| 22:57 Uhr

WM der Frauen
DHB-Team gewinnt auch zweites Spiel

 Deutschlands Handballerinnen Friederike Gubernatis (links) und Julia Behnke freuen sich nach dem 23:18 gegen Südkorea über den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel.
Deutschlands Handballerinnen Friederike Gubernatis (links) und Julia Behnke freuen sich nach dem 23:18 gegen Südkorea über den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Leipzig. Die deutschen Handballerinnen sind nach der Verletzung von Kim Naidzinavicius zusammengerückt. Der Ausfall wog gegen Südkorea zwar schwer, am Ende aber setzte sich das deutsche Team aber gegen die Asiatinnen mit 23:18 durch.

(sid) Zweites Spiel, zweiter Sieg. Die deutschen Handballerinnen haben ihren ersten Härtetest bei der Heim-WM mit Bravour bestanden. Die Mannschaft von Bundestrainer Michael Biegler besiegte Asienmeister Südkorea gestern Abend in Leipzig mit 23:18 (11:10) und liegt damit als Zweiter der Gruppe D klar auf Achtelfinalkurs. Beste Werferin der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) war die herausragende Friederike Gubernatis mit sieben Toren. Mit einem weiteren Sieg am Dienstag (18 Uhr/Sport1) gegen den punktgleichen Tabellenführer Serbien hätte der EM-Sechste die K.o.-Runde vorzeitig erreicht.

„Hut ab vor den Ladies. Nach zerfahrenem Beginn hat sich das Team regelrecht in die Partie gebissen und sich den Sieg mit viel Leidenschaft und Emotionen verdient. Wir können uns auf die nächsten Auftritte freuen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Am Samstag, einen Tag nach dem Verletzungsdrama um Rückraum-Ass Kim Naidzinavicius, war die Angriffslust der deutschen Handballerinnen zurückgekehrt. „Die Zielsetzung bleibt gleich. Das haben wir mannschaftsintern besprochen“, sagte Kapitänin Anna Loerper. Und auch Bundestrainer Michael Biegler dachte trotz des ungeheuren Verletzungspechs bei seinen „Ladies“ nicht daran, sich „ins Bockshorn jagen zu lassen. Wir lassen uns nicht entmutigen und werden einen neuen Drive finden. Wir wollen an dem festhalten, wofür wir 20 Monate lang gearbeitet haben.“



Leichter wurde die deutsche Medaillen-Mission bei der Heim-WM nach dem Kreuzbandriss von Naidzinavicius allerdings nicht, die großen Ziele schienen ernsthaft in Gefahr. Kurz vor Mitternacht war Bieglers böse Vorahnung Realität geworden, die Nachricht aus dem Krankenhaus überlagerte die Freude über den lockeren Auftaktsieg gegen Kamerun (28:15). Naidzinavicius, die nach 140 Sekunden des Eröffnungsspiels vom Feld getragen werden musste, wird nach einem verhängnisvollen Zusammenprall über Monate keinen Handball spielen können.

„Ich bin tieftraurig, dass die WM für mich so schnell beendet ist“, ließ die Rückraumspielerin der SG Bietigheim am Samstag ausrichten: „Jetzt wünsche ich dem gesamten Team alle Kraft, um weiter erfolgreich durch das Turnier gehen zu können.“ Mittags verließ sie auf Krücken das Mannschafts-Hotel.

Der Ausfall von Naidzinavicius bringt die Tektonik des deutschen Spiels gehörig durcheinander. In der Abwehr war die 26-Jährige gesetzt, ihre leichten Tore werden der deutschen Mannschaft zudem im Angriff fehlen. Der Ausfall von Naidzinavicius ist bei weitem nicht die einzige personelle Baustelle im deutschen Team. Denn auch Ausnahmetalent Emily Bölk musste wegen ihrer Fußverletzung gestern Abend gegen Südkorea passen,  die beiden Rückraumspielerinnen Nadja Mansson (Finger ausgekugelt) und Xenia Smits (Fingerbruch) sind weiterhin angeschlagen. Anne Hubinger hatte nach ihrer schweren Sprunggelenksverletzung schon vor dem Turnier passen müssen.

Entsprechend kamen die Gastgeberinnen gestern Abend zunächst überhaupt nicht ins Spiel. Die deutsche Deckung ließ die notwendige Aggressivität vermissen und hatte mit den flinken Südkoreanerinnen erhebliche Mühe. 

Torhüterin Clara Woltering bekam zudem vor 5794 Zuschauern keinen Ball zu fassen. Die Folge war ein 5:8-Rückstand (13.). Biegler reagierte und schickte Katja Kramarczyk ins Tor, und seine Ladies steigerten sich. Bis zur Pause ließ die DHB-Auswahl nur noch zwei Tore per Siebenmeter zu und blieb insgesamt 20 Minuten ohne Gegentreffer aus dem Feld.

Das deutsche Angriffsspiel war ohne das Ausnahmetalent Emily Bölk  zwar nicht fehlerfrei, doch auch hier steigerte sich die DHB-Auswahl mit der guten Friederike Gubernatis im Verlauf der ersten Halbzeit. Kreisläuferin Julia Behnke glich zunächst aus (9:9/25.) und sorgte zwei Minuten später für die erste deutsche Führung gegen die Südkoreanerinnen.

Biegler verfolgte das Spiel seiner Mannschaft gewohnt emotional an der Seitenlinie. Der Bundestrainer sagte immer wieder Spielzüge an, wirkte aber auch beruhigend auf seine Spielerinnen ein. Svenja Huber sorgte per Tempogegenstoß für die erste Zwei-Tore-Führung (14:12/39.). Im Tor war weiter auf die starke Ex-Leipzigerin Kramarczyk Verlass, so setzte sich das DHB-Team vorentscheidend auf 19:15 (48.) ab. Bölk befindet sich derweil weiter in der Warteschleife. „Sie wird alle Zeit der Welt bekommen. Wir haben da eine Verantwortung für ihren weiteren Karriereweg. Ich schicke keine Spielerin aufs Feld, wo es kein Mensch verantworten kann", sagte Biegler.

(SID)