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Handball-EM
Gensheimer will nicht der Unvollendete sein

An diesem Samstag beginnt für Kapitän Uwe Gensheimer und sein Team die Handball-EM.
An diesem Samstag beginnt für Kapitän Uwe Gensheimer und sein Team die Handball-EM. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Zagreb. Der Star der deutschen Handballer träumt vom ersten großen Titel, der ihm bisher verwehrt blieb. Zum EM-Start wartet Montenegro.

(sid) Interviews am Fließband, jede Menge TV-Kameras und überall Fotografen: Die turbulenten Tage vor der Europameisterschaft bringen Uwe Gensheimer nicht aus der Ruhe. Aus dem Neymar-Land in Paris ist der Kapitän der deutschen Handballer schließlich ganz andere Dimensionen gewohnt. „Ich wohne in unmittelbarer Nähe des Prinzenparks und habe den Trubel hautnah erlebt, als Neymar im Stadion als Neuzugang präsentiert wurde. Da war die Hölle los, das ist eine andere Welt“, sagt Gensheimer. Vor dem EM-Turnier in Kroatien ist der Starspieler von Paris St. Germain ein gefragter Mann. Seine Geschichte mit der Nationalmannschaft ist nämlich eine besondere.

Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur im Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) gewachsen. Doch ein Titel im Trikot mit dem Adler auf der Brust fehlt dem trickreichen Torjäger noch immer. Das EM-Finale 2016, den großen Triumph unter dem damaligen Trainer Dagur Sigurdsson, musste Gensheimer verletzt von der Tribüne aus verfolgen.

In Kroatien will Gensheimer unter Führung von Bundestrainer Christian Prokop endlich sein Meisterstück bei einem großen Turnier abliefern. Im vergangenen Jahr bei der WM in Frankreich war ihm unter schwierigsten Umständen erneut der große Coup verwehrt geblieben. Wegen des plötzlichen Todes seines Vaters reiste Gensheimer erst verspätet an. Das Aus im Achtelfinale gegen Katar war eine sportliche Enttäuschung.



„Uwe wird alles geben in dem Turnier. Aber er setzt sich nicht zu sehr unter Druck, um etwas aufzuholen. Er will seinen Teil dazu beitragen, dass wir Erfolg haben“, sagte Teammanager Oliver Roggisch, der mit Gensheimer befreundet ist. Gensheimer sei „der beste Links­außen der Welt“ und für das junge Team ein „ganz wichtiger Spieler, der auch wenn es einmal nicht so gut läuft, seinen Mund aufmacht. Wenn er was sagt, hören alle zu.“

Auch in Paris hat der Mann mit dem Gummi-Arm schnell Fuß gefasst. Das Motto „Dream Bigger“ des Scheichclubs PSG hat Gensheimer längst verinnerlicht. Aber er ist bescheiden geblieben, genießt die französische Lebensart und fährt gerne mit dem Fahrrad zum Training. Starallüren sind ihm trotz konstanter Topleistungen fremd. Die Handballfans von PSG wissen sein Auftreten zu schätzen. „Ich habe mir sagen lassen, dass mein Trikot das meistverkaufte ist“, sagt Gensheimer nicht ohne Stolz. Das ist alles andere als selbstverständlich, wenn man mit Hochkarätern wie Nikola Karabatic, Mikkel Hansen und Co. in einem Team spielt. Topstars, die bei der EM nun zu seinen großen Gegnern werden könnten. Frankreich und Dänemark zählen wie Gastgeber Kroatien neben den Titelverteidigern aus Deutschland zu den heißesten Kandidaten auf den Sieg. Seinen großen Traum vom Triumph mit der Nationalmannschaft nimmt er an diesem Samstag mit in die ersten Vorrundenpartie gegen Montenegro (17.15 Uhr/ZDF).

Gastgeber Kroatien ist mit einem Prestige-Erfolg in die EM gestartet. Im Duell mit Nachbar Serbien setzten sich die Kroaten am Freitagabend in Split mit 32:22 durch. Im ersten Topspiel des Turniers wendete Weltmeister Frankreich eine Auftaktpleite ab. Gegen Mitfavorit Norwegen gewann die Mannschaft von Trainer Didier Dinart dank eines späten Tores von Michael Guigou mit 32:31.