| 23:30 Uhr

Formel 1 in Spanien
Hamilton sticht im Reifenpoker gnadenlos zu

Lewis Hamilton ist nach seinem Sieg in Barcelona auf den Boliden gestiegen und springt im nächsten Moment seinem Team entgegen. Der zweite Sieg in Serie beflügelt den Briten.
Lewis Hamilton ist nach seinem Sieg in Barcelona auf den Boliden gestiegen und springt im nächsten Moment seinem Team entgegen. Der zweite Sieg in Serie beflügelt den Briten. FOTO: dpa / Emilio Morenatti
Barcelona. Der Brite gewinnt den Großen Preis von Spanien souverän. Rivale Sebastian Vettel kommt nicht über den vierten Platz hinaus.

Sebastian Vettel strich sich bei der Pressekonferenz nach dem Rennen immer wieder über seinen Fünf-Tage-Bart und runzelte die Stirn. Die Enttäuschung war ihm anzusehen. Während Titelrivale Lewis Hamilton seine fehlerlose Ein-Mann-Show von Spanien mit einer ordentlichen Champagner-Dusche begoss, musste der deutsche Ferrari-Star seine erste große Klatsche des Jahres erklären.

„Wir haben uns das ganze Wochenende schwer getan mit den neuen Reifen“, sagte Vettel und konnte seine Enttäuschung nur bedingt unterdrücken. Beim Doppelsieg von Mercedes im „Rennen der Wahrheit“ hatte der Heppenheimer nicht den Hauch einer Chance. Auch weil Ferrari bei der Strategie kein glückliches Händchen hatte, blieb Vettel am Ende nur Platz vier. Der 30-Jährige musste neben Val­tteri Bottas auch Red-Bull-Pilot Max Verstappen ziehen lassen.

Aber was noch viel schlimmer ist: Vettel wurde in Barcelona richtig in die Schranken gewiesen. Selbst ohne seinen überraschenden zweiten Boxenstopp hätte er erstmals in dieser Saison vom reinen Vermögen des Ferrari her keine Chance auf den Sieg gehabt. Das rote Auto ist nicht mehr das schnellste im Feld, Vettel verließ Spanien mit Blick auf das nächste Rennen in Monte Carlo in zwei Wochen als Geschlagener.



„So mag ich das“, sagte Hamilton nach seinem beeindruckenden Auftritt: „Ich war eine Einheit mit dem Auto.“ Der Brite fuhr problemlos zu seinem 64. Sieg in seiner Karriere, der ihn nun zum Favoriten auf die WM-Krone macht. Doch Vettel versuchte, Ruhe zu bewahren. „Die Überlegenheit von Mercedes ist nicht alarmierend. Es ist nur ein Rennen“, sagte er und ergänzte zu den veränderten Kräfteverhältnissen: „Es war eher überraschend, dass Mercedes so schwer reingekommen ist.“ Und dann stichelte Vettel wie schon in den vergangenen Tagen gegen Reifenlieferant Pirelli. „Die anderen Reifen haben uns vielleicht mehr getroffen“, sagte Vettel, der nach Hamiltons zweitem Sieg in Serie im Kampf um die WM nun schon 17 Punkte Rückstand hat auf den Titelverteidiger.

Die neuen Gummis waren ein großes Thema in Barcelona. Nach den Problemen (Blasenbildung) von den Tests in Barcelona vor der Saison hatte Pirelli für das Rennen einen neuen Reifen produziert, der außer in Spanien noch in Frankreich und England zum Einsatz kommen wird – die Gummis sind 0,4 Millimeter dünner und dadurch ein Kilo leichter pro Stück.

Weil die Reifen Mercedes in die Karten zu spielen scheinen, witterte die Konkurrenz von Ferrari und Red Bull bereits eine Verschwörung zugunsten des Sterneteams. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wies die Spekulationen aber umgehend als „Unsinn“ zurück. Vettel wechselte im Gegensatz zur Konkurrenz jedenfalls zwei Mal die Reifen, das kostete ihn das Podium.

„Es war aus unserer Sicht die bessere Strategie. Nur ein Stopp war für uns keine Option“, sagte Vettel – unterm Strich eine eklatante Fehlentscheidung im Vergleich zu Mercedes. Und so lagen sich in der Box Daimler-Chef Dieter Zetsche, Niki Lauda, Aufsichtsrats-Boss des Rennstalls, und Teamchef Toto Wolff jubelnd in den Armen. „Platz eins und zwei hatten wir lange nicht mehr. Jetzt gehen wir nach Monaco und hoffen, dass wir den Schwung und eine gute Dynamik mitnehmen“, sagte Wolff. Mercedes scheint im Wettrüsten nach dem fünften Rennen der Saison tatsächlich wieder die Nummer eins zu sein.

Reifenflüsterer Hamilton hatte seinen Erzrivalen Vettel in Barcelona stets im Griff. Und Spanien gilt als Gradmesser schlechthin für den weiteren Verlauf des Jahres. In der Formel 1 heißt es: Wer in Barcelona schnell ist, ist auch im Rest der Welt schnell. Vettel verließ Barcelona als empfindlich Geschlagener.