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Torwart Bitter nicht mehr im Kader
Diesmal verzichtet Prokop auf Experimente

 Händeringend und mit zusammengepressten Lippen verrät schon die Mimik von Handball-Bundestrainer Christian Prokop, dass die Aufgabe der Kader-Reduzierung für die WM eine unangenehme war.
Händeringend und mit zusammengepressten Lippen verrät schon die Mimik von Handball-Bundestrainer Christian Prokop, dass die Aufgabe der Kader-Reduzierung für die WM eine unangenehme war. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Berlin. Aus 28 mach 18: Handball-Bundestrainer musste zehn Spieler aus dem WM-Kader streichen. Ex-Saarlouiser Suton bleibt im Team. sid

(sid) Bevor Christian Prokop zu seinem 40. Geburtstag an Heiligabend mal ein wenig Abstand von der Heim-WM nimmt, musste er noch ein paar „unangenehme Telefonate“ führen. Der Handball-Bundestrainer strich am Freitag zehn Spieler aus seinem nun nur noch 18-köpfigen WM-Kader, darunter auch 2016-Europameister Kai Häfner und 2007-Weltmeister Johannes Bitter. Überraschungen sind nicht dabei, aus diesem Fehler der völlig verpatzten EM vor einem Jahr in Kroatien hat Prokop gelernt.

„Die Jungs haben sich die Nominierung mit starken Leistungen in der Liga und in Lehrgängen alle verdient“, sagte Prokop 20 Tage vor dem WM-Auftaktspiel in Berlin gegen ein gesamtkoreanisches Team: „Wir haben eine tolle und schlagkräftige Mannschaft zusammen, auf die wir uns freuen können.“

Mit den 18 Spielern um Kapitän Uwe Gensheimer läutet Prokop nach dem Weihnachtsfest am 28. Dezember beim Lehrgang in Barsinghausen die heiße WM-Vorbereitung ein. Nach den beiden letzten Testspielen gegen Tschechien (4. Januar in Hannover) und Argentinien (6. Januar in Kiel) wird er zwei weitere Spieler streichen und den dann finalen 16-köpfigen Kader benennen.



Schon jetzt reichte es nicht für Häfner, der die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beim EM-Triumph 2016 als Nachnominierter im Halbfinal-Krimi gegen Norwegen überhaupt erst ins Endspiel geworfen hatte. Der Leipziger Franz Semper erhielt im rechten Rückraum den Vorzug. Semper könne „der Mannschaft aktuell etwas mehr geben“, begründete Prokop.

Im Tor vertraut Prokop erwartungsgemäß auf das Duo Andreas Wolff und Silvio Heinevetter. Bitter, der bei der letzten Heim-WM 2007 den Titel gewann, steht nur noch auf Abruf. Gerade Heinevetter ist zurzeit richtig stark in Form. Der Torhüter war diese Woche der entscheidende Mann, als seine Füchse Berlin Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen im Viertelfinale aus dem DHB-Pokal schmissen. Heinevetter könne „eine Halle richtig mitnehmen, denn er ist ein sehr emotionaler Torhüter“, sagte Prokop. Dazu ist er durch sein unorthodoxes Torwartspiel für Gegner nur ganz schwer zu analysieren.

Insgesamt gehören neun Spieler zum Aufgebot, die 2016 sensationell den EM-Titel geholt hatten. In Linkshänder Semper und Spielmacher Tim Suton (früher bei der HG Saarlouis) stehen nur noch zwei Spieler im Kader, die noch kein großes Turnier mit der Nationalmannschaft absolviert haben.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning sprach von einem „sehr ausgewogenen Kader“ und nannte das Halbfinale in Hamburg als WM-Ziel. „Zuerst müssen wir unsere Aufgaben in Berlin erledigen und dann die in Köln. Aber klar muss es das Ziel sein, sportlich erfolgreich nach Hamburg zu reisen“, sagte Hanning: „Ein Traum wäre es, bei dieser WM ein Auswärtsspiel zu haben.“ Die Spiele um Gold und Bronze finden in Herning bei Co-Gastgeber Dänemark statt.

Die WM-Euphorie in Deutschland sei schon deutlich spürbar, meinte DHB-Präsident Andreas Michelmann. 93 Prozent der Eintrittskarten für die Vorrundenspiele in Berlin seien bereits verkauft. Auch für die Partien in München ohne deutsche Beteiligung wurden bereits 70 Prozent der Tickets abgesetzt. „Das ist eine tolle Geschichte“, sagte Michelmann: „Von der Seite aus steht alles auf Grün.“