| 23:40 Uhr

WM-Qualifikation
„Gigi“ trauert, „Ibra“ nervt die Schweden

Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon (li.) und sein Teamkollege Manolo Gabbiadini trauern nach dem Quali-Aus. Italien hat erstmals seit 60 Jahren die Endrunde einer Fußball-WM verpasst.
Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon (li.) und sein Teamkollege Manolo Gabbiadini trauern nach dem Quali-Aus. Italien hat erstmals seit 60 Jahren die Endrunde einer Fußball-WM verpasst. FOTO: Luca Bruno / dpa
Mailand. Italien ist vom historischen WM-Aus tief getroffen. Buffon, Barzagli und De Rossi beenden ihre Auswahl-Karriere.

(sid) Im bittersten Moment seiner schillernden Karriere blieb sich Gianluigi Buffon treu. Das Wohl der Anderen – für „San Gigi“, den Heiligen, besaß es auch an diesem Abend weitaus mehr Bedeutung als das eigene Schicksal. Italiens Fußball-Ikone glänzte mit Feingefühl, nicht mit Paraden, und zeigte einmal mehr wahre Größe. Mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen gratulierte der 39-Jährige am Montagabend nach dem schmerzhaften WM-Aus der stolzen Fußball-Nation zuallererst den Schweden. Dann nahm Buffon tröstend seine Teamkollegen in den Arm – und kümmerte sich ganz zum Schluss doch noch um das eigene Schicksal. „Die Zeit schreitet stets voran, mein Ende im Nationalteam ist nur die logische Konsequenz“, sagte Buffon mit Tränen in den Augen: „Das Aus ist sehr enttäuschend für mich, aber vor allem für Italien. Die WM-Qualifikation wäre auch in sozialer Hinsicht extrem wichtig für das Land gewesen.“

Dass der viermalige Weltmeister 2018 erstmals seit 60 Jahren bei einer WM-Endrunde fehlen wird, dürfte zu verschmerzen sein. Aber Italien ohne Buffon? Die Azzurri ohne ihren leidenschaftlichen Vorsänger? Jubel und Trauer ohne diese unverblümte Echtheit? Das will man sich nicht ausmalen. „Wenn ich aufhöre“, sagte Buffon einmal, „möchte ich, dass die Leute traurig sind.“ Das sind sie auf der ganzen Welt – der Kummer der „Numero Uno“ stand symbolisch für den Schmerz einer gesamten Nation. Schon vor dem Spiel hatte er sich wie immer als untadeliger Sportsmann gezeigt, als er als Reaktion auf die vielen Pfiffe der Fans in Mailand bei der schwedischen Hymne klatschte – als Zeichen des Respekts für die Schweden.

Die Squadra Azzurra, das war über viele Jahre hinweg vor allem Buffon. Im Alter von nur 19 Jahren hatte der Rekordnationalspieler sein erstes von insgesamt 175 Länderspielen bestritten. 1998 spielte er seine erste WM in Frankreich. Den Höhepunkt erlangte er acht Jahre später mit dem Triumph in Deutschland. Nun ist seine Karriere in der Nationalmannschaft vorbei – und im Sommer hängt er auch sein Trikot bei Juventus Turin an den Nagel.



Auch die beiden anderen verbliebenen Weltmeister, Daniele De Rossi und Andrea Barzagli, machen Schluss. „Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagte Barzagli. De Rossi sprach von Begräbnis-Stimmung nach dem Spiel: „Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler.“

Nach dem Desaster von Mailand wird auch Nationaltrainer Gian Piero Ventura gehen müssen. Aber reicht ein neuer Trainer allein, die tief gefallene Nationalmannschaft wieder aufzurichten? Und den schwer verletzten Stolz eines ohnehin in Politik und Wirtschaft gelähmten Landes wiederherzustellen? Der italienische Verband FIGC kündigte für heute Konsequenzen an. Einer der potenziellen Nachfolger für Ventura könnte der beim FC Bayern München geschasste Carlo Ancelotti sein, spekulierten gestern italienische Medien.

Derweil waren die freudetrunkenen Schweden nach dem 0:0 nicht mehr einzufangen. Wie wild gewordene Elche stürmten die Spieler auf die Kameras zu, sprangen auf die überraschten Moderatoren und zerlegten das mobile TV-Studio in seine Einzelteile. Der einzige, der für Miss-Stimmung sorgte, war Zlatan „Ibra“ Ibrahimovic. Der aus dem Nationalteam zurückgetretene Stürmerstar betitelte ein Foto der feiernden Spieler bei Twitter mit: „Wir sind Schweden“ – wobei er sein Heimatland mit „Z“ wie „Zlatan“ schrieb. Liebäugelt er etwa mit seiner Rückkehr? Nationaltrainer Janne Andersson hat eine klare Meinung dazu: „Dieser Spieler hat vor eineinhalb Jahren aufgehört, für Schweden zu spielen, und wir reden hier immer noch über ihn, haben uns aber ohne ihn qualifiziert.“