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Terminstreit im Handball
„So machen wir unseren Sport kaputt“

Mannheim. Die Rhein-Neckar Löwen setzen im Terminstreit ein Zeichen und spielen mit der zweiten Mannschaft in der Champions League.

Löwen-Vorschlag abgelehnt, Lösung außer Reichweite: Im Terminstreit um das Champions-League-Spiel der Rhein-Neckar Löwen bleibt die Europäische Handball-Föderation (EHF) hart. Weil der kontinentale Dachverband ein Kompromissangebot des deutschen Meisters am Freitag abschmetterte, ist der Traum des Bundesliga-Tabellenführers auf einen Triumph in der Königsklasse 2018 endgültig dahin.

„So machen wir unseren Sport kaputt“, schimpfte Löwen-Kapitän Andy Schmid. Zu gern hätte der geniale Spielmacher nach zwei Meistertiteln hintereinander in diesem Jahr auch um die Trophäe in der Champions League gespielt. Doch daraus wird nichts. Eine Verlegung des Achtelfinal-Hinspiels bei KS Kielce vom 24. auf den 25. März lehnte die Europäische Handball-Föderation ab. Die Partie werden die Löwen nun mit ihrer zweiten Mannschaft (3. Liga) bestreiten. „Wir glauben, dass Sponsoren, Fans und Mannschaft hinter der Entscheidung stehen“, sagte Teammanager Oliver Roggisch: „Wir haben lange vieles mit uns machen lassen. Irgendwann mussten wir ein Zeichen setzen. Jetzt war ein Punkt erreicht, auch mal Nein zu sagen.“

Seine Entscheidung begründete die Europäische Handball-Föderation in einer Mitteilung am Freitag mit der Rücksicht auf die „Gesundheit der Spieler“ angesichts von zwei Spielen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Noch im November habe es seitens der Löwen-Verantwortlichen für eine solche Ansetzung „heftige Kritik an der EHF“ gegeben. Damals hatte der Meister wegen schlechter Absprache von Handball-Bundesliga und Europäischer Handball-Föderation zwei Spiele innerhalb von 25 Stunden absolvieren müssen. Einen solchen Fall will die EHF nun unter allen Umständen verhindern.



Nachdem die Löwen am vergangenen Mittwoch einen von der Europäische Handball-Föderation angebotenen Tausch des Heimrechts abgelehnt hatten, galt der Vorschlag auf eine Spielverlegung als letzte Chance, die Termin-Problematik zu lösen. Denn: Die Profis treten zeitgleich zum Bundesliga-Topspiel beim THW Kiel an. Die Partie in Kiel hat für die Löwen und die Liga (HBL) höchste Priorität. Dieses wird live in der ARD übertragen und verspricht wegen der fehlenden Konkurrenz durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote.

Allerdings erfolgte die Ansetzung durch die HBL ohne Rücksicht auf die Champions League. Sie aber gilt in vielen europäischen Ländern als TV-Premiumprodukt, weshalb die Vereine ihre Heimspiele immer am Wochenende austragen wollen. Und so ist auch die Haltung der Europäische Handball-Föderation  nachvollziehbar. Am Ende der Termin-Posse ist aber vor allem der Handball der große Verlierer.