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„Geh wenigstens kämpfend unter“

New York. In den ersten beiden Sätzen leistete er sich 26 unerzwungene Fehler. Im vierten Durchgang wehrte er zwei Matchbälle ab. Doch nach 3:20 Stunden rang Roger Federer im Viertelfinale der US Open den Franzosen Gaël Monfils nieder. Agentur

Mit einem langgezogenen "Yeeeeeees"-Schrei feierte Roger Federer seine sagenhafte Aufholjagd. Noch nie hat der langjährige Herrscher über das Herren-Tennis bei einem Grand-Slam-Turnier einen Matchball abgewehrt und danach noch gewonnen. Noch nie bis zu diesem denkwürdigen US-Open-Viertelfinale am 4. September 2014 gegen den französischen Artisten Gaël Monfils. Es war gegen 23 Uhr am Donnerstagabend, als der 33 Jahre alte Schweizer auf die Anzeigetafel blickte und in Gedanken schon die Pressekonferenz des Verlierers durchspielte.

4:6, 3:6, 6:4, 4:5 und 15:40 lag der fünfmalige US-Open-Champion zurück. Zwei Matchbälle für Monfils. "In dem Moment dachte ich nur: Geh wenigstens kämpfend unter", sagte Federer später. Wieder nix mit dem 18. Grand-Slam-Titel, wieder ein sportlicher Rückschlag für den doppelten Zwillingsvater, wieder eine vertane Chance. "Das ist ein sehr frustrierender Moment. Das ist nicht lustig, weil du so kurz davor stehst, den Platz verlassen zu müssen, den Kopf hängen zu lassen, eine Dusche zu nehmen und die Fragen zu beantworten, was so nervig ist, wenn du verloren hast", sagte Federer, als er eine halbe Stunde nach Mitternacht in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums von New York vor die Journalisten trat. Als Sieger. Als Halbfinalist.

Beim ersten Matchball wagte der 17-malige Grand-Slam-Champion bei eigenem Aufschlag einen Ausflug ans Netz, und der Passierschlag seines 28 Jahre alten Kontrahenten landete im Aus. Den Punkt zum 40:40 machte Federer mit einem Vorhand-Winner. Was auch immer sich in diesem Moment in den Köpfen der beiden Protagonisten abspielte - für Federer war es die Initialzündung, für Monfils der Anfang vom Ende.

Zum neunten Mal drehte der einstige Maestro eine Partie noch nach einem 0:2-Satzrückstand, zum neunten Mal steht er jetzt im Halbfinale der US Open . Dort trifft Federer am Samstag auf den Kroaten Marin Cilic. "Er hat sich wirklich verbessert. Ich erwarte ein schweres Match", sagte Federer über den Ranglisten-16.

Die Halbfinals am "Super Saturday" werden nun auch zum Klassentreffen der Altmeister. Federer wird von Stefan Edberg betreut, Cilic von Goran Ivanisevic trainiert. Im zweiten Semifinale stehen sich nicht nur der japanische Fünf-Satz-Spezialist Kei Nishikori und der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic gegenüber, sondern auch die beiden charismatischen Trainerfiguren Michael Chang und der Deutsche Boris Becker .