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Meistgesehene Sportsendung im TV
Handball sticht den Fußball aus

 Bundestrainer Christian Prokop (rechts) nimmt im WM-Spiel gegen Norwegen, der meistgesehenen Sportsendung in diesem Jahr, eine Auszeit.
Bundestrainer Christian Prokop (rechts) nimmt im WM-Spiel gegen Norwegen, der meistgesehenen Sportsendung in diesem Jahr, eine Auszeit. FOTO: dpa / Soeren Stache
Berlin. Jahrelang war Fußball bei den TV-Zuschauern die Nummer eins – im Jahr nach dem WM-Debakel in Russland nicht. dpa

Fußball über allem? In diesem Jahr gilt das nicht – eine andere Sportart ist der Quoten-Hit 2019. Die deutschen Handballer haben zwar den WM-Titel verpasst, aber für die TV-Überraschung des Jahres gesorgt: 11,901 Millionen Menschen schauten das verlorene WM-Halbfinale gegen Norwegen und bescherten der ARD bereits am 25. Januar die Top-Quote des Jahres.

Geschlagen geben mussten sich im Ranking der meistgesehenen Sportsendungen dieses Mal die Fußballer – wenn auch knapp. 11,836 Millionen Fernsehzuschauer sorgten beim EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande bei RTL für die beste Quote der DFB-Auswahl. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Das zeigt deutlich, dass sich sehr viele Menschen für Handball interessieren.“ Wie beliebt die Handballer sind, zeigen auch die Werte anderer WM-Spiele: Die deutsche Auswahl nutzte das Jahr ohne Fußball-Großereignis und schaffte zwei weitere Top-Ten-Platzierungen. Platz drei lieferte das Spiel gegen Kroatien (10,034 Millionen/ZDF), Rang acht die Partie gegen Spanien (9,088 Millionen/ARD). Insgesamt zehn Partien lagen in den Top 40.

„Diese Quote sagt das aus, was ich immer gesagt habe: dass wir die Nummer eins der Ballsportarten nach dem Fußball sind, wenn wir funktionieren und erfolgreich sind“, kommentierte Bob Hanning, Vizepräsident Sport des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die Daten. „Nichtsdestotrotz haben wir noch nicht mal im Ansatz das erreicht, was wir erreichen können und müssen“, sagte der 51-Jährige: „Unser Anspruch muss sein, den Abstand zum Fußball weiter zu verkürzen.“



Die Handballer haben 2019 die Gunst der Stunde genutzt. Denn in den geraden Jahren mit EM und WM schauen die Deutschen mehrheitlich Fußball. So hatten im Vorjahr die Fußballer noch klar dominiert: Unter den 50 erfolgreichsten Sport-Übertragungen des Jahres fand sich 2018 – vor allem wegen der WM-Übertragungen aus Russland – keine andere Sportart. Den Höchstwert lieferte mit 27,53 Millionen Zuschauern das WM-Vorrunden-Duell zwischen Deutschland und Schweden.

Und noch ein potenzieller Konkurrent fehlte 2019 und half den Handballern. „Das hat natürlich auch mit dem Pay-TV zu tun“, erklärte ARD-Mann Balkausky die Zahlen. Erstmals gab es im abgelaufenen Jahr keine Champions-League-Übertragungen im frei zu empfangenden Fernsehen. Das ZDF hatte letztmals im Mai 2018 die Königsklasse senden dürfen. Den wichtigsten europäischen Fußball-Wettbewerb gibt es nun bereits in der zweiten Saison nur noch gegen zusätzliche Bezahlung beim Sky und DAZN.

Sportart Nummer drei hinter Handball und Fußball war in 2019 Skispringen mit zwei Sendungen in den Top 50 – oder genauer gesagt: Übertragungen der Vierschanzentournee Anfang Januar. Über die gesamte Saison betrachtet liegt aber noch Biathlon vor Skispringen. „Der Erfolg der Biathleten hat sich verstetigt“, sagte Balkausky.

Nur ein einziges Fußball-Spiel schaffte es in diesem Jahr über die Zehn-Millionen-Marke. Auch das ist ungewöhnlich. „Aber Fußball hat in der Masse natürlich weiterhin die Dominanz“, sagte der ARD-Sportkoordinator. In Zahlen: 33 Sportsendungen der Top 50 waren Fußball-Übertragungen. Und im kommenden Jahr dürfte sich das Bild auch an der Spitze dank der EM-Übertragungen bei ARD und ZDF wieder ändern – da spielt selbst die Konkurrenz durch die Olympischen Spiele in Tokio keine Rolle.