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DFB-Präsident in der Kritik
Grindels letzter Schuss

DFB-Präsident Reinhard Grindel steht nach Mesut Özils Kritik massiv unter Druck.
DFB-Präsident Reinhard Grindel steht nach Mesut Özils Kritik massiv unter Druck. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Frankfurt. Der angezählte DFB-Präsident muss auf den Zuschlag für die EM 2024 hoffen.

Neun Wochen. Diese schier endlos lange Zeit muss Reinhard Grindel noch überstehen. Irgendwie. Und wenn am 27. September bei der Vergabe der EM 2024 dann wirklich alles so ausgeht, wie es sich der schwer angezählte DFB-Präsident wünscht, schaut die Welt für ihn schon wieder anders aus. Und wenn nicht? Dann hat der 56-Jährige wohl keine Zukunft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Schließlich ist die EM in sechs Jahren Grindels Prestigeprojekt – und eine erfolgreiche Bewerbung vermutlich die einzige Chance, seine Amtszeit doch noch in eine positive Richtung zu lenken. „Das sind Perspektiven für die Zukunft. Das wäre eine fantastische Geschichte, wenn wir das hinbekämen“, hat Grindel stets betont. Eine Niederlage im Wettstreit mit der Türkei würde ihn sogar „noch trauriger machen“ als der Verlust des WM-Titels, sagte er.

Die Worte des CDU-Politikers erlangen vor dem Hintergrund der hitzig diskutierten Causa Özil noch mehr Gewicht. Und Grindel darf tatsächlich auf (s)ein Happy End hoffen: Noch tendiert die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder im Uefa-Exekutivkomitee zu Deutschland. Damit das so bleibt und in Nyon am Ende nicht doch der türkische Konkurrent jubelt, muss Grindel seinen Laden im Frankfurter Stadtwald aber endlich in den Griff bekommen.



In seiner mittlerweile 27 Monate langen Amtszeit hat er sich schon mehrfach – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Grindel pflege zwar den Kontakt zur Basis, heißt es aus Amateurkreisen anerkennend. Bei den Themen, die seinem mittlerweile ziemlich ramponierten Ansehen auch öffentlich einen Schub verleihen könnten, manövrierte sich Grindel zuletzt aber immer mehr ins Abseits. Die Aufarbeitung des Sommermärchens ist längst ins Stocken geraten, in Sachen Videobeweis mangelte es an der richtigen, verständlichen Kommunikation. Für sein Verhalten im Umgang mit Ex-Nationalspieler Mesut Özil wurde Grindel ebenso scharf kritisiert wie für die verfrühte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw – in diesem Fall sogar verbandsintern.

Dass der größte Sportfachverband der Welt seinem Boss (noch) den Rücken stärkt, hat einen simplen Grund: die Europameisterschaft im Jahr 2024. Grindel soll und muss in den Gesprächen mit seinen Kollegen im Uefa-Exko, gerade in dieser schwierigen Zeit, Lobbyarbeit leisten. Und auf die Unterstützung der deutschen Regierung hoffen.

Ein wichtiger Punkt sind „die sogenannten Regierungsgarantien, in denen die Bundesregierung dem Ausrichter in verschiedenen Bereichen Kooperationsbereitschaft zusichert“, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert zuletzt gesagt und bestätigt: „Diese Regierungsgarantien sind gegeben worden.“ Sie sind dringend notwendig.

Denn die Türkei versprach der Uefa „eine noch nie da gewesene staatliche Unterstützung“. Der DFB-Gegner würde eigenen Angaben zufolge „alle Garantien ohne jeden Vorbehalt geben, inklusive zusätzlicher Garantien, die den wirtschaftlichen Erfolg des Turniers absichern werden“. Sollten die Zusagen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und die damit verbundenen, sehr verlockenden Aussichten letztlich doch den Ausschlag geben, wäre der DFB gescheitert. Und mit ihm Grindel. Es würde ins Bild des „bisher schlechtesten DFB-Präsidenten“ (Zitat des ehemaligen DFB-Medienchefs Harald Stenger) passen.