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2. Fußball-Bundesliga
Wolf macht den HSV wieder stark

Hannes Wolf ist der erste Übungsleiter, unter dem der HSV in den ersten drei Spielen kein Tor kassiert hat.
Hannes Wolf ist der erste Übungsleiter, unter dem der HSV in den ersten drei Spielen kein Tor kassiert hat. FOTO: dpa / Christian Charisius
Hamburg. Der Bundesliga-Absteiger feiert nach dem Sieg gegen Köln und dem Sprung an die Tabellenspitze der 2. Liga. Am Rhein hängt dagegen zunehmend der Haussegen schief. Sportchef Armin Veh ärgerte sich über seine Mannschaft. sid

Veh schimpfte und schimpfte. Die Lasogga-Party im Hamburger Volkspark hatte dem Sportchef des 1. FC Köln so richtig die Laune verdorben. „Grottenschlecht“, fand Veh den Auftritt seines hochbezahlten Personals bei der 0:1-Niederlage im Zweitliga-Favoritengipfel beim Hamburger SV. Der große Aufstiegskonkurrent platzt dagegen plötzlich fast vor Selbstvertrauen.

„Unser Ziel ist ganz klar der Wiederaufstieg“, sagte Pierre-Michel Lasogga, der die HSV-Fans nach 363 Minuten ohne Treffer vor heimischer Kulisse erlöst hatte. „Jetzt stehen wir auf Platz eins und wollen da auch nicht mehr runter.“ Von Zweifeln, die zur Entlassung von Christian Titz geführt hatten, ist an der Elbe plötzlich nichts mehr zu spüren. Unter Hannes Wolf schafften die „Rothosen“ den dritten Erfolg im dritten Pflichtspiel und setzten sich verdient an die Tabellenspitze. Vor dem FC St. Pauli.

Lasogga spielt beim Aufschwung eine bedeutsame Rolle. Der Stürmer, derzeit als Protagonist einer Fußball-Soap ohnehin in aller Munde, zahlt das Vertrauen von Wolf mit Toren zurück. Dazu präsentierten sich die immer noch nicht brillant aufspielenden Hamburger in der Defensive gefestigt – Wolf ist der erste Trainer des HSV, der in seinen ersten drei Pflichtspielen keinen Gegentreffer hinnehmen musste. „Es war ein schöner Abend“, sagte der frühere Stuttgarter gestern: „Es wird aber auch Rückschläge geben, man muss in seiner Mitte bleiben.“ Vor dem anstehenden Auswärtsspiel bei Erzgebirge Aue am Samstag (13 Uhr/Sky) mahnte er Konzentration an.



Insbesondere in der Schlussphase zeigte sich die Qualität im HSV-Kader, der brasilianische Olympiasieger Douglas Santos hatte den letztlich siegbringenden Geistesblitz vor Lasoggas Treffer (86.). Über ein vergleichbares Maß an Klasse verfügt auch der FC in seinem Kader, in dem in Jonas Hector unter anderem ein Nationalspieler steht. Die „Nicht-Leistung“ im Spitzenspiel brachte daher nicht nur Veh auf die Palme.

Auch Trainer Markus Anfang war sichtlich genervt. „Wir hatten unheimlich viele individuelle Fehler und haben den HSV dazu eingeladen, das Spiel in die Hand zu nehmen“, sagte der 44-Jährige, der eine erste Ergebniskrise seit seinem Amtsantritt managen muss. Vier Ligaspiele in Serie ohne Sieg sorgten für das Abrutschen auf Rang drei, die gezeigten Leistungen für dicke Luft.

In Hamburg gewann Köln nur knapp 43 Prozent der Zweikämpfe und hinkte in der Laufleistung dem Konkurrenten rund acht Kilometer hinterher. „Wir haben 15 Minuten lang gut angefangen, dann aber die Sicherheit verloren“, sagte Toptorjäger Simon Terodde. „Ich habe nicht gesehen, dass wir unbedingt den Sieg wollten“, meinte Veh.

Im Spiel gegen Dynamo Dresden am Samstag erwartet der Geschäftsführer Sport eine deutliche Reaktion. Mit dem großem Druck braucht ihm vorher niemand zu kommen. „Das geht mir jetzt langsam auf den Keks“, schimpfte Veh.