| 22:38 Uhr

Handball
Abwehr stabil, Angriff noch zu schwach

Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter zeigte in den beiden Länderspielen gegen Spanien – in Magdeburg und in Berlin – starke Leistungen.
Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter zeigte in den beiden Länderspielen gegen Spanien – in Magdeburg und in Berlin – starke Leistungen. FOTO: Gregor Fischer / dpa
Berlin. Die deutschen Handballer haben in den Testspielen gegen Spanien einen Sieg gefeiert und eine Niederlage kassiert.

Tor-Party zum Jubiläum: Die deutschen Handballer haben elf Wochen vor dem EM-Auftakt ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop besiegte Vize-Europameister Spanien am Sonntag in Berlin mit 28:24 (16:9) und zeigte damit am Tag des 100-jährigen Bestehens des Handballs die passende Reaktion auf die Niederlage vom Vortag (24:26). Mit der vor allem in der ersten Hälfte bärenstarken Leistung rehabilitierte sich das deutsche Team für den ernüchternden Auftritt 24 Stunden zuvor. Denn vor allem in der Abwehr zeigte sich der Europameister stark verbessert und nährte die Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier in Kroatien (12. bis 28. Januar 2018).

„Nach der Partie am Samstag war Wiedergutmachung angesagt, und das haben wir von Anfang bis Ende gezeigt“, sagte der überragende Torhüter Silvio Heinevetter nach einer „extrem harten“ Lehrgangswoche. Bundestrainer Prokop war einfach nur froh, „einiges besser“ gemacht zu haben. Die Woche sei sehr aufschlussreich gewesen. Er habe mit Blick auf die EM „viele Erkenntnisse sammeln können“. Auffälligster Akteur in der Berliner Schmeling-Halle war Heinevetter, der die spanischen Schützen reihenweise zur Verzweiflung brachte. Zudem zeigte sich Kapitän Uwe Gensheimer mit acht Toren bei neun Versuchen treffsicher.

Der wohl beste Linksaußen der Welt räumte nach sieben frühen Toren in der 23. Minute seinen Platz für Yves Kunkel, der bis zum Schluss auf dem Feld blieb. Kunkel steuerte zwei Tore zum Erfolg bei, wirkte sehr agil und zeigte vor allem in der Abwehr eine aufmerksame und hochkonzentrierte Leistung. Im Spiel am Samstag war er in der 47. Minute eingewechselt worden und hatte das Tor zum zwischenzeitlichen 21:23 erzielt.



„Das kommt dem nahe, was ich mir von der Mannschaft wünsche“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning über die erste Hälfte am Sonntag, in der die DHB-Auswahl immer wieder mit schnellen Gegenstößen zum Erfolg kam. Er wollte die Ergebnisse aus der Neuauflage des EM-Finals (damals 24:17) aber nicht überbewerten. „Wir sind in der Testphase, da sind die Ergebnisse irrelevant“, sagte Hanning.

Prokop, der die Spiele vor allem zur Sichtung für seinen EM-Kader nutzte, dürfte am Wochenende viel mitgenommen haben. Denn während seine Torhüter Heinevetter am Sonntag und Andreas Wolff am Samstag ihre EM-Tauglichkeit eindrucksvoll unter Beweis stellten, offenbarte der Angriff noch viel Luft nach oben. Vor allem am Samstag tat sich das DHB-Team im Abschluss schwer und leistete sich viel zu viele technische Fehler, die Spanien eiskalt mit Kontern bestrafte. Gegen die bewegliche 5:1-Abwehr des Gegners fand die deutsche Mannschaft einfach kein Mittel.

Besser hatten es am Samstag die Frauen von Bundestrainer Michael Biegler gemacht, die einen Monat vor der WM im eigenen Land bereits auf Betriebstemperatur zu sein scheinen. Der überraschende 23:18-Sieg gegen die hoch gehandelten Niederländer gibt dem EM-Sechsten Deutschland Rückenwind, am Sonntag gab es gar ein 36:26.

Auch außerhalb des Feldes blickt der DHB auf ein ereignisreiches Wochenende zurück. Neben der rauschenden 100-Jahr-Feier mit vielen ehemaligen und aktuellen Handballgrößen am Sonntagvormittag wurden in der Hauptstadt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Die Delegierten beschlossen das Maßnahmenpaket „Perspektive 2020+“ mit großer Mehrheit, wodurch die Professionalisierung des Verbandes weiter vorangetrieben werden soll. Die Reform sieht einen hauptamtlichen Vorstand unter dem Vorsitz des bisherigen Generalsekretärs Mark Schober vor. Zudem wurde das Präsidium um Vorstandsboss Andreas Michelmann für vier Jahre im Amt bestätigt.