| 23:29 Uhr

Handball-Europapokal
Ausgepfiffen, aber erfolgreich

Petr Stochl (vorne) hält den Pokal in die Höhe, seine Kollegen jubeln. Die Füchse Berlin gewinnen beim Final Four in Magdeburg den EHF-Cup.
Petr Stochl (vorne) hält den Pokal in die Höhe, seine Kollegen jubeln. Die Füchse Berlin gewinnen beim Final Four in Magdeburg den EHF-Cup. FOTO: dpa / Jan Kuppert
Magdeburg. Füchse Berlin gewinnen den EHF-Cup unter ungewöhnlichen Voraussetzungen.

Jeder Torwurf wurde gnadenlos ausgepfiffen – jeder Treffer des Gegners bejubelt: Die Füchse Berlin erlebten beim Final Four des EHF-Pokals in Magdeburg einen wahren Spießrutenlauf. Dennoch gewannen die Berliner am Ende zum zweiten Mal nach 2015 den kleinen Europapokal.

„Das war erschreckend“, schimpfte Berlins Manager Bob Hanning über die Zuschauer. „Das war keine Werbung für den Standort Magdeburg trotz guter Organisation. Die haben sich selber für weitere Turniere disqualifiziert“, wetterte Hanning nach dem 28:25 (14:13) im Finale über Saint Raphaël aus Frankreich.

Trotz des Pfeifkonzerts in der Halle des Rivalen ließen sich die Füchse die Europapokal-Party nicht vermiesen. Nach dem Triumph ging es direkt nach Berlin. In einer Heavy-Metal-Kneipe wurde mit Karaoke die Nacht zum Tage gemacht. „Das war mal etwas anderes. Ich weiß gar nicht, ob schon alle zu Hause sind“, sagte Hanning gestern Mittag.



Magdeburgs Publikum war wohl auch deshalb sauer, weil die eigene Mannschaft die großen Erwartungen nicht erfüllen konnte und das Finale am Samstag durch ein überraschendes 27:28 gegen Saint Raphaël verpasst hatte. Immerhin wurden die Gastgeber am Ende durch ein 35:25 im kleinen Finale gegen Frisch Auf Göppingen um den Saarlouiser Daniel Fontaine, EHF-Cup-Sieger 2016 und 2017, Dritter.

„Wir haben die negative Stimmung in positive Energie umgemünzt“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic nach dem Triumph. Präsident Frank Steffel will Magdeburg in Zukunft als Austragungsort im Europacup zwar nicht ablehnen, meinte aber auch: „Wenn es einem die Halle so schwer macht, ist der Sieg am Ende besonders schön.“

Berlin zeigte sich im Finale nur in der Anfangsphase (0:3) vom Lärm irritiert, bekam das Spiel dank eines starken Rückraums um Nationalspieler Paul Drux aber immer besser in den Griff. Mattias Zachrisson (9 Tore), Hans Lindberg (6) und Drux (6) waren die besten Schützen. „Es war ein geiles Spiel. Dass wir am Ende so einen Krimi gewinnen, ist super“, sagte Drux nach einer enormen Kraftanstrengung. In sieben Tagen bestritten die Berliner vier Spiele und gewannen alle, in der Liga gegen Hannover und die Rhein-Neckar Löwen und im Final Four gegen Göppingen und Saint Raphaël. „Jetzt hoffen wir, dass wir in der Liga unsere letzten beiden Heimspiele gewinnen. Dann sind wir zumindest Dritter und haben nach dem Gewinn des EHF-Cups gute Chancen auf eine Wildcard für die Champions League“, sagte Steffel.