| 20:04 Uhr

Pyrotechnik wird kontrolliert abgebrannt
Der HSV wird zum Pyro-Pionier

  Fans des Hamburger SV brennen häufig Pyrotechnik ab – unerlaubterweise. An diesem Samstag soll das Ganze kontrolliert über die Bühne gehen.
Fans des Hamburger SV brennen häufig Pyrotechnik ab – unerlaubterweise. An diesem Samstag soll das Ganze kontrolliert über die Bühne gehen. FOTO: dpa / Christian Charisius
Hamburg. Im Volksparkstadion wird am Samstag in der 2. Bundesliga erstmals Pyrotechnik kontrolliert abgebrannt. sid

Samstag, Volksparkstadion, rund 50 000 Fans, kurz vor 13 Uhr. Es flackert vor der Nordkurve, Rauch steigt auf – mit Genehmigung von ganz oben. Der Hamburger SV wagt ein bundesweit beachtetes Experiment und darf als erster Profiklub vor einem Pflichtspiel Pyrotechnik kontrolliert abbrennen. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitteilte, haben die zuständigen Behörden der Hansestadt und die Kommission für Prävention, Sicherheit und Fußballkultur des Verbands einen entsprechenden Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung bewilligt.

Vor dem Anpfiff des Zweitliga-Duells gegen den Karlsruher SC (13 Uhr/Sky) werden unter Beteiligung von zehn Fans „zehn Rauchtöpfe außerhalb der Zuschauerbereiche unter Aufsicht einer Fachfirma kontrolliert“ abgebrannt, schrieb der DFB in einer Mitteilung. Monatelang hatte der HSV zuvor im Hintergrund an seinem Vorhaben gearbeitet. Bei der Erlaubnis handelt es sich „um eine einmalige Ausnahmegenehmigung auf Basis der behördlichen Zustimmung für diesen Spieltag“.

Der Vorstoß des HSV um Klubchef Bernd Hoffmann hat eine lange Vorgeschichte. Das Thema Pyrotechnik beschäftigt den deutschen Fußball seit Jahren. Entsprechend genau werden auch die Bundesligavereine hinschauen, die regelmäßig zur Kasse gebeten werden, wenn ihre Fans unerlaubt auf der Tribüne zündeln. Die Hanseaten waren dabei in den vergangen beiden Saisons trauriger Strafenkönig. Mehrmals musste der Traditionsverein für die Vergehen seiner Anhänger sechsstellige Summen aufbringen – wie etwa nach dem Derby gegen St. Pauli. Lösungen waren bislang nicht in Sicht. „Die in den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen und härteren Sanktionen wie Geldstrafen, Kollektivstrafen, Verbot von Fanutensilien oder überzogene Einlasskontrollen haben nachweislich nicht dazu geführt, dass Pyrotechnik in Stadien weniger zum Einsatz gekommen ist“, sagte Cornelius Göbel, Leiter der Abteilung Fankultur beim HSV: „Wir sind der Meinung, dass es erforderlich ist, neue Wege zu gehen.“



Die „Rothosen“ gehen mit ihrem Pyro-Vorstoß nun auf die aktive Fanszene zu, für die Pyro zum Stadion­erlebnis dazugehört. Aber der HSV grenzt sich auch ganz klar von den Anhängern ab, die im Block mit dem gefährlichen Feuerwerk hantieren. „Wir verstehen uns nicht als Anwälte bei der Pyro-Diskussion dieser 20 durchgeknallten Straftäter, denen Gesundheit und Leben ihrer Mitmenschen egal ist, wenn sie unkontrolliert Pyro zündeln“, hatte Hoffmann bei der Mitgliederversammlung des HSV im Januar gesagt: „Um das klar zu sagen: Hier gilt eine Null-Toleranz-Politik.“ Laut Göbel sei der HSV zudem nicht so „naiv zu glauben, dass Ultras aufgrund dieser Aktion das Abbrennen von bislang verwendeten pyrotechnischen Mitteln sofort unterlassen.“ Es gehe darum, den Austausch weiter voranzutreiben.

Vor dem Spiel gegen Karlsruhe werde das Abbrennen „durchgehend von einem Pyrotechniker vor Ort begleitet und überwacht“, heißt es in der DFB-Mitteilung, jegliche Gefahr soll ausgeschlossen werden. Feuerlöscher und Löscheimer stehen zur Verfügung. Hinter den beteiligten Fans wird je ein Ordner postiert. Die Feuerwehr muss unter Einbeziehung der Wetterprognose noch ihr Okay geben, auch eine Absage ist weiter möglich. „Generell gilt, dass die Vereine zum Schutz der Zuschauer dafür zu sorgen haben, dass keine Pyrotechnik ins Stadion gebracht wird“, teilte der DFB mit.

Gleichwohl bestehe eben die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen. „Eine solche kann nur dann erteilt werden, wenn die Haftung und Verantwortung für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik zweifelsfrei vom Veranstalter selbst übernommen werden“, hieß es. Das Risiko geht der HSV als Vorreiter ein.