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Radsport
Froome will bei der Tour 2019 seinen Kreis schließen

 Chris Froome will 2019 die Tour de France gewinnen.
Chris Froome will 2019 die Tour de France gewinnen. FOTO: dpa / David Stockman
Medellin. Der britische Radprofi steigt heute in Kolumbien in die neue Saison ein. Der Zweikampf mit Geraint Thomas bestimmt das Jahr. dpa

Das Unternehmen Toursieg Nummer fünf beginnt für Chris Froome in Medellin. Am heutigen Dienstag startet der britische Radprofi beim 13 Kilometer langen Zeitfahren zum Auftakt der extrem schweren Kolumbien-Rundfahrt in die Saison. Sein Teamkollege, der aktuelle Tour-de-France-Champion Geraint Thomas, legte die ersten Wettkampf-Kilometer 2019 bei der Valencia-Rundfahrt mit mäßigem Erfolg zurück. Aber immerhin widerstand der Waliser den Empfehlungen des Altmeisters, der ihn zum Start beim Giro d’Italia („Die Strecke ist perfekt für ihn“) loben wollte.

Froome hatte seinem Freund einen Start ab dem 11. Mai in Italien sehr schmackhaft gemacht, wohl wissend, dass Thomas dann womöglich im Juli in Frankreich das letzte Quäntchen im Kampf um das Gelbe Trikot vielleicht nicht mehr aktivieren könnte. So erging es Froome im vergangen Jahr – in Paris hatte es für den viermaligen Triumphator nach vorangegangenem Giro-Sieg nur zu Rang drei gereicht.

„Ich will nicht meine Tour-Chancen riskieren. Als Titelverteidiger muss ich dort in der besten Verfassung antreten“, ließ Thomas in einem Interview wissen und vertröstete die Veranstalter in Italien auf 2020. Der 33 Jahre alte Froome wurde etwas pathetisch: „Ich habe vier Mal die Tour gewonnen und bin im richtigen Alter, um ein Erbe zu hinterlassen. Ein fünftes Mal zu gewinnen, wäre der beste Weg, den Kreis zu schließen.“ Mit dem heiß ersehnten fünften Erfolg auf den Champs-Élysées würde er zu den Radsport-Legenden Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufschließen.



Abgesehen von Fragen der Team-Hierarchie gibt es beim Team Sky im letzten Jahr des Sponsorings natürlich das handfeste Problem der zukünftigen Finanzierung der hoch bezahlten Stars. Thomas ist jedenfalls zuversichtlich: „Wir haben Vertrauen, dass wir einen neuen Sponsor finden. Seit dem Teamstart 2010 bin ich dabei. Es fühlt sich wie eine Familie an. Wir wollen zusammenbleiben.“ Letztes Gerücht war ein möglicher Einstieg des schillernden Milliardärs Oleg Tinkow, der einst das Team von Bjarne Riis kaufte.

Tinkow und Sky – das wäre eine illustre Kombination. „Er hat doch einen Charakter“, sagte Thomas mit einem Lächeln zu den Spekulationen. Der Russe will von einem Rad-Comeback aber (noch) nichts wissen. Bis ein möglicher Investor gefunden ist, wollen Thomas, Froome und Co. mit Siegen Werbung betreiben. Dafür steht der Teamgeist an oberster Stelle – auch für Froome, der sich 2018 nach der ersten Tour-Woche ohne Murren in den Dienst des stärkeren Thomas gestellt hatte. In dieser Saison muss sich die Freundschaft in Frankreich einer weiteren harten Belastungsprobe stellen.

Und wenn der fünfte Toursieg glücken sollte, hat Froome noch mindestens ein Karriere-Ziel im Visier. Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist er 2020 heiß auf Gold im Straßenrennen. „Ich müsste mein Vorbereitungs-Programm komplett ändern, aber das wäre es wert“, sagte er. Diesen Erfolg hat aber auch Thomas auf seinem Wunschzettel.