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Handball-WM der Frauen
Traumstart auch dank japanischer Fans

Yamaga. Deutsche Handballfrauen mit der Zweibrückerin Amelie Berger beginnen die WM mit zwei Siegen. Jetzt wartet Dänemark. sid

Nach ihrem perfekten WM-Start posierten die deutschen Handballerinnen freudestrahlend für das Siegerfoto und feierten mit den lautstarken japanischen Fans. Das zweite Spiel, der zweite Sieg: Mit dem eindeutigen 34:8 (16:4) gegen Außenseiter Australien befeuerten Amelie Berger und Co. die Euphorie auf ihrer kniffligen Olympia-Mission. Die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener nimmt klar Kurs auf die Hauptrunde.

„Dass wir heute gewinnen würden, war von vornherein klar“, sagte Groener nach dem mühelosen Erfolg am Sonntag. Aber: „Die Präsenz der Mannschaft war sehr gut. Das ist nicht selbstverständlich, weil man so ein Spiel auch mal auf die leichte Schulter nehmen könnte.“ Die beste deutsche Werferin Antje Lauenroth (sechs Tore) äußerte sich „absolut zufrieden“ über den Auftritt gegen die kleinen Australierinnen: „Wir haben sie unter zehn Toren gehalten, das ist nah am Optimum.“

Das Groener-Team überzeugte defensiv wie schon beim Auftakterfolg gegen Panamerikameister Brasilien (30:24), bei dem am Samstag Torhüterin Dinah Eckerle über sich hinausgewachsen war. Lediglich acht Gegentore in einem WM-Spiel hatte sich Deutschland zuletzt beim 30:8 gegen Angola 1993 eingefangen. Damals wurde das DHB-Team am Ende Weltmeister. „Ich bin stolz und froh, dass wir das über 60 Minuten konsequent gelöst haben“, sagte Russland-Legionärin Julia Behnke.



Trumpf im Yamaga City Overall Gymnasium waren auch die 1450 überwiegend japanischen Zuschauer, die klar Sympathien für die deutsche Mannschaft hegten. Vor dem Spiel sangen sie textsicher und lautstark die Nationalhymne mit. „Ich finde es mega geil. Das ist dann schon eine ganz andere Stimmung“, sagte Lauenroth. Für Linksaußen Ina Großmann hatten die ersten Spiele „Heimspielatmosphäre“.

Gegen Australien leistete sich Deutschland zunächst einige Ungenauigkeiten und Fehlwürfe. Nach der Pause war die Konzentration aber deutlich höher und der Vorsprung gegen den völlig überforderten Gegner wuchs nach und nach an. Groener wechselte durch, sodass alle Spielerinnen des 17-köpfigen Kaders bereits Spielzeit erhalten haben.

Deutlich wertvoller einzuordnen war der Erfolg am Vortag gegen Brasilien, das am Sonntag dem Mitfavorit Frankreich immerhin ein 19:19 abrang. Sowohl die Deckung um die überragende Torfrau Eckerle (17 Paraden, darunter drei Siebenmeter) als auch das schnelle Umschaltspiel überzeugten. Sieben von acht Gegenstößen führten zu Treffern. Die Zweibrückerin Amelie Berger sorgte mit zwei Toren (insgesamt drei) binnen zwei Minuten dafür, dass Deutschland sich in der zweiten Halbzeit vorentscheidend auf 20:14 absetzen konnte. „Es war einfach geil. Wir sind alle erleichtert und nehmen das gute Gefühl mit“, sagte WM-Debütantin Berger. Auch gegen Australien trug sie sich einmal in die Torschützenliste ein.

„Dass wir mit sechs Toren gegen Brasilien gewinnen, hat man im Vorhinein nicht unbedingt erwartet“, sagte Groener, der den Blick in der schweren Vorrundengruppe aber schon nach vorne richtete. Am Dienstag (12.30 Uhr/sportdeutschland.tv) ist Handball-Schwergewicht Dänemark der Gegner. Anschließend warten noch der schwach gestartete und bereits unter Druck stehende Welt- und Europameister Frankreich (Mittwoch) sowie Asienmeister Südkorea (Freitag) auf die DHB-Auswahl. „Jetzt kommen nur noch Endspiele in der Gruppe“, sagte Groener. Die besten drei Teams kommen weiter.

Mit dem Sprung in die Hauptrunde käme Deutschland auch der anvisierten Olympia-Qualifikation einen großen Schritt näher. Um bei einem Qualifikationsturnier für Tokio 2020 sicher dabei zu sein, muss der EM-Zehnte bei der WM eine Platzierung unter den ersten Sieben erreichen. Die bisherigen Auftritte geben zumindest Grund zur Hoffnung. „Wir hoffen, dass es so weitergeht, das wäre sehr, sehr schön“, sagte Lauenroth.