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Glanzlos, aber effektiv und erfolgreich

Brasilia. Die argentinischen Minimalisten feierten ihren ersten WM-Halbfinaleinzug seit 24 Jahren ausgelassen. Angst und Schrecken verbreiteten Lionel Messi und Co. gegen Belgien zwar nicht, doch ihre Reise soll erst in Rio enden. sid

Der Gegner lästert, der Unterhaltungswert ist gering, doch nach dem ersten Einzug ins WM-Halbfinale seit 24 Jahren will sich Argentinien auf dem Weg zum Thron durch niemanden mehr aufhalten lassen. "Unser Traum lebt. Jetzt haben wir das Finale fest im Visier", sagte Stürmer Gonzalo Higuain nach dem glanzlosen 1:0 (1:0)-Viertelfinalerfolg gegen Belgien .

Mit ihrem Minimalisten-Fußball verbreiteten Superstar Lionel Messi und seine Mitspieler beim Halbfinalgegner Niederlande zwar weder Angst noch Schrecken. Der fünfte Sieg im fünften Spiel in Brasilien zeigte aber erneut, dass diese abgezockte und clevere Mannschaft nur schwer zu bezwingen ist. Messi, der diesmal im Schatten von Siegtorschütze Higuain (8. Minute) stand, machte aber deutlich, dass dem Erfolg alles - selbst fußballerischer Glanz - unterzuordnen ist. Es sei sogar ihr bestes Spiel gewesen, gab "La Pulga", der Floh, zu Protokoll. Von der historischen Einordnung zeigte sich auch der viermalige Weltfußballer überrascht. "Es war eine lange Zeit, in der Argentinien nicht in einem WM-Halbfinale war. Es war an uns, diese Grenze zu überschreiten", sagte Messi.

Belgiens Trainer Marc Wilmots konnte die Begeisterung der Argentinier nur schwer nachvollziehen. "Ich bin überhaupt nicht beeindruckt von Argentinien . Sie sind ein ganz gewöhnliches Team mit einem außergewöhnlichen Spieler", sagte Wilmots, während die Spieler der Albiceleste ausgelassen mit nacktem Oberkörper und ihren Trikots wedelnd über den Rasen des Estadio Nacional in Brasilia tanzten. Der belgische Routinier Daniel van Buyten erklärte sogar, dass er bei einem Finale Argentinien gegen Deutschland "alles, was ich habe, auf Deutschland setze".

Fraglich bleibt allerdings, ob der 36 Jahre alte Innenverteidiger damit gut beraten ist. Argentinien spielte zwar erneut ohne Raffinesse, stand aber äußerst kompakt in der von Ezequiel Garay sehr gut organisierten Defensive. Den Roten Teufeln fiel gegen die argentinische Mauer nicht viel ein. "Wir haben die richtige Balance zwischen Abwehr und Angriff gefunden", stellte Alejandro Sabella zufrieden fest. Argentiniens Trainer durfte zudem erleichtert sein, dass die ständige Diskussion um Torjäger Higuain nach dessen erstem Tor im Nationaltrikot nach 528 Minuten beendet ist. Er habe sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, betonte der Trainer mit Blick auf die zuletzt glücklosen Auftritte des 26-Jährigen zwar, "aber ein Tor ist für jeden Stürmer natürlich wichtig". Higuain, der auch zum Spieler des Spiels gekürt wurde, war sichtlich erleichtert. "Ich habe immer hart gearbeitet, und heute ist es passiert", sagte Higuain.

Sabella setzt im Halbfinale am Mittwoch in Sao Paulo neben den Künsten Messis auf den Teamgeist, der den Argentiniern in den vergangenen Jahren ein wenig abhandengekommen war: "Jeder hat 120 Prozent für seinen Mannschaftskollegen gegeben." Einzig die Verletzung von Angel Di Maria (Oberschenkelprobleme) trübte die Freude ein wenig. "Er ist ein Schlüsselspieler. Hoffentlich wird er rechtzeitig fit", sagte Higuain. Dann wird die Erfüllung des Traums vom Titel noch ein wenig wahrscheinlicher.