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Titeltraum geplatzt
Handballer scheitern im WM-Halbfinale

 Deutschlands Uwe Gensheimer (rechts) im Zweikampf gegen Norwegens Sander Sagosen.
Deutschlands Uwe Gensheimer (rechts) im Zweikampf gegen Norwegens Sander Sagosen. FOTO: dpa / Axel Heimken
Hamburg. Nach der verlorenen Partie gegen Norwegen müssen die deutschen Handballer am Sonntag im Kampf um Platz drei bei der Heim-WM gegen Rekord-Weltmeister Frankreich ran.

Der Titeltraum ist geplatzt, das Wintermärchen bleibt ohne goldenes Happy End: Die deutschen Handballer unterlagen in einer Nervenschlacht Norwegen im WM-Halbfinale in Hamburg 25:31 (12:14) und kämpfen am Sonntag (14.30 Uhr/ZDF) im Spiel um Platz drei gegen Rekord-Weltmeister Frankreich um die erste WM-Medaille seit dem legendären Goldcoup 2007.

„Wir sind gerade alle sehr enttäuscht. Wir haben uns das ganz anders vorgestellt“, sagte Paul Drux in der ARD: „Das sind einfach zu viele Gegentore gewesen und Norwegen hat das cleverer gespielt.“

Bester Werfer bei der ersten Turnierniederlage der Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop war Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Toren. Der starke Fabian Böhm erzielte sechs Treffer, doch die Angriffsleistung war insgesamt zu schwach. Unmittelbar nach der Begegnung reiste der dreimalige Weltmeister mit dem Bus in das 350 km entfernte Herning. Im Finale (17.30 Uhr/Eurosport) spielen Co-Gastgeber Dänemark und Vize-Weltmeister Norwegen um ihren ersten WM-Titel. Olympiasieger Dänemark hatte im ersten Halbfinale Titelverteidiger Frankreich beim 38:30 (21:15) entzaubert.



Vor der Neuauflage des EM-Halbfinalkrimis von 2016 (34:33 n.V.) erhielt das DHB-Team prominente Unterstützung. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Fußball-Bundestrainer Joachim Löw wünschten per Grußbotschaft viel Glück und Erfolg. Auch unter die 12.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena am Volkspark hatte sich viel Prominenz gemischt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fieberte ebenso mit wie Handball-Ikone Heiner Brand und DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Sie alle sahen eine von Beginn an hektische und vom Kampf geprägte Partie. Das DHB-Team tat sich aus dem Positionsangriff heraus schwer, die mit zahlreichen Bundesliga-Legionären angetretenen Norweger erwiesen sich als die bisher härteste Prüfung in diesem Turnier.

Die deutsche Abwehr stemmte sich den „Wikingern“ mit ihrem spielstarken Topstar Sander Sagosen aber entgegen. Die Partie blieb daher zunächst ausgeglichen, die Führung wechselte ständig. Prokop nahm beim Stand von 7:8 (19.) den glücklosen Torhüter Andreas Wolff vom Feld und brachte Silvio Heinevetter. Wolff war nicht gerade begeistert, Teammanager Oliver Roggisch tröstete den Kieler.

Die Begegnung wurde immer umkämpfter und die kleinlich pfeifenden Schiedsrichter aus Tschechien verhängten munter Zeitstrafen. Die flinken Norweger kamen damit besser zurecht und gingen beim 10:13 (26.) erstmals mit drei Toren in Führung. „Das ist ein riesiger Kampf. Es ist aber noch alles möglich für Deutschland. Sie müssen aber cleverer sein“, sagte der ehemalige Bundestrainer Dagur Sigurdsson in der Halbzeitpause in der ARD. Roggisch forderte derweil, „mutiger vorne zu sein“.

Prokop, der die Zuschauer beim Gang in die Kabine noch einmal zu noch mehr Unterstützung animierte, brachte Wolff zu Beginn des zweiten Durchgangs wieder zurück ins Tor. Doch die Maßnahme war nicht von Erfolg gekrönt. Norwegen setzte sich auf 15:19 ab (37.). Wolff tobte, Prokop nahm eine Auszeit. „Wir sind nicht auf dem Level“, sagte der Bundestrainer: „Aber wir haben noch 20 Minuten Zeit.“

Sein Team kämpfte, wurde aber in der 44. Minute personell geschwächt. Abwehr-Ass Hendrik Pekeler sah nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte. Im Angriff tat sich die DHB-Auswahl zudem weiter schwer, Lösungen zu finden. Das bisher so starke deutsche Abwehr-Bollwerk offenbarte die ein oder andere Lücke. Die Folge war ein 22:26-Rückstand in der 53. Minute. Böhm stemmte sich gegen die Niederlage, das DHB-Team verkürzte auf 25:27 (57.). Doch am Ende jubelten die Norweger.

Das erste Halbfinale wurde zur großen Show von Mikkel Hansen. Der furios aufspielende Teamkollege von Gensheimer bei Paris St. Germain erzielte zwölf Treffer und war von den Franzosen nie zu kontrollieren.