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Geschichte in 8:14:40 Stunden

 Jan Frodeno überquert als Erster die Ziellinie beim Ironman auf Hawaii. Fotos: Omori/dpa
Jan Frodeno überquert als Erster die Ziellinie beim Ironman auf Hawaii. Fotos: Omori/dpa
Kona. Jan Frodeno vom LAZ Saarbrücken hat Historisches geleistet und als erster Triathlet nach dem Olympiasieg und dem WM-Titel über die Halbdistanz auch die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen. Mark Weishaupt

Die letzten Meter auf dem Weg zur sportlichen Unsterblichkeit absolvierte Jan Frodeno im Zeitlupentempo. Und wer wollte es dem 34-jährigen Triathleten des LAZ Saarbrücken verdenken - nach 3,86 Kilometern Schwimmen im Pazifik, 180,2 Kilometern Radfahren durch die Lavawüste von Big Island und 42,195 Kilometern Laufen auf flirrendem, kochend heißem Asphalt rund um Kona . Doch Frodeno konnte es sich leisten, Zentimeter für Zentimeter auszukosten - sein Vorsprung beim Ironman auf Hawaii auf die Konkurrenz war groß genug. Und so spazierte "Frodo" auf dem Ali'i Drive auf die Ziellinie zu, winkte ins Publikum, nahm das Zielband in die Hand, riss es durch und schrie seine Freude heraus. Danach ließ er seine 1,94 Meter der Länge nach hinplumpsen und genoss die Glückwünsche seiner Ehefrau Emma, die als Erste bei ihm war und ihn mehr als nur einmal drückte.

"Aufgrund der Historie des Rennens, bei der schon viele kurz vor dem Ziel noch verreckt sind, habe ich bis auf den Zielteppich durchgezogen", sagte Frodeno später. "Hier kann alles passieren. 8:14:40 Stunden brauchte Frodeno für die Strecke - fünf nackte Ziffern, die nur unzulänglich beschreiben, welche Qualen er durchleiden musste, ehe er das geschafft hatte, was zuvor noch keinem Triathleten gelang. Olympiasieger 2008 in Peking, Weltmeister auf der halben Ironman-Distanz 70.3 in Zell am See, Ironman-Europameister in Frankfurt - und jetzt die Krönung zum König von Kailua Kona . Und das nur zwei Jahre nach seinem Umstieg von der Kurz- auf die längeren Strecken. "Es war so unfassbar hart und unendlich heiß, auf der Laufstrecke war es widerlich", sagte Frodeno, "aber jetzt bin ich Weltmeister."

Der härteste Arbeitstag des Jahres war für Frodeno, der 2014 bei seiner Premiere auf Hawaii Dritter geworden war und als Top-Favorit auf den Sieg gehandelt worden war, optimal gelaufen. Nach dem Schwimmen im Pazifik lag er schon mit an der Spitze, nach den 180,2 Kilometern auf dem Rad war er ganz vorn - und auf der Marathonstrecke nicht mehr aufzuhalten.

Das mit Spannung erwartete Duell von Frodeno mit Kumpel und Vorjahressieger Sebastian Kienle fiel aus. Am Ende fiel er bis auf Platz acht zurück. Einen deutschen Doppelsieg gab es trotzdem - dank eines sensationellen Auftritts von Andreas Raelert. Der Rostocker, der lange Jahre mit Frodeno in Saarbrücken am Olympiastützpunkt trainierte, lief den Marathon über zwei Minuten schneller als Frodeno und rannte bis auf Platz zwei vor. Der Olympia-Sechste von Athen 2004 war schon zwei Mal Dritter und zwei Mal Zweiter auf Hawaii. "Mit Platz zwei möchte ich mich hier nicht verabschieden", sagte Raelert, der 2016 als frisch gebackener Vater in Hawaii starten will. Genau wie Frodeno, der mit Frau Emma im Februar Nachwuchs erwartet. "Heute haben die werdenden Väter zugeschlagen", sagte "Frodo".

Der Zweibrücker Oliver Spurzem hat das Ziel verpasst, bei seinem zweiten Start auf Hawaii die Zehn-Stunden-Marke zu knacken. Der Triathlet der Wassersportfreunde kam beim Ironman nach 10:13:03 Stunden an. Für die 3,86 Kilometer Schwimmen benötigte der 38-Jährige 1:08,15 Stunden, die 180,2 Kilometer auf dem Rad absolvierte der Bundeswehr-Angehörige in 5:26,58 Stunden, den abschließenden Marathon lief er in 3:28,45 Stunden. In seiner Altersklasse der 35 bis 39-Jährigen belegte Spurzem damit Rang 102, insgesamt Platz 458.