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Handball-Champions-League
Paris macht Kiel nass, Flensburg gewinnt

Kiel. Die deutschen Handball-Bundesligisten präsentieren sich in der Champions League mit Licht und Schatten.

() Arbeitssieg für Flensburg, Fehlstart für Kiel, die Löwen retteten ein Remis gegen Barcelona: Handball-Rekordmeister THW Kiel hat zum Auftakt der Champions League einen weiteren Dämpfer einstecken müssen. Während die SG Flensburg-Handewitt den dänischen Meister Aalborg Handbold 30:27 bezwang, unterlag die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason dem Titelfavoriten Paris St. Germain in eigener Halle mit 22:25 (10:12). Für den THW war es wettbewerbsübergreifend bereits die dritte Niederlage der Saison.

Bester Torschütze der Kieler, die den Königsklassen-Titel zuletzt 2012 gewonnen hatten, war Marko Vujin mit fünf Treffern. Für die französische Weltauswahl traf Sander Sagosen sechs Mal, zudem erzielten Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer und Superstar Mikkel Hansen je fünf Tore.

Kiel fand vor 10 000 Zuschauern in der nahezu ausverkauften Arena zunächst kein Mittel gegen die knüppelharte Pariser Abwehr um die beiden Karabatic-Brüder Nikola und Luka im Mittelblock. Zudem scheiterten die THW-Angreifer immer wieder freistehend am Gäste-Keeper Rodrigo Corales, so dass der erste Kieler Treffer bis zur zehnten Minute auf sich warten ließ.



Auch danach diktierte das vom Ex-Kieler Noka Serdarusic betreute Team Spieltempo und Rhythmus. Als Gensheimer nach 25 Minuten zum 12:7 für die Gäste traf, drohte dem Champion von 2007, 2010 und 2012 sogar ein Debakel. Auch ein Zwischenspurt und etliche Paraden von Keeper Niklas Landin änderten nichts an der Pariser Dominanz. Drei Gensheimer-Tore hintereinander zum 17:12 (37.) sorgten für klare Verhältnisse. So sehr sich die Kieler auch mühten, näher als auf drei Treffer kamen sie nicht mehr heran. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, um den Pariser Sieg gefährden zu können“, sagte Kiels Trainer Alfred Gislason nach dem Spiel, „man muss anerkennen, dass Paris momentan nicht ganz unsere Kragenweite ist.“

Die Rhein-Neckar Löwen erlebten gegen Barcelona eine Berg- und Talfahrt. Aus dem klaren 12:18-Rückstand zur Pause machte das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen nach der Pause ein 23:23. Auch das 28:30 drei Minuten vor Schluss warf die Gastgeber nicht aus der Bahn, Patrick Groetzki traf zwei Sekunden vor der Schlusssirene zum umjubelten Ausgleich. „Wir können mit dem Punkt leben, wenn man bedenkt, dass wir fast die komplette Zeit über in Rückstand waren“, sagte Jacobsen.

Flensburg durchlebte keine 48–Stunden nach dem Liga-Heimspiel gegen den HC Erlangen (29:21) nach zunächst klarer Führung zum Ende der ersten Spielhälfte hin eine Schwächephase, lag Anfang der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich sogar mit vier Toren zurück. Angeführt vom starken Torhüter Rasmus Lind und dem Top-Torschützen Holger Glandorf (acht Treffer) kamen die Norddeutschen, 2014 letzter deutscher Champions-League-Sieger, letztlich aber doch noch zum wichtigen Auftakterfolg. „Ich bin zufrieden mit den beiden Punkten, hatte persönlich aber mehr von mir und Teilen der Mannschaft erwartet“, sagte SG-Kapitän Tobias Karlsson. „Respekt vor Aalborg, aber wir können es besser.“ Flensburgs Trainer Maik Machulla sparte trotz des Erfolgs nicht mit kritischen Worten und sagte: „Man merkte, dass viele Spieler noch vom Donnerstag müde waren. In einer solchen Situation hätte ich mir erhofft, dass das Team mehr zusammenrückt.“

Zur bevorstehenden Königsklassen-Reform, nach der die Eliteklasse ab 2019 in Form einer eingleisigen Europaliga mit zwölf Teams ausgespielt wird, hielten sich die Verantwortlichen des europäischen Dachverbandes EHF am Wochenende unterdessen bedeckt. „Kein Kommentar“, hieß es am Rande eines EHF-Termins unmittelbar vor dem Kiel-Spiel auf Nachfrage. „Es wird sicher Veränderungen in der Champions League geben“, erklärte Kiels Manager Thorsten Storm bei Sky, „aber die sind noch nicht ausgereift.“ In der Bundesliga sei jedenfalls „längst der Grad der Überbelastung erreicht“.