollkommen anderer.

„Diese Reise war eine alte Idee von mir und Bob Hanning, als ich noch Bundestrainer war“, erzählt Sigurdsson: „Als wir das Ziel Olympia 2020 ausgegeben hatten, wollten wir eine Reise nach Japan machen, um die Atmosphäre zu schnuppern und uns auf die Gegebenheiten vorbereiten, um uns besser auf Olympia vorzubereiten.“ Angepeiltes Ziel von Sigurdsson und Hanning war damals die Goldmedaille.

Die ist zumindest für Sigurdsson in weiter Ferne. Bei der Asienmeisterschaft im Januar wurde Japan gerade mal Sechster.

(SID)