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Keeper, Abwehr, Emotionen
Handball-EM: Was bei den Deutschen besser werden muss

 Die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei eienr Trainingseinheit. Foto: Sascha Klahn/dpa
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei eienr Trainingseinheit. Foto: Sascha Klahn/dpa
Wien. Die deutschen Handballer stehen gegen Weißrussland vor einem Schlüsselspiel. Geht es verloren, rückt das angestrebte Ziel bereits früh in weite Ferne. Damit das nicht passiert, müssen sich vor allem drei Dinge ändern. dpa

Kabinen-DJ Timo Kastening dachte am Abend vor dem richtungsweisenden Spiel der deutschen Handballer gegen Weißrussland über eine neue Playlist nach. Das macht der Rechtsaußen der TSV Hannover-Burgdorf eigentlich vor jedem EM-Spiel der Nationalmannschaft.

Vor der ersten Hauptrundenpartie am Abend (20.30 Uhr/ARD) in Wien gegen Weißrussland braucht die DHB-Auswahl aber eine ganz besondere Motivation. Denn eine Niederlage würde den Traum vom Halbfinale früh im Turnier in ganz weite Ferne rücken. Um gegen die Weißrussen zu bestehen, muss das Team von Bundestrainer Christian Prokop sich vor allem in drei Bereichen steigern.

EMOTIONEN UND VERANTWORTUNG: Einen sogenannten emotionalen Leader hat die deutsche Mannschaft bei der EM bislang nicht. DHB-Vizepräsident Bob Hanning bemängelte zuletzt, dass es gerade bei der heftigen Niederlage gegen Spanien niemanden gegeben habe, der in den kritischen Situationen des Spiels die Verantwortung übernommen habe. Nach dem Zittersieg gegen Lettland versammelte Prokop seine Mannschaft noch am späten Abend im Teamhotel in Trondheim.



Dabei sprachen dann auch die Routiniers Uwe Gensheimer und Johannes Bitter zur Mannschaft. Das reichte Prokop aber nicht. „Christian hat klar kommuniziert und gesagt, dass nicht immer dieselben Spieler zur Mannschaft sprechen sollen“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn. Der Coach will, dass mehr Spieler Verantwortung übernehmen.

DIE TORHÜTER: Andreas Wolff und Bitter sind bislang nicht der erhoffte gewinnbringende Faktor. Bitter hat bislang lediglich eine Quote von 24 Prozent, was die abgewehrten Würfe angeht, Wolff kommt auf 25 Prozent. Das sind Werte, die nicht das eigentliche Leistungsvermögen der beiden Keeper wiedergeben. „Wenn wir das abrufen, was wir können, dann sind wir deutlich besser als Weißrussland“, sagte Rückraumspieler Julius Kühn. Das gilt vor allem für die beiden Keeper. „Wir brauchen jetzt auch die überragende Leistung der Torhüter“, forderte Hanning.

DIE ABWEHR: „Abwehrarbeit ist zu großen Prozentteilen auch reine Emotion und Willenssache“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer vor dem Start in die Hauptrunde. Genau das hat die beiden Abwehrchefs Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek bei der teils begeisternden Heim-WM vor einem Jahr ausgezeichnet. Für beide gilt aber bisher ähnliches wie für Wolff und Bitter: Noch rufen sie ihr unbestrittenes Können nicht ab.